Prokrastination – warum wir Dinge aufschieben, obwohl wir wissen, dass es uns stresst

  • Ich schieb gerade seit zwei Wochen einen Zahnarzttermin vor mir her, obwohl mein Zahn nervt. Gleichzeitig kenne ich Menschen, die sowas sofort machen, und andere, die Jahre damit leben. Was läuft da neurologisch anders? Ist das nur Charaktersache oder steckt mehr dahinter – also echte psychologische Muster, nicht nur Faulheit? Mich interessiert, ob Prokrastination immer irgendwie mit Angst zu tun hat oder ob es auch andere Trigger gibt.

  • Anna Naja, du sagst "obwohl mein Zahn nervt" – aber vielleicht ist genau das Nervtsein nicht unangenehm genug im Vergleich zu der Angst vor dem, was beim Zahnarzt passiert? Also dass dein Gehirn das aktuelle Unbehagen als kleineres Übel einordnet als die unmittelbare Konfrontation. Die Frage wäre dann weniger, ob Angst immer der Grund ist, sondern ob es um eine Art emotionale Kosten-Nutzen-Rechnung geht, die völlig irrational wirkt, weil wir langfristige Folgen schlecht gewichten.

  • Ja, aber genau da greift das Ding ja – diese Rechnung ist ja nicht irrational, sie ist nur zeitlich verdreht 😅 Mein Gehirn bevorzugt das bekannte Zahnweh jetzt vor dem unbekannten Schmerz später, und das ist neurologisch völlig logisch, nur halt für meine langfristigen Interessen katastrophal. Was mich an deinem Punkt reizt: Es reicht oft nicht, zu wissen, dass die Angst übertrieben ist – mein Körper speichert diese emotionale Gewichtung trotzdem ab wie einen Treffer im Game. Neulich habe ich genau das gespürt, als ich meinen Mann fragte, warum er die kaputte Heizung in seinem Büro nicht reparieren lässt, obwohl es im Winter eiskalt ist, und er sagte: "Weil dann müsste ich einen Handwerker anrufen." Das war's. Nicht der Preis, nicht die Zeit – nur dieser unbewusste Widerstand gegen die unmittelbare Aktion, obwohl das diffuse Unbehagen (frieren!) länger anhält. Glaubst du, man kann diese emotionale Neubewertung überhaupt trainieren, oder ist das eher so ein Akzeptanzding – dass man lernt, die Angst einfach dabei zu haben statt sie vorher wegzuverhandeln?

  • MMn ist es viel weniger eine Faulheitssache und mehr ein Emotions-Regulierungs-Problem — dein Gehirn versucht, die Unbehaglichkeit (Angst, Unbewusstheit, was da kommt) wegzuschieben, statt sie auszuhalten. Bei mir merke ich das krass beim Zahnarzt, weniger beim Waldwegtrimmen — da ist der unmittelbare Reward zu direkt. Der Haken: du stressst dich mehr, weil die Unsicherheit größer wird, also ein dummes Schachspiel gegen sich selbst. Manche Hirne sind halt empfindlicher für so emotional aversive Tasks, das ist biologisch real, gell.

    Zwischen Bergpfaden und klaren Gedanken...

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