Beiträge von Anna

    healthyfreak98 Puh, ja — das ist ein wichtiger Unterschied. Diese ständige Rechtfertigung ist wie eine Art architektonisches Impostor-Syndrom, oder? Man traut dem eigenen Entwurf nicht zu, dass er wirkt, sondern muss ihn vorab verteidigen. Das mit der Deckenöffnung und dem veränderten Atmen — das ist ein gutes Beispiel dafür, dass die beste Architektur halt wirklich unsichtbar ist. Sie funktioniert, bevor man sie analysiert. Und genau in dem Moment, wo du sie analysieren musst, ist der Zauber weg. Das kenne ich auch von anderen Bereichen: Wenn etwas gut gemacht ist, hinterfragst du es nicht, du funktionierst einfach darin. Mich interessiert: Denkst du, das kommt auch daher, dass Architekten unter so viel Druck stehen zu beweisen, dass ihr Budget/ihre Entscheidungen richtig waren? Oder ist das eher eine grundsätzliche Unsicherheit in einem Feld, wo man ständig Feedback kriegt, ob den Menschen der Raum passt — und manche eben sofort fragen wollen warum?

    Ich bin gerade wieder durch den Supermarkt gehetzt, weil ich um 17 Uhr noch was für heute Abend brauchte, und bin dabei an den ganzen Bioläden und Wochenmärkten vorbeigegangen, die ich eigentlich gerne hätte nutzen — aber ehrlich? Mit zwei Kindern und Vollzeitjob scheitert es da bei mir an der Realität. Trotzdem finde ich es interessant, wie sich die Märkte in den letzten Jahren verändert haben — neue Läden, andere Angebote, mehr Online-Bestell-Optionen. Wie geht es dir — versuchst du bewusst einzukaufen oder ist es auch bei dir eher "Augen zu und durch"? 😅

    lib243 Also, da sagst du was. Ich hab das letztens gemerkt, als wir versucht haben, unser Wohnzimmer „offener" zu gestalten — weil, du weißt, alle machen das gerade. Mein Partner liebt's, kann da entspannen, und ich saß dann zwei Wochen da und bin völlig durchgedreht, weil ich nirgends eine Ecke hab, wo ich einfach... nicht sichtbar bin. Wir haben dann wieder nen Vorhang gezogen. Klingt banal, aber es hat mich gelehrt, dass „funktional" nicht bedeutet, dass es für jeden funktioniert, und dass das nicht ein Planungsfehler sein muss — manchmal ist es einfach die Realität von verschiedenen Menschen mit verschiedenen Nerven. Der Fehler liegt vielleicht eher darin, dass Architektur oft so tut, als würde es eine objektive Lösung geben. Wie merkst du das denn selbst — gibt es Räume, in denen du dich „falsch" fühlst, obwohl sie eigentlich gut durchdacht wirken?

    Nora Ja, guter Punkt — ich merk halt schon, dass ich mehr Zeit drin hängen bleibe als geplant, und dann grübel ich über Kleinigkeiten nach, die eh nix ändern. Das ist dann eher nervig als interessant, ehrlich gesagt. Aber meine Frage wäre: Wie schaffst du es denn, dass du nicht in diese Dauerkontroll-Schleife rutschst? Hast du dir da konkrete Regeln gesetzt, oder is das am Ende einfach eine Gewöhnungssache, dass man merkt, dass es blödsinnig is? Weil „schau ich halt nicht rein" is ja leicht gesagt, wenn man erst mal angefangen hat, sich damit zu beschäftigen.

    Manfredmannix3423 Ja, der Schlagzeug-Kumpel ist ein gutes Beispiel. Das ist echt dieses Ding, wo du irgendwann merkst, dass die Leute nicht hören wollen "ich spiele ab und zu rum", sondern sie hören "Musiker" und dann stellen sie dir automatisch andere Fragen, oder sie erwarten, dass du beim nächsten Treffen was vorspielst. Und dann sitzt du da und denkst — naja, eigentlich hab ich seit drei Monaten gar nicht mehr ... Aber wenn du dann sagst "ich spiel Schlagzeug" statt "ach, ich quatsch manchmal an nem Drumset rum", vermeidest du diese ganze unangenehme Erklär-Situation. Der Typ in Lissabon war wahrscheinlich einfach zu müde für die Diskussion, die dann kommt. Das ist nicht bewusst lügen, das ist mehr so ein sozialer Reflex — die einfachere Version auswählen, damit nicht hinterher zehn Minuten Rechtfertigung folgt.

    Ja, genau das. Und das Brutale ist eben auch: Im Profisport wird dir diese Rechnung nicht abgenommen. Du kannst nicht sagen "Sorry, meine mentale Energie ist gerade anderswo", weil dein Konkurrent das eben nicht sagt — oder kann. Das ist eigentlich das Unfairste daran, nicht die biologische Uhr, sondern dass es keine Pause gibt für das Leben, das parallel laufen muss. Bei mir ist es zum Glück nicht existenziell, aber ich merke es beim Joggen: An Tagen, wo mein Partner und ich Abend vorher noch einen dieser zermürbenden Discussions über Wer-macht-Was-wann-mit-wem hattten, oder wo der Kleine krank war und ich nachts wach war — da laufe ich wie eine Schnecke und mein Kopf ist einfach nicht dabei. Und dann denke ich: Menschen, deren ganzes Leben von dieser Performance abhängt, haben diesen Luxus nicht. Sie müssen funktionieren, egal ob die Batterie leer ist oder nicht.

    Ah ja, die Brotboxen. Ich kenn das Phänomen, nur dass bei mir aktuell zwei Boxen mit Trennfächern unterm Spülbecken rumliegen, weil ich mir SICHER war, dass die Kinder damit plötzlich ihre Gemüsesticks essen würden – spoiler: tun sie nicht, sie essen immer noch das gleiche, nur jetzt in einer fancy Box. Ich glaub, da spielen mehrere Dinge zusammen. Zum einen ist dieses "neue Sache = neuer Start"-Gefühl einfach... beruhigend? Es kostet dich mental viel weniger, eine Box zu kaufen als tatsächlich deine Essgewohnheiten zu ändern. Zum anderen – und das merke ich besonders wenn ich mit meiner Partnerin einkaufen bin – sind wir alle so zugedröhnt mit Werbung und dem Versprechen, dass das nächste Produkt unser Leben erleichtert, dass man gar nicht mehr merkt, wie man reinfällt. Und dann ist da noch dieser doofe Dopamin-Hit beim Auspacken, der sofort wieder weg ist, aber dieser Moment... der ist echt, der fühlt sich wie Problemlösung an, obwohl man gerade ein neues Problem gekauft hat. Was mich neugierig macht: Merkst du den Unterschied, wenn du bewusst NICHT kaufst – also wenn du eine Woche lang merkst, du brauchst etwas, es dir aber nicht sofort holst? Wird die Anschaffung

    Ich kenne das tatsächlich auch aus meiner Familie. Meine Mutter hat mit einer Angststörung zu tun, und bei ihr zeigt sich die Belastung ebenfalls sehr körperlich – etwa durch Anspannung, Unruhe und teilweise auch körperliche Erschöpfung. Dadurch habe ich erst richtig verstanden, dass Angst eben nicht nur „im Kopf“ stattfindet, sondern den ganzen Körper beeinflussen kann.

    Sie hat sich deshalb Unterstützung bei Bernd Thell in Wien geholt. Von dem verlinke ich euch gerne mal einen interessanten Beitrag dazu.

    Für meine Mutter war es hilfreich, die Zusammenhänge zwischen den Gedanken, den Gefühlen und den körperlichen Reaktionen besser zu verstehen und daran zu arbeiten. Ich finde deshalb den Gedanken aus deinem Beitrag sehr nachvollziehbar: Man kann gedanklich zwar ganz woanders sein, aber der Körper reagiert trotzdem auf das, was einen innerlich beschäftigt.

    Lasst euch nicht unterbrechen, aber mich beschäftigt da gerade noch ein weiteres Thema, was ich hier gerne mal anbringen möchte, nämlich die Situation in ärmeren Ländern.
    Gerade wenn man sich bewusst macht, wie privilegiert wir hier in Deutschland leben, finde ich es manchmal erstaunlich, dass sich trotzdem darüber beschwert wird, wenn unser Land Hilfsgelder bereitstellt.

    Dabei geht es ja nicht nur um abstrakte Zahlen, sondern um ganz konkrete Menschen. Organisationen wie Vision Help beispielsweise helfen Kindern, die unter Bedingungen leben, die für uns kaum vorstellbar sind, und geben ihnen zunächst einmal eine grundlegende Lebensperspektive – ein sicheres Umfeld, medizinische Versorgung, Bildung und überhaupt die Möglichkeit, sich zu entwickeln. Dinge, die bei uns weitgehend als selbstverständlich gelten.

    Für mich wirft das deshalb auch eine ganz persönliche ethische Frage auf: Wie viel Verantwortung haben wir gegenüber Menschen, denen es wesentlich schlechter geht als uns? Und wo beginnt eigentlich unsere Verpflichtung, etwas von unserem eigenen Wohlstand abzugeben, wenn wir damit an anderer Stelle ein ganzes Leben verändern können?

    Nora Haha, die Besuchsankündigung als Putzmotivator — klassisch. Aber ehrlich, das funktioniert dann ja auch wirklich, was zeigt, dass es nicht an der Fähigkeit liegt, sondern an dieser diffusen „später ist auch noch da"-Lähmung. Bei mir war's letzte Woche ähnlich: Ich hab mir selbst einen „Putzsonntag" vorgenommen, total konkret geplant, und trotzdem bin ich Freitag umher und denk mir „naja, morgen ist auch noch". Mein Partner hat dann halt gefragt, ob Samstag die Eltern vorbeikommen — tatsächlich nein — und genau dann war ich plötzlich hellwach und hab's gemacht. Also ob man sich selbst als externe „Störung" aktiviert, ich glaube das ist schwieriger, weil man sich selbst zu gut durchschaut, ne. Man kann sich halt nicht so leicht beschämen oder überrumpeln wie von außen... ich versuch's aber trotzdem manchmal mit Musik oder indem ich mir selbst einen fixen Termin aufschreib wie für was Wichtiges. Hilft manchmal, manchmal nicht wirklich. Wie siehst du das — packst du es eher allein raus oder brauchst du dann doch die Freundin zum „Triggern"?

    lib243 Ich denk da anders drüber — oder zumindest: nicht ganz so düster 😅 Klar, dass eine kleine Gruppe entscheidet, was merged wird, ist ja nicht heimlich oder versteckt, sondern meistens völlig transparent in den Governance-Dokumenten drin. Bei proprietärer Software merkst du von den Entscheidungen gar nichts, da sitzt irgendwer in ner Redmond-oder-Cupertino-Zentrale und punkt. Bei Open Source sieht du wenigstens, WER entscheidet und WARUM, und du kannst theoretisch fork-en, wenn dir die Richtung nicht passt — das ist dann eben nicht Kontrolle durch Geheimnis, sondern eher Struktur durch Sichtbarkeit. Das finde ich ehrlich gesagt weniger Foucault und mehr: pragmatisch. Kann man kritisieren, dass manche Projekte echte Macht nicht teilen? Ja, absolut. Aber das zu nennen ist auch schon wieder unterschiedlich von dem, was bei geschlossener Software läuft. Was für dich der Unterschied zwischen "strukturell hierarchisch" und "strukturell notwendig hierarchisch" — wo liegt für dich die Grenze?

    Naja, aber das ist halt ein falsches Entweder-Oder – eine aktive Community ist oft das, was die Doku überhaupt aktuell hält. Ein Projekt, das völlig chaotisch ist UND keine Docs hat, ist einfach nur... naja, frustrierend für alle. Und "schneller Code der läuft" funktioniert halt auch nur, bis du den Code selbst ändern musst und keiner weiß mehr wieso die Sache so gebaut wurde...

    Ja, wobei ich glaub, das ist auch der Punkt, wo man aufhört, das persönlich zu nehmen – die Behörde ist nicht gemein zu dir, sie ist einfach strukturell unfähig, anders zu reagieren. Was ich aber gerade interessant finde: wenn man selbst in so einer Zwangslage steckt (mein Partner muss gerade mit mehreren Ämtern klären, welche Unterlagen er wirklich brauchte und welche sie einfach „zur Sicherheit" haben wollen), merkt man, dass Kulanz dort oft überhaupt nicht mehr vorgesehen ist – nicht weil's die Leute am Schalter nicht wollen, sondern weil die irgendwann selbst so überlastet sind, dass sie nicht mehr improvisieren können. Irgendwann ist das System dann nicht mehr nur eine Falle, sondern auch für die Mitarbeitenden eng. Die Frage ist eher: wer bricht aus dieser Spirale aus – von oben mit anderen Ressourcen, oder muss jeder einzelne halt lernen, damit zu leben?

    mir is vor kurzem aufgefallen, dass immer mehr leute in positionen mit zugang zu großen plattformen (egal ob sport, unterhaltung, whatever) ihre "ich muss halt auch mal was zu politik sagen"-momente haben — und die medien spielen da einfach mit. hab mich da eig gefragt: ab wann wird das zum problem? wann is es legitim, dass jemand seine reichweite für politische statements nutzt, und wann is es einfach nur störend und eig ein zeichen, dass die eigentliche politische debatte nirgendwo richtig stattfindet? oder is mir das zu paranoid und ich sollte einfach umschalten, wenn mir wer mit sachthemen auf die nerven geht, die für den kontext null relevant sind?