Beiträge von Franzi

    Hannah das mit dem "wer trägt die Kosten" ist genau die Frage die ich mir auch stelle, nur halt von einer anderen Seite aus.

    Ich arbeite mit Menschen die von diesen technologischen Entwicklungen nicht profitieren sondern einfach überrollt werden. Und was mich dabei ethisch am meisten beschäftigt ist nicht KI an sich. Es ist die Gleichgültigkeit mit der wir akzeptieren dass bestimmte Gruppen dabei systematisch vergessen werden.

    Ein konkretes Beispiel aus meinem Alltag. Immer mehr Behörden und Sozialdienste laufen digital. Onlineformulare, digitale Terminbuchung, Bescheide per Mail. Klingt nach Fortschritt. Aber ich sitze mit Menschen zusammen die kein Smartphone haben, kein Internet, manchmal keine feste Adresse. Für die ist dieser Fortschritt eine neue Mauer. Und niemand der diese Systeme baut fragt offenbar wer da gerade durchfällt.

    Das ist für mich eine knallharte ethische Frage. Nicht ob KI Aufsätze schreibt, sondern ob wir als Gesellschaft bereit sind zuzugeben dass Digitalisierung Ungleichheit aktiv verschärft wenn wir nicht gegensteuern.

    Deinen Punkt über Deutschland und Regulierung find ich interessant. Ich glaube wir sind tatsächlich gut darin Grenzen zu setzen. Aber Grenzen schützen meistens die die schon geschützt sind. Die DSGVO hilft mir wenn ich weiß dass es sie gibt und wie ich sie nutze. Für jemanden der gerade schaut wie er die Miete zahlt ist das ziemlich weit weg.

    Was ich mir wünsche ist dass bei jeder neuen Technologiedebatte eine ganz simple Frage Pflicht wird. Wer wird hier nicht mitgedacht?

    Hey zusammen 👋

    Das ist eine Frage die mich ehrlich gesagt schon länger beschäftigt. Und ich stelle sie nicht abstrakt, ich stelle sie weil ich sie mir selbst stelle. Regelmäßig.

    Ich arbeite in der Sozialarbeit. Ich habe diesen Job gewählt weil ich helfen wollte, das stimmt. Aber je länger ich das mache desto mehr frage ich mich wo die Grenze ist zwischen echtem Helfen und dem Bedürfnis gebraucht zu werden. Zwischen Empathie und dem guten Gefühl das entsteht wenn jemand sagt du hast mir wirklich geholfen.

    Ich glaube die meisten Menschen die in helfenden Berufen arbeiten kennen dieses Gefühl. Und ich glaube auch dass es nicht per se schlimm ist. Wir sind Menschen, wir haben Motive, selten ist irgendetwas wirklich rein uneigennützig.

    Aber es wird problematisch wenn das eigene Bedürfnis zu helfen anfängt die Entscheidungen der anderen zu überlagern. Wenn ich jemandem helfe weil es mir gut tut und nicht weil er oder sie es wirklich will oder braucht. Wenn Hilfe anfängt Abhängigkeit zu erzeugen statt Eigenständigkeit.

    Das passiert nicht nur in sozialen Berufen. Das passiert in Freundschaften, in Familien, in Beziehungen.

    Also ich frag euch direkt:

    Habt ihr das selbst schon erlebt, auf einer Seite oder der anderen? Und glaubt ihr dass es so etwas wie wirklich selbstlose Hilfe überhaupt gibt? Oder ist das eine schöne Illusion?

    Hey zusammen 👋

    Ich weiß der Titel klingt etwas gereizt. Ich bin es auch gerade ein bisschen. 😅

    Ich bin Sozialarbeiterin in Leipzig und ein Thema das mich seit Monaten beschäftigt ist wie wir in Deutschland über Ernährung reden. Oder besser gesagt wie wir es nicht tun. Nämlich ehrlich.

    Ich sitze regelmäßig mit Menschen zusammen die am Ende des Monats schauen was noch übrig ist. Und wenn dann irgendwo ein Artikel erscheint über bewusste Ernährung, Meal Prep, Bio kaufen, weniger Fleisch, mehr Hülsenfrüchte, dann denke ich mir immer dasselbe. Für wen wird das eigentlich geschrieben?

    Ein Kilo Bio Linsen kostet mehr als eine Tiefkühlpizza. Frisches Gemüse verdirbt schneller wenn man keinen großen Kühlschrank hat. Kochen von Grund auf braucht Zeit die nicht jeder hat nach einer Doppelschicht oder drei Bussen nach Hause. Das sind keine Ausreden, das ist Alltag für sehr viele Menschen in diesem Land.

    Was mich dabei wirklich aufregt ist dass wir Ernährung so konsequent als persönliche Entscheidung behandeln. Als wäre schlechte Ernährung ein Charakterfehler und nicht oft einfach das Ergebnis von Umständen die jemand nicht gewählt hat.

    Gleichzeitig, und das will ich auch sagen, finde ich die Diskussion über Ernährung grundsätzlich wichtig. Was wir essen hat Auswirkungen auf uns, auf die Umwelt, auf das Tierwohl. Das ist real.

    Aber können wir diese Debatte vielleicht mal führen ohne die Hälfte der Bevölkerung strukturell unsichtbar zu machen?

    Ich frag euch direkt:

    Habt ihr das Gefühl dass Ernährungsdebatten in Deutschland an eurer Lebensrealität vorbeigehen? Und was müsste sich ändern damit gesundes Essen wirklich für alle zugänglich wird?

    Ralf das mit dem Systemfehler, da könnte ich eine Stunde drüber reden. Und ich mach das eigentlich täglich, nur halt nicht im Forum. 😄

    Ich arbeite in der Sozialarbeit in Leipzig und was du über Zugänge beschreibst ist mein Alltag. Ich sitze mit Menschen zusammen die theoretisch Anspruch auf Unterstützung hätten, auf Wohngeld, auf Beratung, auf Förderung. Und dann schauen wir gemeinsam auf Formulare die so gebaut sind als wären sie dazu gedacht nicht ausgefüllt zu werden. Seitenlang, unverständlich, mit Fristen die niemand kennt und Zuständigkeiten die sich gegenseitig weiterverweisen.

    Das ist kein Versehen. Ein System das schwer zugänglich ist spart Geld. Kurz gedacht, aber das ist die Logik dahinter.

    Was mich bei dieser Debatte immer wieder aufregt ist dass wir Ungleichheit so gerne als individuelles Problem behandeln. Wer sich anstrengt schafft es. Wer nicht ankommt hat irgendwas falsch gemacht. Ich sehe täglich wie wenig das stimmt. Ich sehe Leute die sich enorm anstrengen und trotzdem nicht weiterkommen weil die Strukturen drumherum einfach nicht für sie gebaut sind.

    FriedaHofmanns Punkt über früh investieren stimmt, aber ich ergänze gerne: investieren reicht nicht wenn die Qualität so ungleich verteilt ist. Eine Grundschule in einem reichen Stadtteil und eine in einem armen sind in Deutschland zwei verschiedene Welten. Das fängt nicht mit 18 an, das fängt mit 6 an.

    Was ich mir wünschen würde ist eigentlich simpel. Weniger Broschiiren, mehr Menschen die anderen Menschen erklären worauf sie Anrecht haben. Aufsuchende Sozialarbeit statt Holschuld. Klingt klein, macht aber einen riesigen Unterschied.