Beiträge von Kadda

    Walterhoff64 ich hab deinen Beitrag auch zweimal gelesen. 😔
    Danke dass du das so offen zurückschreibst. Ich glaub ich hab nicht erwartet dass jemand aus einer komplett anderen Generation sagt ich kenn das auch. Das hilft ehrlich gesagt mehr als ich zugeben will.
    Was du über Nähe die aus Versehen entsteht schreibst trifft mich gerade wirklich. Ich glaub das ist der Kern von allem. Bei euch war Verbindung der Default, ihr musstet euch nicht dafür entscheiden. Bei uns ist Isolation der Default und Verbindung etwas das man aktiv gegen den Strom schwimmen muss um zu erreichen. Und am Ende des Tages nach Uni, nach Nebenjob, nach allem, hat man manchmal einfach keine Energie mehr dafür.
    Ich fotografiere Menschen weil mich echte ungestellte Momente faszinieren. Und je mehr ich das tue desto mehr merke ich wie selten echte Verbindung im öffentlichen Raum überhaupt noch sichtbar ist. Alle schauen aufs Handy. Auch ich. Auch gerade.
    Was du über die Zwanziger sagst, laut und gleichzeitig leer, das ist so präzise dass es wehtut. Genau das. Von außen sieht alles nach Leben aus. Von innen ist es oft sehr still.
    Ich bin froh dass ich den Thread gestartet hab. Nicht weil ich Antworten erwartet hab, sondern weil es schon etwas verändert einfach zu sagen wie es ist.

    Hey zusammen 👋
    Provokante These vorab damit wir gleich beim Thema sind.
    Ich glaube der größte Feind von gutem Journalismus sitzt nicht in einer Regierung und nicht in einem Konzern. Er sitzt in der Redaktion und heißt Reichweite.
    Ich bin Kadda, 22, Komwiss, Leipzig. Ich fotografiere Menschen auf der Straße, echte ungestellte Momente, und ich beschäftige mich viel damit wie Bilder und Geschichten entstehen und was mit ihnen passiert sobald sie in den Feed kommen.
    Was ich in meinem Studium lerne und was ich täglich beobachte sind zwei verschiedene Welten.
    Im Seminar reden wir über Recherchepflichten, Quellentransparenz, Trennung von Meinung und Nachricht. Draußen sehe ich Überschriften die so gebaut sind dass sie Empörung produzieren bevor man den ersten Satz gelesen hat. Ich sehe Berichterstattung die Komplexität weglässt weil Komplexität nicht geteilt wird. Ich sehe Redaktionen die wissen was viral geht und ihre Themenauswahl danach ausrichten.
    Und das Schlimmste daran ist dass es funktioniert. Die Klicks kommen. Die Empörung kommt. Und irgendwann weiß niemand mehr ob er gerade informiert wird oder ob er einfach gut unterhalten wird während er denkt er informiert sich.
    Ich frag mich manchmal ob der Unterschied zwischen einem Nachrichtenartikel und einem TikTok Video noch so groß ist wie wir glauben.
    Also direkt gefragt: Wann habt ihr zuletzt einem Nachrichtenartikel wirklich vertraut? Und glaubt ihr dass die Grenze zwischen Journalismus und Content noch existiert oder ist sie schon längst verschwunden?

    Johannes ich bin Jahrgang 2002 also nur ein paar Jahre vor dir und steck gerade mittendrin in dem was du beschreibst. Zweites Semester Komwiss, und ja, die Lücke zwischen Theorie und Praxis ist real. 😅
    Ich kann dir nicht zu Jura speifisch was sagen aber was du über das Grundgefühl beschreibst kenn ich. Dieses niemand weiß wirklich was mich erwartet und alle reden ein bisschen drumherum. Das ist bei mir genauso. Ich frag Leute die Komwiss studiert haben was sie danach gemacht haben und bekomme jedes Mal eine andere Antwort. Was beruhigend und gleichzeitig überhaupt nicht beruhigend ist.
    Was mir geholfen hat ist aufgehört zu fragen ob das Studium mich vorbereitet und angefangen zu fragen was ich nebenbei machen kann damit es nicht egal ist. Für mich ist das Fotografie, eigene Projekte, Dinge die ich nicht für eine Note mache. Vielleicht ist das bei Jura schwerer weil der Stoff so dicht ist. Aber ich glaub der Instinkt ist derselbe.
    Was ich dir ehrlich sagen würde: Die Leute die nach dem Studium gut dastehen haben meistens nicht nur studiert. Die haben nebenher Dinge gemacht die nicht im Lehrplan standen.
    Keine Ahnung ob das hilft. Aber du bist offensichtlich jemand der die richtigen Fragen stellt bevor er anfängt. Das ist schon mal mehr als die meisten.

    Hey zusammen 👋
    Ich weiß nicht genau warum ich das hier schreibe. Vielleicht weil es in meinem echten Umfeld komisch wäre das laut zu sagen.
    Ich bin Kadda, 22, Komwiss Studium, Leipzig. Und ich hab in letzter Zeit viel darüber nachgedacht wie seltsam es ist dass meine Generation angeblich die vernetzteste der Geschichte ist und sich dabei so viele so allein fühlen. Ich hab über 800 Instagram Follower. Ich bin in vier Gruppenchats aktiv. Ich sehe Kommilitonen fast täglich. Und trotzdem gibt es Abende wo ich das Gefühl habe dass mich gerade niemand wirklich kennt.
    Das klingt dramatisch. Ich glaub aber dass es vielen so geht und kaum jemand sagt es.
    Was mich dabei als Komwiss Studentin beschäftigt ist die Frage ob Social Media das Problem löst oder verstärkt. Ich fotografiere Menschen auf der Straße, echte Momente, echte Gesichter. Und dann geh ich nach Hause und scroll durch Bilder die so aussehen als wären alle glücklich und umgeben von Menschen. Der Kontrast ist manchmal brutal.
    Ich glaube wir haben verlernt wie echte Nähe entsteht. Nicht durch Likes, nicht durch Story Replies, sondern durch Zeit, durch Langeweile zusammen, durch Gespräche die nirgendwo hinführen müssen.
    Und ich glaube das ist kein persönliches Problem sondern ein strukturelles. Städte sind nicht für Begegnung gebaut. Studium auch nicht wirklich. Und Social Media erst recht nicht.
    Also ich frag euch direkt:
    Fühlt ihr euch in eurem Alltag wirklich verbunden mit Menschen? Oder ist das auch bei euch mehr Fassade als Realität?