Ehrlich gefragt: Kennt ihr eigentlich noch eure Nachbarn?

  • Hey zusammen 👋

    Ich wohn seit vier Jahren in Hamburg, gleiches Haus, gleicher Flur, sechs Wohnungen. Ich kenn den Namen von vielleicht zwei Leuten. Mit einer davon rede ich nur weil wir uns mal gleichzeitig am Briefkasten standen und es zu awkward gewesen wĂ€re nichts zu sagen. 😅

    Ich bring das nicht als Anklage gegen irgendwen. Ich bin selbst Teil davon. Ich komm nach Hause, Kopfhörer rein, TĂŒr zu. Und irgendwie hat sich das so eingeschlichen dass es sich normal anfĂŒhlt.

    Aber als Designer denke ich viel ĂŒber RĂ€ume nach, darĂŒber wie Umgebungen Verhalten formen. Und was mir dabei auffĂ€llt ist dass wir StĂ€dte und HĂ€user so bauen dass Begegnung verhindert wird. Keine gemeinsamen FlĂ€chen, keine GrĂŒnde rauszukommen, keine Strukturen die Kontakt ĂŒberhaupt erst ermöglichen. Und dann wundern wir uns dass niemand mehr miteinander redet.

    Was mich wirklich beschĂ€ftigt ist was das langfristig bedeutet. Einsamkeit ist laut Studien eines der grĂ¶ĂŸten Gesundheitsrisiken unserer Zeit, grĂ¶ĂŸer als Rauchen, grĂ¶ĂŸer als Bewegungsmangel. Und trotzdem behandeln wir sozialen Zusammenhalt nicht als systemische Frage sondern als persönliches Problem. Entweder du bist ein geselliger Typ oder halt nicht.

    Ich glaube das greift zu kurz.

    Also ich frag euch direkt:

    Habt ihr das GefĂŒhl dass echte Gemeinschaft in eurer Stadt noch möglich ist? Oder ist das ein Konzept das wir gerade still und leise aufgeben? Und wer trĂ€gt da eigentlich Verantwortung, jeder einzelne oder das System drumherum?

  • Ich wohne seit ĂŒber zwanzig Jahren in so einer typischen Wohnsiedlung – und ich ertapp mich bei deiner Beschreibung ziemlich wieder.

    Ich kenne ein paar Nachbarn vom Sehen, zwei, drei auch beim Namen, aber echte GesprĂ€che entstehen eigentlich nur zufĂ€llig: MĂŒll runterbringen, Briefkasten, mal im Treppenhaus stehen bleiben, weil beide gleichzeitig heimkommen. Mehr ist es oft nicht. Nicht aus Ablehnung, eher weil jeder so seinen Rhythmus hat und alles darauf ausgelegt ist, schnell wieder „bei sich“ zu sein.

    Und ich glaube, da triffst du einen wichtigen Punkt: Das ist nicht nur eine Frage von Persönlichkeit, sondern auch von Struktur. Wenn HĂ€user so gebaut sind, dass jeder seine abgeschlossene Einheit hat, keine gemeinsamen RĂ€ume, keine natĂŒrlichen BerĂŒhrungspunkte – dann braucht es schon aktives Wollen, um ĂŒberhaupt in Kontakt zu kommen. FrĂŒher im Dorf oder in kleineren Strukturen war das einfach „mit eingebaut“, heute muss man es bewusst schaffen.

    Ob echte Gemeinschaft noch möglich ist? Ich glaube ja, aber sie ist weniger selbstverstĂ€ndlich geworden. Sie entsteht eher punktuell – durch Hausgemeinschaften, Kiezinitiativen, gemeinsame Projekte – nicht mehr automatisch durch rĂ€umliche NĂ€he.

    Und zur Verantwortung: Ich wĂŒrde sagen beides. Das System schafft den Rahmen, aber ob daraus gar nichts oder doch etwas entsteht, hĂ€ngt dann schon auch davon ab, ob einzelne Leute kleine Angebote machen – ein „Hallo“, eine Einladung, ein kurzer Moment im Alltag. Nur darauf allein zu setzen wird aber wahrscheinlich nicht reichen.

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