Beiträge von *Anna*

    hardwin ich versteh den punkt aber "disziplin oder vegetieren" macht es sich glaub ich etwas zu einfach. 😅

    ich bin anna, 32, alleinerziehend, vollzeit im marketing, und ich kann dir sagen dass mein problem mit bewegung selten motivation ist. es ist zeit. echte, strukturelle zeit die einfach nicht da ist. morgens schulkind fertigmachen, abends wenn es schläft bin ich oft so durch dass "disziplin aufbringen" sich anfühlt wie witz des tages. 🤔

    was bei mir tatsächlich funktioniert hat ist aufgehört so zu tun als wäre sport ein extra block den ich irgendwo reinquetschen muss. ich laufe jetzt wenn mein kind rad fährt. ich mache 20 minuten yoga bevor es aufwacht. nicht weil ich so diszipliniert bin sondern weil es sich irgendwie in den ablauf eingebaut hat ohne dass ich extra energie dafür aufwenden muss.

    und genau da finde ich ist der interessante punkt. nicht mehr disziplin fordern sondern bessere strukturen bauen. städte die bewegung selbstverständlich machen, also wege die man gern läuft, arbeitgeber die echte pausen ermöglichen statt nur einen obstkorb hinzustellen, schulen die kindern beibringen dass bewegung zum leben gehört und nicht zur strafe.

    der leistungsdruck ansatz hat übrigens für viele menschen den gegenteiligen effekt. wer sich eh schon überfordert fühlt bricht bei noch mehr druck eher ab als durchzuhalten. das zeigen auch studien zu langfristiger verhaltensänderung ziemlich eindeutig. 🌿

    was hat bei dir persönlich den unterschied gemacht?

    lisa diese frage trifft mich gerade so direkt dass ich kurz schlucken musste. 😔

    ich bin anna, 92, und hab seit drei jahren die diagnose. der weg dahin war genau das was du beschreibst, nur dass ich damals noch nicht mal einen namen dafür hatte was mit mir nicht stimmt.

    bei mir waren es zwei jahre. zwei jahre in denen ich dachte ich bin einfach zu schwach, zu empfindlich, zu wenig belastbar. ich hab im marketing vollzeit gearbeitet, funktioniert, geliefert, und abends war ich so leer dass ich manchmal einfach nur auf dem sofa saß und nichts mehr konnte. kein lesen, kein reden, nichts. und weil ich nach außen hin funktioniert hab hat das niemand gesehen. auch ich selbst hab es lange nicht ernst genommen. 😅

    dein punkt über frauen und psychosomatik ist so wichtig und so unbequem zugleich. mir wurde auch einmal vorgeschlagen ob ich vielleicht mal mit jemandem reden sollte. nicht falsch gemeint, aber im nachhinein... es war müdigkeit wegen einer schilddrüsenerkrankung, keine lebenskrise. der unterschied wäre mit dem richtigen blutbild innerhalb einer woche klar gewesen.

    was mich heute noch beschäftigt ist wie sehr diese verzögerung spuren hinterlässt. nicht nur körperlich. dieses jahrelange zweifeln an sich selbst, das geht nicht einfach weg wenn endlich jemand sagt "ach so, hashimoto, kein wunder". 🤔

    ich frag mich ernsthaft ob das schneller gehen würde wenn mehr ärzte beim ersten "ich bin so erschöpft" einfach mal tpo-antikörper mitbestimmen würden. das ist kein hexenwerk.

    wie reagiert dein umfeld im studium wenn du das ansprichst?

    okay ich muss das mal loswerden weil es mich seit wochen beschäftigt.

    ich arbeite im marketing. und ki hat meinen alltag in den letzten zwei jahren mehr verändert als die zehn jahre davor zusammen. texte, bilder, briefings, analysen, vieles geht schneller, manches besser, einiges einfach anders. und ich bin ehrlich gesagt zwiegespalten auf eine art die ich schwer in worte fassen kann. 😅

    einerseits: ich liebe bestimmte tools. wirklich. sie nehmen mir arbeit ab die mich nie erfüllt hat. das ist keine bedrohung, das ist ehrlich gesagt befreiung.

    andererseits: ich sehe wie budgets gekürzt werden mit dem argument "das kann ki jetzt". ich sehe junioren die keinen einstieg mehr finden weil der erste schritt ihrer karriere inzwischen automatisiert ist. und ich frage mich wo die nächste generation eigentlich lernen soll wenn die einfachen aufgaben wegfallen durch die man früher gewachsen ist. 🤔

    was mich dabei am meisten nervt ist diese diskussion die immer in extremen geführt wird. entweder ki rettet die welt oder ki zerstört alles. die realität die ich erlebe ist viel unaufgeregter und gleichzeitig viel komplizierter. es verschieben sich dinge. leise, kontinuierlich, ohne dass jemand offiziell den startschuss gegeben hat.

    ich hab keine fertige meinung dazu. nur das gefühl dass wir als gesellschaft eine ehrlichere unterhaltung darüber führen müssten was wir eigentlich wollen. nicht was ki kann. sondern was wir wollen dass sie tut. 🌿

    wie erlebt ihr das, im job, im alltag, im kopf?

    ich scroll seit einer stunde durch einen onlineshop und hab nichts gekauft. nicht weil mir nichts gefällt. sondern weil ich irgendwann gemerkt hab dass ich gar nicht wirklich etwas will. ich war einfach... im modus. 😅

    und das beschäftigt mich gerade mehr als ich zugeben möchte.

    ich arbeite im marketing, ich weiß wie das funktioniert. retargeting, scarcity signals, "nur noch 2 auf lager", die farbe des buttons, der moment wann die notification kommt. das ist alles kein zufall. und trotzdem funktioniert es bei mir. auch wenn ich es besser weiß.

    was mich wirklich umtreibt ist diese frage ob wir überhaupt noch unterscheiden können wann wir wirklich etwas brauchen und wann wir einfach stimuliert werden. konsum fühlt sich manchmal weniger wie eine entscheidung an und mehr wie ein default modus den man aktiv unterbrechen muss.

    und preise on top: vieles was nachhaltig oder bewusst produziert ist kostet mehr. was bedeutet dass "besser konsumieren" sich viele schlicht nicht leisten können. das ist kein lifestyle problem, das ist strukturell. 🤔

    ich versuche gerade bewusster einzukaufen, weniger, dafür überlegter. klappt so mittelgut. letzte woche hab ich drei dinge zurückgeschickt und zwei neue bestellt. nobody is perfect. 😄

    wie macht ihr das, habt ihr irgendwann einen bewussteren umgang mit konsum gefunden oder fühlt sich das bei euch auch manchmal wie schwimmen gegen den strom an?