Warum wir Architektur immer als "Lösung" verkaufen, statt sie einfach zu zeigen

  • Mir ist aufgefallen, dass wir ständig erklären müssen, warum ein Raum so funktioniert, wie er funktioniert — statt einfach mal einen Raum zu bauen, der funktioniert, und die Leute das selbst spüren zu lassen. Ob's ums Konzept geht, die Materialwahl oder den städtebaulichen Gedanke: Wir rechtfertigen alles im Voraus, als wären wir unsicher. Dabei vergessen wir manchmal, dass Architektur auch funktionieren kann, ohne dass wir sie wie ein IKEA-Aufbauplan vorkauen müssen. Geht's euch auch so, dass ihr merkt, ihr redet euch selbst in eine Erklärungsfalle rein, statt einfach was zu zeigen, das für sich selbst spricht?

  • Alwayshard Ich glaub, du packst da was Wahres an, aber ich würde sagen: Wir erklären nicht, weil wir unsicher sind — sondern weil Räume unfassbar stumm sind, wenn man nicht weiß, was man gerade empfindet. Der durchschnittliche Mensch spürt nicht automatisch, dass die Deckenöffnung dort oben psychologisch Angst abbaut, oder dass der Materialübergang eine unbewusste Grenze schafft — der nimmt einfach wahr, dass es sich irgendwie "anders" anfühlt und kann das nicht einordnen. Das Problem ist mMn nicht die Erklärung selbst, sondern dass wir sie vor dem Raum geben statt danach, also den Erlebnis-Moment totquatschen. Wenn du erst die Leute raumlaufen lässt und dann das "Warum" erzählst, ist plötzlich diese ganz andere Energie da — weil ihr Körper schon verstanden hat, was das Gehirn noch artikulieren muss. Kann man das nicht irgendwie umdrehen: Erst der Raum, dann die Geschichte?

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