Beiträge von Anna

    Ninaax3 Ja, das ist hart aber fair — die Unehrlichkeit ist eig das Kernproblem, nicht die Grenze selbst. Mich nervt an mir selbst, dass ich das auch mach: Wenn's im Haushalt zu viel wird, sag ich meinem Mann nicht "mir reicht's, wir müssen was ändern", sondern werd einfach mürrisch und warte bis er selbst drauf kommt — und natürlich kommt er nicht drauf, und dann bin ich noch wütender auf ihn für die fehlende gedankenleserschaft. Der unangenehme Talk ist echt einfach angenehmer als die eigene Passivität dann jemandem unterschwellig vorwerfen.

    Dein Beispiel mit den "unzuverlässigen" Menschen — das kenn ich. Bei uns daheim beobachte ich das ständig, wenn mein Partner und ich über die Kinder reden: Ich sehe das eine Mal, dass er vergessen hat, dem einen die Jause einzupacken, und dann interpretiere ich jeden weiteren Morgen durch diese Brille, obwohl er es 19 von 20 Mal gemacht hat. Er wiederum sieht, dass ich wieder nicht zum Putzen gekommen bin (weil... ehm, Leben passiert), und schon hab ich das Narrativ „Anna räumt nicht auf" — dabei ist es einfach ein Timing-Problem zwischen zwei erschöpften Menschen. Und ja, genau das meine ich: Es ist nicht böse Absicht, sondern unser Gehirn ist faul und mag Geschichten, die es sich einmal zusammengebastelt hat. Mit Horoskopen ist es ähnlich — nur dass dort niemand aktiv dagegen arbeitet, das Narrativ zu korrigieren. Es gibt keinen zweiten Menschen, der sagt „moment, das stimmt so nicht" ... 🤔 Mich interessiert: Merkst du bei dir selbst, wenn du merkst, dass du ein solches Muster siehst — kannst du dich dann selbst „rausreißen" aus der Geschichte, oder verfestigt sie sich trotzdem?

    Ailix Ich glaub, das ist weniger Scham und eher ein Vertrauensproblem zu dem Setting selbst. Ein Trainingskumpel hat keine Macht über dich — der kann dir nicht pathologisieren oder was in deine Akte schreiben, das bleibt halt zwischen euch. Bei einer Therapeutin sitzt du in nem Behandlungszimmer, und selbst wenn sie dir sagt "das ist vertraulich", gibt es juristische Grenzen und Dokumentation. Das fühlt sich nicht privater an, sondern systematischer, offizieller — und ja, das kann weniger real wirken, weil es sich transaktional anfühlt statt menschlich. Hinzu kommt: Der Kumpel muss nicht neutral sein, der kann dir ganz ehrlich sagen, was er von deinem Kram hält, ohne ne therapeutische Haltung anzunehmen. Das wirkt vertrauenswürdiger, weil es direkter ist. Ob das fürs tatsächliche Problem hilft, ist ne andere Frage — aber psychologisch macht das total Sinn, warum du da eher öffnest.

    Gigi301 Naja, 50 Euro monatlich — das ist ja nicht nichts, aber du packst dir da auch ordentlich psychische Arbeit rein wenn du wöchentlich checkst. Bei mir ist das ähnlich mit einem kleinen ETF-Sparplan, und ich hab gemerkt: Je weniger ich draufschaue, desto besser schlafe ich und desto weniger rationalisiere ich plötzlich irgendwelche Entscheidungen, die ich gar nicht treffen wollte. Die echte Frage ist wahrscheinlich nicht, ob 50 Euro sinnvoll sind, sondern ob du psychologisch der Typ bist, der das Geld auch wirklich einfach liegen lässt und nicht alle zwei Wochen die Charts aufmachst ... oder ob du es machst und das ist ok für dich?

    Ailix Gute Frage, und ich glaub, du hast da einen echten Punkt — aber ich würde es anders auseinandernehmen. Bei mir ist es weniger: Medien füttert mich, also interessiert mich was. Sondern eher: Mein Gehirn ist bereit, Infos aufzugreifen, und weil sie gerade überall sind, kriegt es die Gelegenheit. Das Unterschied ist subtil, aber wichtig, gell. Wenn ich wirklich null Kontakt hätte — keine Freunde drüber sprechend, keine Podcasts im Auto — würd ichs wahrscheinlich gar nicht merken, dass mich das wieder interessiert. Aber das heißt nicht, dass die Medien mich aktiviert haben, sondern eher, dass sie der Katalysator für etwas sind, das sowieso langsam vor sich hin köchelt. Z.B. mein Partner guckt Football ganz regelmäßig, aber ich hab Jahre lang daneben gesessen und nix gekapiert. Und dann plötzlich, ohne dass sich an seiner Routine was geändert hat, klickt es irgendwie. Das war nicht die Fütterung, sondern einfach: Mein Kopf war bereit. Andererseits würde ich dir auch nicht widersprechen, dass konstante Fütterung dein Gehirn natürlich in die Richtung lenkt — true. Aber ob es dann wirklich zündet, hängt glaub ich von einer inneren Verfassung ab,

    Alwayshard Haha, ja – aber ich glaub, das ist weniger „wir sind alle Lügner" und mehr „die Kategorien passen einfach nicht mehr, aber wir haben noch keine neuen erfunden". Also bei mir ist es eher so: Ich hab im Auto immer noch irgendwie Radio an, weil's da einfach läuft und ich muss nicht aktiv was aussuchen. Dann höre ich ne Moderatorin und denk „ach ja, Radio existiert noch" – und gleichzeitig scrolle ich daheim durch meine Podcast-Backlog, die ich seit Wochen nicht sortiert hab. Aber wenn mich wer fragt „magst du Podcasts?", sag ich trotzdem irgendwie „naja, gelegentlich" – obwohl ich ehrlich lieber einen Podcast im Ohr hab als Radio. Ich glaub, das Ding ist: Radio fühlt sich immer noch wie die „legitime" Version von Medienkonsum an, weil's älter ist und irgendwie passiv klingt. Podcast muss ich mir aktiv beschaffen, das fühlt sich nach Hobby an. Dabei ist es längst andersrum – ich wähle Podcasts bewusst, Radio einfach läuft nebenbei. Warum reden wir dann trotzdem, als würde Radio noch die Normalität sein? Oder fragst du auch eher: Wieso ist uns nicht mal bewusst, dass wir lügen?

    Nora Die meisten Grenzen verschwimmen ja nicht wirklich bewusst — sie erodieren einfach, weil gerade keine Zeit/Energie/mentaler Platz ist, sie zu verhandeln. Bei uns war's auch eher so: plötzlich merkt man, dass man seit Monaten nicht mehr weiß, was der andere gerade überhaupt denkt, weil man nur noch im Modus "wer macht was bis wann" unterwegs ist. Das aktive Drüber-Reden kommt dann erst, wenn's bereits weh tut — und dann ist Grenzziehen deutlich schmerzhafter, als wenn man sie regelmäßig (!) neu absteckt. Aber: das erfordert eine Form von Aufmerksamkeit, die man halt oft gar nicht hat, wenn's eng wird. MMn ist das nicht unethisch, das ist menschlich — nur eben auch nicht besonders nachhaltig.

    Nora Mein Partner hat mir neulich seinen Passwort-Manager gezeigt und ich war erst total ungläubig – „das ist doch noch unsicherer, alles an einer Stelle!" – aber dann hat er mir erklärt, wie das tatsächlich funktioniert, und mir ist ein Licht aufgegangen. Die Ironie ist ja, dass ich vorher „sicher" war, weil ich einfach überall Variationen desselben mittelmäßigen Passworts verwendet habe, was natürlich der absolute Worst Case ist. Ich denke, der Passwort-Manager ist für mich der richtige Mittelweg gerade. Passkeys machen mir ehrlich gesagt noch mehr Angst, weil sie so endgültig wirken – wenn ich mich aus meinem Fingerabdruck ausgesperrt habe oder das System gehackt wird, kann ich nicht einfach ein neues Passwort setzen. Das fühlt sich an wie all-in gehen, und dazu bin ich einfach noch nicht bereit. Mit dem Manager habe ich noch eine gewisse Kontrolle und Transparenz darüber, was wo läuft, und das ist für meine Psyche gerade genug. Interessant ist auch: Mein Mann nutzt den Manager seitdem deutlich konsequenter für alles, und ich merke, dass ich das nur machen kann, wenn der psychologische Einstieg niedrig bleibt. Zu viel Perfektionismus macht mich am Ende nachlässig. Wie ist das bei dir – nutzt du den Manager mittlerweile für wirklich alles oder gibt es noch Bereiche, wo

    SauerkrautSurfer Naja, also dieses "jetzt geht mir gerade eine Runde Joggen ab" — das kenne ich, aber bei mir ist das eher die Ausnahme als die Regel. Ehrlich gesagt brauche ich die Struktur mittlerweile, weil sonst einfach nichts passiert, und dann sitze ich abends da und ärgere mich, dass ich wieder nichts für mich gemacht habe. Mein Partner sagt immer, ich bin einer dieser Menschen, die erst anfangen müssen, um zu merken, dass sie es eigentlich brauchen — und das stimmt irgendwie auch. Aber diese Balance zu finden zwischen "fest eingeplant" und "spontan Lust haben" ist verdammt schwer, wenn der Alltag eh schon vollgestopft ist.

    ja eh, guter punkt — du verwirbelst da zwei separate probleme. ich glaubJa, guter punkt — eig hast du recht, dass man die zwei debatten vermischt. aber ehrlich gsagt find ich das ganz realistisch, weil genau das passiert ja in der praxis: man sagt „lehrer*innen sind so wichtig, verdienen mehr!", aber wenns dann um budget geht, heißts plötzlich „naja, die bewerben sich ja trotzdem noch". das ist halt die unbequeme wahrheit — solang der beruf ned wirklich knapp ist, wird nix teurer. und ob man das als „lehrer*innen sind zu viele" framen will oder „das system passt ned" — am ende läufts aufs gleiche hinaus 🤷‍♀️

    healthyfreak98 "Jahrelang überhaupt nicht" — ja, genau das ist das tückische daran. Dein Schlaf-Beispiel funktioniert, weil du unmittelbar merkst, dass du besser funktionierst. Aber bei Dingen, die erst mit 60 oder 70 zuschlagen, brauchst du halt einen anderen Trigger als dein eigenes Wohlbefinden — und ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, wie man das hinbekommt, außer vielleicht durch Angst, und die ist kein besonders zuverlässiger Motivator.

    Manfredmannix3423 Da würde ich sogar sagen, das ist nicht mal oberflächlich — das ist einfach Interesse, Punkt. Mir ist das erst bewusst geworden, als meine Tochter mich letzte Woche gefragt hat, warum Pflanzen grün sind, und ich hab angefangen zu erklären, und dann bin ich selbst in diesem Moment stecken geblieben und hab gedacht: "Moment, ich weiß das ja, aber ich traue mir nicht, das einfach so zu sagen, weil ich keine Biologin bin." Dabei hatte ich grad mit meinem Kind eine normale Unterhaltung — das war ja schon Naturwissenschaft, ohne dass ich mich dafür qualifizieren musste. Die 90er waren da vielleicht entspannter, weil es weniger diesen Druck gab, dass du entweder "richtig" drin sein musst oder gar nicht.

    Mich irritiert irgendwie die ganze Story ein bisschen, ehrlich gesagt. Ja klar, Margrethe ist 86 und wahrscheinlich fit wie ne Turnerin, aber einen Tag nach der Beerdigung des eigenen Mannes aus dem Krankenhaus entlassen werden und dann halt weitermachen? 🤔 Ich frag mich, ob das echte Kraft und Würde ist oder einfach nur... alte Schule Dutzen-Mentalität, bei der man nicht zeigen darf, dass man gerade emotional am Boden ist. Bei uns im Alltag sieht man ja auch immer wieder Leute (besonders Frauen, besonders in höheren Positionen), die nach nem Schicksalsschlag sofort wieder am Schreibtisch sitzen — weil "die Arbeit macht ja nicht halt" oder weil man denkt, man darf nicht schwach sein. Gleichzeitig: vielleicht ist es für sie tatsächlich besser, beschäftigt zu sein statt allein rumzusitzen. Aber irgendwo hab ich den Gedanken, dass wir Frauen uns selbst und anderen gegenüber da oft zu streng sind. Was denkst du — brauchts wirklich diese "die Krone muss weitergehen"-Energie, oder könnte man da nicht auch einfach mal... Pause machen?

    Naja, aber genau da liegt das Problem, gell — es wird gemeldet, und dann passiert... nix, weil die Behörde sagt, technisch im Rahmen, und die Fabrik zahlt ne kleine Geldbuße, und in zwei Jahren ist die Sache wieder aktuell. Ich meine nicht "das System ist böse", sondern eher: das System hat einfach wenig Anreiz, es wirklich zu ändern, solange es billiger ist, die Geldstrafen einzukalkulieren als umzurüsten.

    Haha, okay fair point, aber ich glaub ich war einfach zu kurz angebunden in meinem ersten post 😅 du hast recht, dass ich da blind „ja, sagt er" gesagt hab—eig is die jacke einfach ugly und ich wusste das schon beim kaufen, aber irgendwie dacht ich, „naja, praktisch, neutral, passt zu allem". das klassische „soll funktionieren statt freuen" ding. und ja, mein partner sagt mir öfter seine meinung dazu, aber weniger im sinne von „das darfst du nicht", sondern mehr so: „naja, steht dir nicht" und dann nehm ich das einfach mit—nicht weil ich ihm blind vertrau, sondern weil ich selbst keine ahnung hab, was mir steht 😐 das is halt eher ein selbstwertding von mir, glaub ich. weniger zeit für mich, weniger reflektiert, was ich mag. kinder, kalender, alles dreht sich um organisation und nicht um „was trägt anna gern?"—und dann ist es halt leichter, die entscheidung delegieren. danke dass du da nochmal nachfragst, passt schon. 👕

    healthyfreak98 Das ist eine sehr gute Beobachtung — dieser Unterschied zwischen „Routine etablieren" und „Routine wird zur echten Gewohnheit" ist riesig, und ich erlebe das gerade ähnlich. 🤔 Bei mir und meiner Partnerin war es so: Wir haben vor ein paar Monaten angefangen, freitags nach der Arbeit eine Stunde spazieren zu gehen — bewusst ohne Kinder, ohne Handy-Ablenkung. Die ersten drei Wochen war ich innerlich total angespannt, habe mitgezählt wie lange es noch dauert, habe mental die To-do-Liste durchgearbeitet. Aber genau wie du beschreibst: Irgendwann ist das Denken darüber weggefallen, und plötzlich bin ich nicht mehr hingegangen, weil ich mir das vorgenommen habe, sondern weil ich es vermisse, wenn wir es skippen. Das Verrückte ist aber auch: Erst dann haben wir wirklich über etwas geredet, nicht nur nebeneinander hergeleiert. Vorher war es manchmal eher so ein stilles Funktionieren. Die Routine hat also erst den Raum geschaffen, dass die echte Verbindung passieren konnte — ohne Druck, ohne Agenda. Hattest du das auch, dass die Qualität erst kam, nachdem die Routine selbst unsichtbar geworden ist?

    Ja, das ist glaub ich der entscheidende Punkt. Es geht nicht mal so sehr darum, dass Leute aktiv zum Schweigen gebracht werden, sondern eher um die ganze Machtdynamik, die mitspielt — wenn du eine normale Person bist und merkst, dass du gerade etwas über einen Royal ausgeplaudert hast, dann weißt du halt auch implizit, dass das Konsequenzen haben könnte. Und selbst wenn nicht, wer hat Lust, gegen so ne Maschinerie anzutreten? Die haben PR-Teams, Anwälte, die Medienlandschaft, die ganze Infrastruktur. Da wird das Risiko-Nutzen-Verhältnis für normale Menschen einfach ungünstig. Dazu kommt noch, dass die meisten Menschen diese ganzen Momente auch gar nicht hinterfragen wollen — die Geschichte ist schon packend genug, warum sich da rein denken? Aber wenn man anfängt, genauer hinzuschauen, wird's halt schnell unangenehm, und wahrscheinlich ist genau das auch gewollt.