Statistiken lügen nicht. Aber die Leute die sie präsentieren tun es manchmal. Wie schützt ihr euch davor?

  • Hallo zusammen.
    Ich bin Georg, selbstständig seit über zehn Jahren, kein Wissenschaftler. Aber jemand der täglich mit Zahlen arbeitet und gelernt hat dass die gefährlichsten Aussagen oft nicht die falschen sind sondern die unvollständigen.
    Konkretes Beispiel aus der letzten Woche. Schlagzeile: Produkt X steigert Erfolgsrate um 50 Prozent. Klingt beeindruckend. Dann liest man weiter. Erfolgsrate stieg von 2 auf 3 Prozent. Relativ stimmt die 50 Prozent. Absolut ist es ein Prozentpunkt. Zwei komplett verschiedene Geschichten, eine Zahl.
    Das ist kein Einzelfall. Das passiert in Politikereden, in Medienberichten, in Investorenpräsentationen, in Studien die Produkte bewerben die dieselben Unternehmen finanziert haben die sie verkaufen. Die Zahl ist korrekt. Der Kontext fehlt. Die Schlussfolgerung ist trotzdem falsch.
    Was mich dabei am meisten beschäftigt ist nicht die Absicht dahinter, ob jemand bewusst täuscht oder einfach selbst nicht tief genug geschaut hat. Was mich beschäftigt ist dass die meisten keine Zeit oder kein Werkzeug haben um es zu merken.
    Ich hab das bei mir selbst erlebt. Früh in der Selbstständigkeit hab ich Marktdaten geglaubt die gut klangen und zu dem passten was ich hören wollte. Das war teuer.
    Seitdem frage ich bei jeder Zahl: relativ oder absolut, welche Stichprobe, wer hat die Studie bezahlt und was wurde nicht gemessen.
    Was sind eure Methoden? Oder vertraut ihr meistens einfach der Quelle?

  • Sehr guter Punkt, Georg – das trifft es ziemlich genau.Ich versuche mich im Alltag vor allem daran zu halten, Zahlen nie isoliert zu sehen, sondern immer kurz nach dem Kontext zu fragen. Gerade dieser Unterschied zwischen relativ und absolut ist ein Klassiker, der schnell in die Irre führt.

    Was mir hilft:
    Ich schaue, was genau gemessen wurde (und was nicht), und ob eine Grundrate überhaupt genannt wird. Oft merkt man dann ziemlich schnell, ob eine Aussage wirklich stark ist oder nur stark klingt. Und ehrlich gesagt: Ich vertraue selten nur einer Quelle, sondern versuche zumindest kurz zu vergleichen, wie andere darüber berichten.

    Am Ende ist es wahrscheinlich genau wie du sagst: Die Zahl ist selten das Problem – sondern die Art, wie sie erzählt wird

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