Verliert Kunst durch Digitalisierung an „Handwerk“?

  • Immer mehr Werke entstehen digital – auf Tablets, mit AI-Tools oder komplett am PC. Einerseits ist das mega spannend, weil dadurch viel mehr Menschen kreativ werden können und neue Stilrichtungen entstehen. Andererseits habe ich manchmal das Gefühl, dass das klassische „Handwerk“ – also Malen, Zeichnen, Material fühlen – ein bisschen in den Hintergrund rückt.

    Ist digitale Kunst „echte“ Kunst oder etwas anderes? Und was hat für euch persönlich mehr Wert: Technik oder Idee?

  • Ich glaube nicht, dass Kunst durch Digitalisierung automatisch „Handwerk verliert“, eher verschiebt sich das Handwerk. Auch digital steckt extrem viel Können drin – nur eben andere Entscheidungen: Komposition, Licht, Layering, Timing, Umgang mit Tools. Das ist am Ende auch eine Form von Handwerk, nur ohne Leinwand und Pinsel. Was sich aber verändert hat, ist diese direkte Materialerfahrung. Beim klassischen Zeichnen oder Malen gibt es eine gewisse Reibung zwischen Idee und Umsetzung – du spürst jede Entscheidung physisch. Digital ist das oft schneller, glatter, korrigierbarer. Dadurch entsteht manchmal dieses Gefühl, dass etwas „weniger greifbar“ ist.

    Zur Frage „echte Kunst“: Ich würde sagen, das ist eher eine falsche Trennung. Kunst war schon immer stark vom verfügbaren Medium abhängig – Fotografie wurde auch lange nicht als „echte Kunst“ gesehen, heute ist das selbstverständlich. Für mich persönlich ist am Ende die Idee wichtiger als das Werkzeug. Aber das Werkzeug prägt natürlich stark, wie sich die Idee anfühlt und was daraus wird. Manche Arbeiten funktionieren nur durch das Medium selbst – und genau da wird es eigentlich spannend.

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