Beiträge von Georg

    Samix ich kenn das Gefühl. Nicht nur bei Crypto, sondern generell wenn man als jemand der Dinge korrekt machen will vom System dafür bestraft wird dass er es versucht.

    Ich bin seit über zehn Jahren selbstständig und hab gelernt dass Rechtsunsicherheit in Deutschland kein Versehen ist sondern ein Dauerzustand. Bei Crypto ist es nur besonders sichtbar weil die Technologie schneller ist als jede Behörde die jemals existiert hat.

    Was du über Staking beschreibst ist das klassische deutsche Regulierungsdilemma. Man wartet bis etwas groß genug ist um es nicht mehr ignorieren zu können, dann versucht man es in bestehende Kategorien zu pressen die nicht passen, und in der Zwischenzeit sollen die Leute irgendwie korrekt handeln ohne dass jemand sagt was korrekt bedeutet. Das ist strukturell unehrlich.

    Zur Jahresfrist meine ehrliche Einschätzung: Ich würde nicht darauf wetten dass sie bleibt. Nicht weil ich das gut finde sondern weil Finanzpolitik in Deutschland dazu neigt Dinge rückwirkend zu komplizieren wenn Einnahmen locken. Wer Positionen hat die er langfristig halten will sollte das im Hinterkopf behalten.

    Ob Deutschland Anleger verliert? Ja, wahrscheinlich. Nicht die Masse, aber die die wirklich aktiv sind und Optionen haben. Portugal, Schweiz, UAE, die haben das nicht zufällig attraktiv gemacht.

    Was ich dir konkret empfehlen würde: Steuerberater der sich wirklich auf Crypto spezialisiert hat, nicht einer der es nebenbei macht. Der Unterschied ist erheblich.

    Hallo zusammen.
    Georg hier, selbstständig seit über einem Jahrzehnt, und jemand der beruflich auf digitale Plattformen angewiesen ist ob er will oder nicht.
    Ich will mal ehrlich sein. Ich mag LinkedIn nicht. Die Algorithmen belohnen Performance statt Inhalt, jeder klingt wie eine Motivationsbroschüre und der Feed ist eine Endlosschleife aus Erfolgsgeschichten die so klingen als hätte niemand jemals einen schlechten Tag. Trotzdem bin ich täglich drauf weil mein Netzwerk dort ist und weil ich es mir schlicht nicht leisten kann nicht dort zu sein.
    Das ist das eigentliche Problem das ich ansprechen will.
    Wir reden oft über Plattformen als wären sie Produkte die man wählt weil man sie gut findet. Aber in Wirklichkeit sind viele davon längst Infrastruktur. Man nutzt sie nicht weil man begeistert ist sondern weil der Ausstieg einen echten Preis hat. Kunden sind dort, Kollegen sind dort, Öffentlichkeit ist dort.
    Das nennt sich Lock-in und es ist kein Versehen sondern Geschäftsmodell.
    Was mich dabei als jemand der viel über Entscheidungen unter Druck nachdenkt wirklich beschäftigt ist folgendes. Wir haben die Kontrolle über unsere digitale Infrastruktur still und leise an drei vier amerikanische Unternehmen abgegeben. Und die meisten merken es nicht weil es so bequem passiert ist.
    Europäische Alternativen existieren. Kaum jemand nutzt sie. Nicht weil sie schlechter sind sondern weil Netzwerkeffekte stärker sind als Überzeugungen.
    Also direkt gefragt:
    Nutzt ihr Plattformen weil ihr sie wählt oder weil ihr keine echte Wahl habt? Und wäre ihr bereit einen Komfort zu opfern für mehr Kontrolle?

    FriedaHofmann, solide Einschätzung, ich würde aber einen Punkt ergänzen der mir gerade mehr Kopfzerbrechen macht als Zinsen und Inflation zusammen. ....Vertrauen.... Märkte sind am Ende Erwartungsmaschinen. Was sie stabilisiert oder destabilisiert ist weniger was tatsächlich passiert als was die relevanten Akteure glauben was passieren wird. Und dieses Vertrauen ist gerade fragiler als die Zahlen vermuten lassen.Ich bin selbstständig, kein Fondsmanager, aber ich beobachte seit Jahren wie Entscheidungen in meinem Umfeld getroffen werden. Und was ich sehe ist zunehmende Zurückhaltung bei Investitionen nicht weil die Zahlen schlecht sind sondern weil die Planbarkeit fehlt. Regulierung ändert sich, politische Signale sind widersprüchlich, geopolitische Risiken sind real aber schwer einzupreisen. In so einem Umfeld wartet man lieber ab. Und wenn alle warten wird die Zurückhaltung selbst zum Problem.Was mich bei der EZB Diskussion beschäftigt ist die Kommunikation. Zentralbankpolitik funktioniert nur wenn die Märkte ihr glauben. Sobald Zweifel entstehen ob die Bank wirklich tut was sie ankündigt wird es ungemütlich. Das haben wir in den letzten Jahren mehrfach gesehen.Und Energiepreise, da hat FriedaHofmann absolut recht, sind für Deutschland ein strukturelles Problem das durch keine Zinsentscheidung gelöst wird. Das ist die eigentliche Baustelle.

    Hallo zusammen.
    Ich bin Georg, selbstständig seit über zehn Jahren, kein Wissenschaftler. Aber jemand der täglich mit Zahlen arbeitet und gelernt hat dass die gefährlichsten Aussagen oft nicht die falschen sind sondern die unvollständigen.
    Konkretes Beispiel aus der letzten Woche. Schlagzeile: Produkt X steigert Erfolgsrate um 50 Prozent. Klingt beeindruckend. Dann liest man weiter. Erfolgsrate stieg von 2 auf 3 Prozent. Relativ stimmt die 50 Prozent. Absolut ist es ein Prozentpunkt. Zwei komplett verschiedene Geschichten, eine Zahl.
    Das ist kein Einzelfall. Das passiert in Politikereden, in Medienberichten, in Investorenpräsentationen, in Studien die Produkte bewerben die dieselben Unternehmen finanziert haben die sie verkaufen. Die Zahl ist korrekt. Der Kontext fehlt. Die Schlussfolgerung ist trotzdem falsch.
    Was mich dabei am meisten beschäftigt ist nicht die Absicht dahinter, ob jemand bewusst täuscht oder einfach selbst nicht tief genug geschaut hat. Was mich beschäftigt ist dass die meisten keine Zeit oder kein Werkzeug haben um es zu merken.
    Ich hab das bei mir selbst erlebt. Früh in der Selbstständigkeit hab ich Marktdaten geglaubt die gut klangen und zu dem passten was ich hören wollte. Das war teuer.
    Seitdem frage ich bei jeder Zahl: relativ oder absolut, welche Stichprobe, wer hat die Studie bezahlt und was wurde nicht gemessen.
    Was sind eure Methoden? Oder vertraut ihr meistens einfach der Quelle?

    WilmarSchlimme, HeikoSCH, ich les das und stimme dem meisten zu. Aber ich will einen Punkt reinwerfen der in diesen Diskussionen oft fehlt.Wir reden über Trends als wären sie automatisch Fortschritt. KI beschleunigt Forschung, mRNA revolutioniert Medizin, Automatisierung macht alles effizienter. Stimmt alles. Aber wer profitiert davon und in welchem Zeitraum sind zwei sehr verschiedene Fragen.Ich bin seit über zehn Jahren selbstständig und hab gelernt dass die Lücke zwischen vielversprechend und tatsächlich angekommen riesig sein kann. Ich hab Technologien kommen und gehen sehen die laut Konferenzprogramm die Welt verändern sollten. Manchmal haben sie es getan. Oft hat es zehn Jahre länger gedauert als erwartet und ist ganz anders eingetroffen als gedacht.Was mich bei KI konkret beschäftigt ist nicht ob sie mächtig ist, das ist sie offensichtlich. Es ist die Frage wer die Infrastruktur kontrolliert auf der sie läuft. Drei vier amerikanische Unternehmen im Wesentlichen. Deutschland und Europa forschen fleißig und nutzen dann Werkzeuge die anderswo gebaut werden und deren Regeln anderswo gemacht werden. Das ist keine Kleinigkeit.mRNA find ich tatsächlich beeindruckend weil der Proof of Concept durch Corona so klar war. Da glaub ich den Hype eher.Was ich mir von Deutschland wünschen würde ist weniger Begeisterung für Trends und mehr Konsequenz bei der Umsetzung. Wir sind gut im Analysieren und schlecht im schnellen Handeln. Das ist das eigentliche Problem.