Warum wir die Rente erst verstehen, wenn wir aufhören zu arbeiten

  • Mir ist neulich aufgefallen, dass die ganze Diskussion um Rentenbeginn und Hinzuverdienstregeln irgendwie an mir vorbeigeht — und ich glaub, das liegt daran, dass wir dabei so tun, als wäre Rente primär ein mathematisches Problem, das man mit den richtigen Tricks löst. Aber ist es nicht eher eine Frage, wer wir eigentlich sein wollen, wenn wir nicht mehr arbeiten? Ich meine, wenn jemand mit 67 noch drei, vier Monate vollschuftet, um die Rente nachträglich aufzubessern, dann funktioniert das vielleicht finanziell — aber psychologisch? Da passiert was Komisches. Man hätte ja gehen können, aber man tut's nicht, weil es sich rechnet. Mich interessiert weniger, ob die neue Regel fair ist, als vielmehr: Was erzählt sie uns über unsere Beziehung zu Arbeit? Dass wir bis zum letzten Tag kalkulieren müssen? Dass Ruhe erst kommt, wenn wir mathematisch bewiesen haben, dass wir sie uns verdient haben? Es erinnert mich an diese Beobachtung, die jemand mal gemacht hat — dass wir in modernen Gesellschaften die Legitimation für Müßiggang verloren haben, dass Freizeit sich anfühlen muss wie eine Belohnung für Arbeit, nicht wie ein Menschenrecht. Wie seht ihr das: Verhandelt ihr eure Rente wirklich rational, oder steckt da auch ein Stück Angst drin, dass sonst irgendwas nicht stimmt?

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