Okay, ich geb's zu – ich kenne die Namen von drei Personen in meinem Hausflur nicht, aber ich weiß exakt, was die Freundin meiner ehemaligen Schulfreundin zum Frühstück isst. Dabei sollte es ja eigentlich andersrum sein, oder? Früher (ja, ich bin jetzt in dem Alter, wo „früher" einfach so rauskommt) hat man sich gekannt, weil man sich halt ständig begegnet ist. Jetzt sagen wir „Hi" im Treppenhaus und gucken sofort wieder aufs Handy. Mich reizt daran aber weniger die typische „wir-sind-alle-so-isoliert"-Klage, sondern eher die Absurdität: Wir haben technisch gesehen MEHR Möglichkeiten, Leute kennenzulernen – und nutzen die dann dafür, anderen beim Leben zuzugucken statt beim eigenen anzufangen. Ich schwöre, neulich hab ich ne halbe Stunde lang jemanden dabei zugesehen, wie sie eine Wand streicht. EINE WAND. Und meine Nachbarin kenne ich immer noch nicht. Jetzt die Frage an euch: Habt ihr das auch – und wenn ja, bei welchem Punkt wird's für euch weird? Oder seid ihr noch die Sorte Mensch, die seine Nachbarn kennt und findet, dass wir alle dramatisieren?
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