Hallo Kadda,
ich bin 62 und hab deinen Beitrag zweimal gelesen weil er mich so direkt angesprochen hat. Nicht weil ich deine Welt kenne, die kenne ich wirklich nicht, aber das Gefühl das du beschreibst kennt man in jedem Alter. Mitten unter Menschen stehen und trotzdem das Gefühl haben dass einen niemand wirklich sieht. Das hab ich auch mit 22 gekannt. Nur hieß es damals Stammtisch und Dorfdisco statt Instagram.
Was du über echte Nähe schreibst, Zeit miteinander, Langeweile, Gespräche die nirgendwo hinführen müssen, das klingt sehr weise für jemanden der 22 ist. Ich hab Jahrzehnte gebraucht um das so klar zu formulieren. Bei uns damals ist Nähe fast aus Versehen entstanden weil es gar keine andere Option gab. Man hat beim Nachbarn gesessen weil man kein eigenes Telefon hatte. Ihr müsst das heute aktiv wollen und ich glaube das ist wirklich anstrengender als wir Älteren manchmal zugeben.
Ob ich mich verbunden fühle? Manchmal schon manchmal nicht. Mit 62 hat man oft das umgekehrte Problem, weniger Kontakte insgesamt aber die die bleiben sind echt. Meine Frau, zwei Freunde seit den Achtzigern. Das reicht mir heute. Aber ich erinnere mich gut wie laut und gleichzeitig leer die Zwanziger sein können.
Du bist damit definitiv nicht alleine. Und dass du es überhaupt laut sagst ist schon mehr als die meisten tun. Pass auf dich auf. 🙏