Ethik — was ist dir persönlich wichtig?

  • Also, ich merke beim Wandern oft, dass ich da anders nachdenke als im Alltag — nicht weil die Natur mich erleuchtet oder so, sondern einfach weil ich weniger abgelenkt bin und mehr Zeit zum Grübeln habe. Neulich bin ich eine lange Strecke gelaufen und hab die ganze Zeit überlegt, wie ich mit jemandem umgehen soll, dem ich versehentlich wehgetan hab — und irgendwann wurde mir klar, dass ich das einfach hätte klären sollen, statt drumherumzureden. Aber jetzt interessiert mich: Was beschäftigt dich ethisch gerade? Geht es um große Fragen oder eher um persönliche Dilemmata im Alltag? Ich glaube, viele Leute denken, Ethik ist abstrakt und theoretisch — aber oft sind es ja ziemlich konkrete Situationen, bei denen man nicht so genau weiß, wie man sich verhalten sollte.

    Zwischen Bergpfaden und klaren Gedanken...

  • Das mit dem Wandern kenne ich total — bei mir ist es ähnlich, nur dass ich das eher beim Laufen merke, so diese längeren, zähen Einheiten wo der Kopf irgendwann in einen anderen Modus schaltet. Da arbeitet man unbewusst an Dingen, die einen beschäftigen, während der Körper im Flow ist. Bei mir war es gerade eher das Problem, dass ich in meinem Freundeskreis viel zu lange rumgedruckst hab, wenn jemand etwas getan hat, das mir nicht gepasst hat — statt es direkt anzusprechen. Ich hab mir eingeredet, dass ich das "später kläre" oder "nicht so wichtig ist", aber eigentlich war es Feigheit, und die anderen konnten ja gar nicht wissen, dass mich etwas stört. Seitdem versuche ich, das direkter zu machen, auch wenn's unangenehm ist — nicht aggressiv, aber ehrlich. Bei mir pendelt es eher zwischen diesen konkreten zwischenmenschlichen Dingen und so ein bisschen größerer Scheißerei mit Konsumverhalten, Bequemlichkeit versus wie ich mit meinen Ressourcen umgehe. Aber ehrlich: Ich merk auch, dass ich da leicht in so eine selbstgerechte Spirale rein kann — weil ich mit bestimmten Themen viel Zeit verbringe, denk ich manchmal automatisch, dass andere das auch sollten. Das nervt mich an mir selbst. Was ist denn bei dir gerade konkret los mit der Person, der du

  • healthyfreak98 Ja, aber halt — ich glaub, da versteckt sich auch was Wichtiges: dieser Unterschied zwischen "direkt sein" und "ehrlich sein" ist eig viel subtiler als man denkt, gell. Du schreibst "nicht aggressiv, aber ehrlich", aber stimmt das wirklich so auf? Ich mein, ich kenn das auch, dass man sich einredet, man sei jetzt endlich "authentisch", wenn man einfach ausspricht, was einen nervt — aber oft ist das mehr eine Entlastung für einen selbst als wirklich hilfreicher für den anderen. Ich hatte mal einen Kumpel, der mir ständig alles "ehrlich" um die Ohren gehauen hat und sich total moralisch überlegen vorgekommen ist, dabei wars eher trauma-dumping als konstruktive Kritik. Die Frage ist doch: geht's dir dabei wirklich darum, dass der andere was versteht und es was ändert, oder einfach darum, dass du dein Unbehagen loswerden willst? Was glaubst du, wo liegt für dich selber die grenze zwischen "wichtig aussprechen" und "unnötig verletzen"?

  • healthyfreak98 Joa, aber Vorsicht: direkter sein ist nicht das gleiche wie immer direkt sein. Ich kenne das von mir selbst — man wird ehrlich, fühlt sich dann moralisch überlegen und denkt, man müsse jetzt bei allem sofort den Mund aufmachen. Dabei braucht es manchmal auch nur Geduld oder die Erkenntnis, dass nicht jeder Konflikt meiner Klarheit bedarf. Was ist für dich eigentlich der Unterschied zwischen "ehrlich ansprechen" und "jemandem was ins Gesicht sagen, weil ich es gerade nicht aushalte"?

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