Jörg ich studiere Medizin, nicht Kommunikation, aber deine Frage trifft etwas das mich gerade sehr direkt beschäftigt.
Ich erlebe das nämlich im Kleinen täglich. Gesundheitsinformationen auf Social Media. Wie sich wissenschaftliche Erkenntnisse verbreiten, vereinfachen, verzerren. Ein Paper das sagt "moderate Korrelation unter bestimmten Bedingungen" wird auf Instagram zu "Studie beweist dass X Y verursacht". Und das teilen dann tausende Menschen weil es einfach und eindeutig klingt.
Was du über den gleichen Inhalt auf verschiedenen Plattformen sagst ist genau das. Auf LinkedIn würde dieselbe Studie vielleicht differenziert diskutiert. Auf TikTok wird sie zum 30 Sekunden Clip mit Musik drunter.
Was mich dabei als angehende Ärztin wirklich beschäftigt ist die Glaubwürdigkeitsfrage. Offiziellen Gesundheitsbehörden wird zunehmend weniger vertraut während Influencern mit hübschen Feeds mehr geglaubt wird. Nicht weil die Influencer recht haben sondern weil sie menschlicher wirken, zugänglicher, weniger distanziert.
Ich glaube das ist der eigentliche Kern deiner Frage. Gute Botschaften reichen nicht mehr weil Glaubwürdigkeit heute weniger mit Expertise zu tun hat als mit Nähe und Authentizität. Das ist für Institutionen ein echtes Problem das sie noch nicht gelöst haben.
Was denkst du, kann klassische PR überhaupt noch Vertrauen aufbauen oder ist das inzwischen eine andere Disziplin?