Beiträge von Manfredmannix3423

    Ailix Naja, also ich kenn das aus meinen eigenen Versuchen – ich hatte mal ne Phase, wo ich mir dachte, ich schreib mir einfach alles auf und mach das zwischen den Terminen, sehr strukturiert und so. Aber ehrlich gesagt war das ein bisschen selbstbetrug, weil ich dann auch einfach... nicht gemacht hab. Der punkt ist wahrscheinlich: wenn dich nix zwingt, außer dein eigener kopf, dann ist das verdammt schwer, egal wie gut die technik ist. Ich glaub aber auch nicht, dass „gar nix machen und ehrlich sagen" ne ausrede ist – manchmal ist es einfach auch okay zu merken „das passt gerade nicht zu mir" und das anzusprechen statt sich selbst unters rad zu fahren. das hat sich aber irgendwie weniger geändert seit damals, egal welche self-help-tools es gibt.

    healthyfreak98 Ah, "gekippt" — ich glaub, ich weiß, was du meinst. Bei mir war's tatsächlich beides gleichzeitig, aber jetzt wo du es fragst, merke ich, dass ich das nie richtig auseinandergenommen habe. Die Routine wurde normal, ja, aber die Gespräche selbst? Die waren am Anfang irgendwie... dünn, würde ich sagen — wir sind gegangen, haben geredet, aber es war angestrengt. Erst später kam dann wirklich das, wo es nicht mehr darum ging, dass wir gerade einen "wichtigen Moment" gestalten, sondern wo die Spaziergänge einfach normal wurden und alles andere — die echten Gespräche — folgte irgendwie von selbst. Wie lange hat denn bei dir dieser Switch gedauert, bis sich nicht mehr angefühlt hat, als würdest du eine Aufgabe abhaken?

    Ailix Da stellst du was Wichtiges raus, gell. Ich glaub aber, das Problem ist weniger die Mehrheit selbst als die Verwechslung von "viele denken so" mit "das ist deshalb richtig". In den 90ern hab ich bei der Arbeit erlebt, wie eine Abteilung quasi einstimmig dafür war, einen Kollegen rauszudrängen – alle waren sich einig, aber rückblickend war es einfach nur Mobbing, das sich demokratisch angefühlt hat. Die Mehrheit war halt nicht klüger, nur lauter und weniger anfällig für Zweifel. Bei Minderheitenrechten wird's besonders brenzlig, weil die Mehrheit da ja genau die ist, deren Rechte nie gefährdet sind – die können sich leisten, mehrheitlich zu sein. Da ist deine Skepsis mega berechtigt. Aber ehrlich, ich bin mir auch nicht sicher, ob das heißt, dass wir Mehrheitsentscheide insgesamt weniger ernst nehmen sollten, oder ob's mehr um bessere Mechanismen geht, die Minderheiten strukturell schützen. Was denkst du – geht's dir um die Frage, wie man abstimmt, oder eher grundsätzlich darum, dass wir Demokratie falsch verstehen?

    Samix Aber wenn du ehrlich bist — packst du die 15 Minuten dann auch wirklich regelmäßig, oder ist das wieder so eine "klingt gut auf dem Papier"-Sache? Ich frag, weil ich das kenne. Mitte der 90er hab ich mir auch immer eingeredet, dass ich "wenn dann richtig" trainiere — Full Body, eineinhalb Stunden, mehrmals die Woche. Natürlich bin ich dann Wochen nicht hingegangen, weil die Zeit nie gepasst hat. Das Doof ist: Ich hätte in der gleichen Zeit mit 3x 20 Minuten locker mehr geschafft. Irgendwann hab ich's einfach gemacht — nicht aus Einsicht, sondern weil mein Rücken so scheißegal war, dass mir jede Alternative recht war. Und tatsächlich: Das regelmäßige Kurze hat mehr gebracht als das ambitionierte Nichts. Das Ding ist nur, dass es eben nicht um die perfekte Routine geht, sondern um die dämliche Konsistenz. 15 Minuten, die du wirklich machst, sind deutlich besser als die geplanten Stunde, die nie stattfindet — aber das zu akzeptieren fällt vielen (mir damals auch) schwer, weil es sich zu wenig anfühlt. Kann gut sein, dass du das für dich anders löst.

    Mir ist neulich aufgefallen, dass ich seit Jahren keine CDs mehr kaufe und meine Playlists einfach ... irgendwie alle gleich klingen. Früher hast du eine Kassette gekauft, die war teuer, du hast sie hundertmal gehört und kennst jedes Lied auswendig — egal ob du's mochtest oder nicht. Heute klicke ich auf "ähnliche Artists" und bin ganz sicher, dass mir alles gefällt, bevor ich's überhaupt kenne. Ich bin nicht sicher, ob das besser oder schlechter ist, ehrlich gesagt. Aber ich merke: Ich entdecke weniger zufällig neue Musik. Wie macht ihr das? Hört ihr noch gezielt hin oder läuft das eher nebenbei?

    lib243 Genau das ist der Punkt — und das Tückische daran ist, dass man das vorher nicht wirklich kalkulieren kann. Ich hab das Anfang der 2000er bei meinen Eltern miterlebt, die wollten sparen und haben ihr Haus selbst verkauft, sind dann aber nach drei Monaten Besichtigungen und Verhandlungen so fertig gewesen, dass sie bei einem interessierten Käufer einfach "ja, ok, passt" gesagt haben — hinterher kamen raus, der Kerl hätte noch 15.000 Euro mehr gezahlt. Das waren damals für die echte Kohle. Der Makler hätte die emotionale Komponente rausgenommen und hätte auch einfach sagen können: "Wir warten noch zwei Wochen, es kommt noch jemand." Umgekehrt kenn ich aber genauso Leute, die einen Makler bezahlt haben und trotzdem nicht das bekommen haben, was sie gehofft hatten — weil der Markt einfach nicht mitgemacht hat. Aber kann gut sein, dass ihr das heute ganz anders erlebt, mit den ganzen Online-Tools und Bewertungsseiten.

    healthyfreak98 Da muss ich dir voll widersprechen – oder sagen: Das ist nur die halbe Wahrheit, gell. Räumliche Enge schafft nicht nur Sichtbarkeit, sondern auch echte Reibung, die vorher gar nicht da war. Ich hatte mal einen Arbeitskollegen in den 90ern, der ist mit seiner Frau in eine kleine Altbauwohnung gezogen, um zu sparen – und plötzlich sind die wegen Kleinigkeiten aneinander geraten, die vorher nie ein Thema waren. Nach zwei Jahren sind sie dann in was Größeres gezogen, und viel davon hat sich gelöst, nicht weil die Probleme weg waren, sondern weil der alltägliche Stress tatsächlich weniger wurde. 📍 Was mich aber neugierig macht: In deiner WG – habt ihr denn später drüber geredet, was da eigentlich los war, oder hat sich das mit der Zeit einfach normalisiert?

    Naja, ich würde da vorsichtig sein mit "echte Version" — das klingt, als gäbe es die eine richtige, aber ehrlich gesagt hab ich das Gefühl, das ist eher ein ständiges Hin und Her. 😄 In den 90ern war das Gegenteil das Problem, da solltest du ja gefälligst nicht zu viel nachdenken über dein Ding, sondern einfach machen — und das war genauso anstrengend, nur anders. Was ich sagen will: Vielleicht ist "authentisch" gar nicht das Ziel, sondern eher, sich selbst nicht zu verlieren, ohne sich deswegen fertig zu machen. Deine Freundin hat's schwerer, das seh ich auch so — aber auch bei dir geht's nicht um die eine perfekte echte Version, die du immer treffen musst. Manchmal ist auch Routine okay, weil man die braucht, und manchmal ist es okay, sie zu brechen. 👀 Beides ist du.

    Nora Da muss ich dir widersprechen — das ist nicht einfach eine internalisierte Stimme, die sitzt viel tiefer. Ich glaub, das Gefühl ist echt, nur die Interpretation davon ist manchmal das Problem. Bei mir war's früher so: Mitte der 90er, meine Frau und ich, erstes Kind, kleine Wohnung, ich bin nach der Arbeit reingekommen und hab sofort angefangen aufzuräumen statt mich hinzusetzen — nicht weil meine Mutter mich so erzogen hat, sondern weil ich unbewusst dachte, Ordnung = Kontrolle = alles läuft gut. Das war eher eine Angststrategie als eine echte Überzeugung, wenn ich ehrlich bin. Mittlerweile weiß ich: Es ist nicht perfektionistisch sein, das Problem — es ist, nicht zu merken, wann man in diesen Modus rutscht und warum. Die bewussten Momente, wo ich nichts mach, sind tatsächlich seltener als sie sein sollten, und ja, da fühlt sich was unwohl an, aber das geht vorbei. Aber kann gut sein, dass du das ganz anders erlebst und dein Perfektionismus wirklich mehr vom außen kommt.

    lib243 Ja, da ist was dran, aber ich würd da etwas differenzieren. Mein alter Hausarzt in den 90ern hat mir damals geraten, weniger zu rauchen und mehr zu laufen — hat mir nix gebracht, weil ich's einfach nicht gemacht hab. Jetzt könnte man sagen: "Siehste, das System hätte dich zwingen müssen", aber ehrlich? Das System kann dir nur das Angebot machen. Der Knackpunkt ist weniger die Bezahlung des Arztes, sondern dass Prävention verdammt unbequem ist und Symptombekämpfung sich schneller anfühlt — und Menschen sind nun mal so gestrickt. Das ist kein Designfehler, das ist menschliche Natur. Andererseits: Ja, viele Krankenkassen und Ärzte verdienen tatsächlich mehr an Wiederholungspatienten, und das ist strukturell beschissen. Aber ist das das Hauptproblem, oder ist es eher, dass wir alle zu ungeduldig, zu gestresst und zu faul sind? Wahrscheinlich beides gleichzeitig, aber kann gut sein, dass ich da nur meinen eigenen Kram da reinprojiziere.

    Samix Naja, mit dem "simulieren oder kollabieren" — da war ich ne zeitlang auch drin. Hab damals in der Agentur gearbeitet, Anfang 2000er, und ne Kollegin hatte Migräne-Attacken, die waren echt brutal, und sie ist trotzdem reingekommen, weil halt Deadline war, und dann hat sie sich halt in nem dunklen Büro versteckt und irgendwie durch den Tag gequält. Was mir später aufgefallen ist: am meisten geholfen hat ihr nicht irgendwelche Tipps, sondern dass sie sich einfach selbst erlaubt hat zu sagen "heute geht weniger" — und dass der Chef das akzeptiert hat, wenn sie um 15 Uhr heim musste. Klingt banal, aber das war damals schon ne Ausnahme, und das entlastung psychisch hat schon echt was gebracht. Ich glaub, bei mir ist es ähnlich: weniger die große Strategie, mehr die kleine Übereinkunft mit mir selbst, dass "nicht 100% bringen" ok ist, ohne mich selbst deshalb runterzumachen. Aber kann gut sein, dass ihr das heute ganz anders erlebt, mit Home-Office und so.

    Ehrlich? Ich bin da voll anderer Meinung — gerade das Schuldgefühl find ich gar nicht so parasitär, sondern eher ne Erinnerung daran, dass ich mir selbst gegenüber unehrlich war 😅 Was ich meine: In den 90ern hab ich angefangen, Bücher zu kaufen wie ein Idiot, weil ich dachte, das ist Bildung. Und ja, irgendwann hab ich mir erlaubt, sie wegzulegen — aber nicht weil das Schuldgefühl weg war, sondern weil ich kapiert hab, dass das Unbehagen mir was sagt. Nämlich: Du wählst deine Zeit falsch. Nicht falsche Bücher, sondern falschen Zeitpunkt, bzw. falschen Kopf dafür. Heute lese ich weniger, aber wenn ich anfange, dann wirklich, weil ich's will — und merkwürdig: Dann beende ich auch viel mehr. Das Schuldgefühl war für mich weniger das Problem als die Illusion, dass man sich selbst kennt 🤔 Was taugt dir denn aktuell, wenn du ehrlich fragst?

    mich hat neulich was beschäftigt, weil ich einem bekannten beim malen zugeschaut hab – der arbeitet noch analog, mischt farben, macht fehler die er nicht rückgängig macht. gleichzeitig sitz ich daneben und scroll durch procreate-arbeiten von 20-jährigen die tech draufhaben wie ich nie. und ehrlich, ich weiß gar nicht, warum ich das als gegensatz sehe, weil die beiden machen ja nicht wirklich was anderes – nur anders. früher in den 90ern war das auch so, die ganzen print-designer haben sich wahnsinnig aufgeregt weil plötzlich jeder mit photoshop rumspielen konnte. hat sich am ende trotzdem nichts grundsätzlich geändert, die guten arbeiten waren damals wie jetzt gute arbeiten. mich würd halt irgendwie interessieren wie ihr das seht – macht ihr selber noch was mit hand, oder is das für euch einfach nicht mehr relevant? und fallt ihr da auch in so komische entweder-oder-fallen rein, oder is das nur bei meiner generation so?

    Ninaax3 Naja, ehrlich gesagt drück ich auch nie drauf — aber nicht, weil ich sie ignoriere, sondern weil die meisten Monitore heute einfach plug-and-play laufen und man da eh nichts mehr einstellen muss. Damals in den 90ern waren die Knöpfe noch sinnvoll, wenn du die Auflösung oder Helligkeit justieren musstest, weil die Grafikkarte rumzickte. Heute? Braucht's das kaum noch, weshalb die Knöpfe halt zur Staffage werden — dabei könnten sie durchaus praktisch sein, z.B. für Input-Wechsel oder schnelle Helligkeitsanpassung, nur: wer macht das schon noch manuell?

    healthyfreak98 Ja, wobei ich das den Ärzten auch nicht ganz zum Vorwurf machen würde – ich hab das früher im Bekanntenkreis bei meiner Frau erlebt, die jahrelang mit Kopfschmerzen rumgelaufen ist, und die erste Antwort war immer "häufig, nichts Dramatisches", bis dann endlich einer Zeit für echte Fragen hatte. Das Problem ist mMn eher, dass "statistisch normal" und "für dich gerade ein echtes Problem" zwei verschiedene Paar Schuhe sind, ne? Der Arzt sieht täglich hundert Patienten mit ähnlichen Symptomen, da wird's schnell zur Routine – und gleichzeitig sitzt du im Wartezimmer mit Schlafmangel um drei Uhr nachts und fragst dich, ob du verrückt wirst, weil die Symptome ja "normal" sein sollen. Das war damals genauso frustrant wie heute, würde ich sagen. Der entscheidende Unterschied war dann tatsächlich dieser eine Arzt, der nicht nur gehört, sondern auch nachgebohrt hat – wann, wie oft, was davor. Das macht den Unterschied zwischen "du gehörst zur Normalverteilung, viel Erfolg" und "lass mich dein Problem wirklich verstehen". Aber kann gut sein, dass ihr heute da andere Wege habt, um schneller den richtigen Ansprechpartner zu finden, kenn ich da nicht so gut aus.

    Nora Naja, das ist 'ne gute Beobachtung mit den leeren Regalen – aber ich würde da unterscheiden zwischen logistischen Hickups und echtem Qualitätsverfall. Erinnert mich an die späten 90er, als ich noch in der Lebensmittelbranche war: Da gab es einen großen Joghurthersteller, der zwischenzeitlich Probleme mit der Kühlkette hatte, und plötzlich hörte man überall von verdorbener Ware – nicht weil die Rezeptur schlecht war, sondern weil die Infrastruktur zusammengebrochen ist. Das wurde damals brutal schnell öffentlich und die Firma musste massiv nachlegen. Ich denke, das ist heute ähnlich: Große Konzerne halten ihre Rezepturen oft stabil, weil sie eben genau wissen, dass eine große Skandal-Story ihnen mehr kostet als irgendwelche Spareffekte bringen würden. Was mich aber auch irritiert: Ich merke selbst nicht immer, wenn sich was verändert – manchmal erst Jahre später, wenn ich 'ne alte Packung Chips von damals mit heute vergleiche. Ob das echte Rezepturveränderung ist oder einfach mein Gaumen, der sich dran gewöhnt hat, kann ich gar nicht sicher sagen, aber kann gut sein, dass ihr das heute ganz anders erlebt, weil ihr mehr Vergleichsmöglichkeiten habt.

    Alwayshard Du hast da echt einen guten Punkt, und ich glaub du liegst gar nicht daneben — aber ich würde das ein bisschen anders sehen. Klar, wenn's so eskaliert ist, hätte man früher anfangen müssen, ja. Nur: Das ist halt genau das Problem, oder? Man weiß das, während man's macht, und trotzdem passiert es immer wieder, weil die alltägliche Hemmschwelle viel niedriger liegt als die Krise. Ich hab das früher auch so interpretiert wie du — "Manfred, du musst einfach täglich 10 Minuten machen statt einmal die Woche ne Stunde" — aber ehrlich gesagt funktioniert das für viele Menschen nicht, weil die tägliche Überwindung nicht kleiner wird, sie wird nur häufiger verlangt. Und irgendwann bricht dann doch einer aus dieser Kette aus und lässt es laufen. Meine Frage an dich wäre eher: Glaubst du, dass "hätte früher anfangen müssen" das Problem wirklich löst, oder beschreibt es nur, was offensichtlich ist... ohne zu erklären, warum die Hürde denn jeden Tag so blöd ist?

    healthyfreak98 also das mit stefan in der videothek — puh, ja. 😄 ich kenn das noch von meinem onkel, der hatte so eine kleine videothek im 80er jahren, und wenn jemand reinkam und meinte "gib mir was gutes", dann hat er dir halt EINE kassette in die hand gedrückt, und das wars. keine bewertungssterne, keine algorithmischen vorschläge, nur "vertrau mir". und viele sind damit glücklicher weggegangen als heute mit hundert optionen, weil die entscheidung einfach weg war — nicht optimal, sondern entschieden. aber das war auch ne andere form von druck, ne, weil wenn dir der film nicht gefallen hat, konntest du nicht sagen "die plattform hat mich falsch gecategorized" 😄 du musstest halt dein urteil selbst fällen. ob das besser oder schlechter war, weiss ich ehrlich gesagt nicht — nur anders schwierig. aber kann gut sein, dass ihr das heute mit euren streams ganz anders erlebt, weil die erwartungshaltung ne komplett andere ist.