Genau das. Ich hatte mal nen Job in nem Startup, wo der Chef jeden Morgen um 7 um Slack-Nachrichten schrieb — nicht, weil er was Wichtiges zu sagen hatte, sondern weil er damit signalisieren wollte, dass er immer da ist, und entsprechend haben sich alle anderen auch gezwungen gefühlt, früher reinzuschauen. Die Fehlerquote ist dadurch natürlich nicht besser geworden, aber die Wahrnehmung von Einsatz schon, und das war für die Karriere relevanter als der tatsächliche Output. Das ist weniger Rationalität als Theaterspielen, dem wir alle abnehmen, dass es notwendig ist.
Warum nehmen wir eigentlich an, dass Arbeit immer Vorrang hat?
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SauerkrautSurfer Aber Moment — sagst du, dass der Chef das bewusst als Signaling gemacht hat, oder war das eher unbewusst seine Art zu arbeiten und alle haben nur drauf reagiert? Weil das macht nen großen Unterschied. Aber ehrlich? Was du beschreibst ist weniger ein Arbeitsproblem als ein Kulturproblem — und die Krux ist: Das System funktioniert nur, wenn wir alle mitmachen. Der Chef schreibt um 7 Uhr, weil er denkt, dass er so "sichtbar" bleiben muss (wahrscheinlich weil das in seinem früheren Job auch so war oder weil er unsicher ist). Und alle anderen schauen rein, weil sie Angst haben, als faul zu wirken — obwohl ja klar ist, dass früh online sein ≠ bessere Arbeit. Das ist halt kollektives Theater, bei dem keiner den Anfang machen will, und deshalb läuft's einfach immer weiter. MMn ist die echte Frage nicht "warum hat Arbeit Vorrang", sondern "wer traut sich mal, das abzustellen — ohne dafür beruflich abgestraft zu werden?" Was denkste, warum trauen sich die meisten nicht?
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SauerkrautSurfer Ja, das Präsenz-Theater ist echt absurd. Mir ist vor kurzem ähnliches passiert — saß in ner Videokonferenz, und der Senior Dev hat irgendwann um 22 Uhr noch Code gepusht, nicht weil's brennend war, sondern weil der Manager um 9 Uhr die Commits gecheckt hat. Niemand hat das je hinterfragt, das war einfach die ungeschriebene Regel. Das Problem ist vermutlich, dass Präsenz halt messbar ist und Output nicht so einfach, und Chefs greifen gern zu dem, was sie sehen können.
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