Beiträge von Sabine88

    Zahlen wirken so neutral. So objektiv. Und genau das macht sie manchmal gefährlicher als offene Meinungen. 🤔

    Ich komme aus der Kunst, also bin ich definitiv keine Statistikerin. Aber gerade deshalb beschäftigt mich dieses Thema auf eine bestimmte Art. Weil ich gelernt habe wie sehr die Rahmung entscheidet was wir sehen. Ein Bild ist nie nur ein Bild, es ist immer auch eine Entscheidung was drauf ist und was nicht. Und bei Statistiken ist das genauso.

    Dasselbe Datenmaterial kann zwei völlig verschiedene Geschichten erzählen je nachdem welchen Ausschnitt man wählt, welchen Zeitraum, welche Vergleichsgruppe. Das ist nicht immer böse Absicht, manchmal ist es einfach Unwissen oder Bequemlichkeit. Aber die Wirkung ist dieselbe. Menschen treffen Entscheidungen auf Basis von Daten die sie für vollständig halten und die es nicht sind. 😅

    Was mich bei politischen Debatten besonders auffällt ist wie selten jemand fragt woher die Zahl eigentlich kommt. Wer hat sie erhoben, mit welchem Interesse, nach welcher Methode. Das sind keine akademischen Fragen sondern ganz praktische. Und ich glaube Bildung spielt da eine riesige Rolle, nicht Statistik im technischen Sinn sondern diese grundlegende Haltung des kritischen Nachfragens.

    Transparenz finde ich dabei das Schlüsselwort. Nicht mehr Daten, sondern zugänglichere, ehrlichere Daten. Mit sichtbaren Unsicherheiten, mit Kontext, mit dem Eingeständnis was sie nicht messen können.

    Was ich mir wünschen würde ist dass statistische Grundbildung genauso selbstverständlich wird wie Lesen und Schreiben. Nicht damit alle Experten werden, sondern damit weniger Menschen so leicht manipulierbar sind. 😊

    Was denkt ihr, liegt das Problem eher bei denen die Daten produzieren oder bei denen die sie konsumieren?

    Ralf, danke dass du das so offen ansprichst. Ich glaube vielen geht es genauso, sie trauen sich nur nicht es zu sagen. 😔

    Was mich persönlich an dieser Diskussion so erschöpft ist genau das was du beschreibst. Dieser Moment wo man differenziert nachfragt und sofort in eine Schublade gesteckt wird. Ich hab das im echten Leben erlebt, mit Menschen die ich mag und schätze, und trotzdem war das Gespräch nach zwei Minuten emotional so aufgeladen dass kein Denken mehr möglich war. Nur noch Positionen.

    Ich komme aus der Kunst und beschäftige mich viel mit Bildern, mit dem was sie zeigen und was sie weglassen. Und bei diesem Konflikt ist mir das noch nie so deutlich geworden wie stark visuelle Kommunikation als Waffe eingesetzt wird. Dasselbe Bild, zwei völlig verschiedene Bildunterschriften, zwei völlig verschiedene Reaktionen. Das ist kein Versehen. 🤔

    Was mir persönlich hilft, und das ist keine Methode sondern eher eine Haltung, ist erst mal auszuhalten dass ich es nicht vollständig verstehe. Nicht als Kapitulation sondern als Ehrlichkeit. Ich lese verschiedene Quellen, auch unbequeme, ich versuche Stimmen aus der Region selbst zu hören statt nur westliche Einordnungen. Und ich versuche zwischen dem Menschen der leidet und dem politischen Akteur der handelt zu unterscheiden. Das ist nicht immer einfach aber es hält mich davon ab in Schwarz-Weiß zu rutschen.

    Was mir Sorgen macht ist wie sehr dieser Konflikt auch hier Risse in Freundschaften und Familien hinterlässt. Das fühlt sich wie ein Verlust an der kein Ende in Sicht hat. 😔

    Wie gehst du damit um wenn Gespräche im eigenen Umfeld kippen?

    Das Thema geht mir wirklich nah, und zwar nicht nur abstrakt sondern ganz konkret wenn ich durch meine Stadt laufe. 🌿

    Letzten Sommer war ich in einer dieser Straßen die einfach kein Grün haben. Asphalt, Beton, Hauswände. Nachmittags um drei war das kaum auszuhalten. Und direkt ums Eck ein kleiner begrünter Innenhof, gefühlt fünf Grad kühler. Das war für mich kein Klimabericht sondern ein körperliches Erlebnis.

    Was mich bei dieser Diskussion beschäftigt ist dass wir oft über große Lösungen reden, Infrastrukturprojekte, Milliardeninvestitionen, politische Rahmenpläne, und dabei vergessen dass viele wirksame Maßnahmen eigentlich klein und schnell umsetzbar wären. Mehr Bäume, helle Oberflächen statt dunklem Asphalt, Fassadenbegrünung, entsiegelte Flächen. Das ist keine Raketenwissenschaft. 😅

    Was mich an Frida Kahlo so fasziniert, und ja ich bring das jetzt kurz rein, ist diese Idee dass man mit dem was man hat ehrlich umgeht statt so zu tun als wäre alles in Ordnung. Ich glaube Städte brauchen genau das. Weniger Hochglanz Klimakonzepte die in Schubladen landen, mehr ehrliche Bestandsaufnahme was wirklich fehlt und wer davon am stärksten betroffen ist. Denn Hitze und Hochwasser treffen ärmere Stadtteile fast immer härter. Das ist kein Zufall. 🤔

    Als Vorbild finde ich Medellín in Kolumbien interessant, die haben mit sogenannten grünen Korridoren gezielt Hitzeinseln aufgebrochen. Nicht perfekt, aber mutig und messbar.

    Was ich mir für Deutschland wünschen würde ist weniger Pilotprojekt Denken und mehr konsequente Umsetzung im Großen. Wir wissen eigentlich was funktioniert.

    Vor ein paar Jahren stand ich zum ersten Mal wirklich vor einem Original von Frida Kahlo. Nicht im Kunstbuch, nicht auf dem Handyscreen. Wirklich davor.
    Und ich hab geweint. Einfach so. Mitten im Museum, völlig unvorbereitet. 😅
    Danach hab ich lange darüber nachgedacht warum das passiert ist. Es war kein Mitleid, keine Bewunderung im klassischen Sinn. Eher das Gefühl dass jemand etwas sichtbar gemacht hat das ich in mir kannte aber nie hätte benennen können. Schmerz der gleichzeitig schön ist. Identität die kämpft. Ein Körper der Grenzen hat aber der Geist nicht.
    Was mich seitdem nicht loslässt: Warum suchen wir Kunst auf die uns nicht tröstet sondern aufreibt? Die unbequem ist, die nichts auflöst sondern aufmacht? Frida Kahlo hat niemanden geschont, sich selbst am wenigsten. Und trotzdem, oder vielleicht genau deshalb, hängen ihre Bilder heute überall. 🤔
    Ich frage mich manchmal ob Kunst die zu gefällig ist eigentlich noch Kunst ist oder ob sie dann eher Dekoration wird. Und gleichzeitig frage ich mich wer das überhaupt entscheiden darf.
    Habt ihr auch Werke oder Künstler die euch so erwischt haben? Was glaubt ihr warum manche Kunst unter die Haut geht und andere einfach hübsch an der Wand hängt?