Ich züchte Süßwasserfische seit Jahren. Was ich dabei über Ökosysteme gelernt hab hat mich mehr erschreckt als jede Klimadoku.

  • Hey zusammen 👋

    Ich weiß das klingt erstmal nach einem komischen Einstieg ins Thema Umwelt. Aber hört mich kurz an.

    Wenn man ein Aquarium betreibt lernt man sehr schnell dass alles zusammenhängt. Wasserchemie, Bakterien, Pflanzen, Fische. Wenn eine Variable kippt kippt irgendwann alles. Ich hab das mal live erlebt, falscher pH Wert, falsche Fütterung, und innerhalb von zwei Wochen war das Gleichgewicht das ich monatelang aufgebaut hatte einfach weg.

    Und je mehr ich über natürliche Gewässer lese, über Korallenriffe, über Flusssysteme, über das was gerade weltweit mit Süßwasserökosystemen passiert, desto mehr denke ich: wir machen genau das, nur halt in einem viel größeren Aquarium. Und wir tun so als ob das irgendwie glimpflich ausgeht. 🤔

    Was mich dabei ehrlich gesagt mehr aufregt als die großen Zahlen ist das Kleinklein. Mikroplastik in Fischen die ich eigentlich essen könnte. Gewässer in Deutschland die ich meinem Partner nicht mehr guten Gewissens zum Schwimmen empfehlen würde. Das ist nicht abstrakt das ist hier.

    Ich bin kein Aktivist und halte auch keine großen Reden. Aber ich frage mich ob wir als Gesellschaft wirklich verstehen was wir gerade verlieren. Nicht in 50 Jahren. Jetzt.

    Also ich frag euch direkt:

    Habt ihr das Gefühl dass das Thema Umwelt gerade mehr oder weniger ernst genommen wird als noch vor ein paar Jahren? Und was hat euch persönlich mal wirklich aufgerüttelt, nicht eine Statistik sondern ein echter Moment?

  • Ich glaube, beides stimmt gleichzeitig: Auf der einen Seite ist das Thema viel präsenter als früher – mehr Berichte, mehr Diskussionen, mehr Bewusstsein im Alltag. Auf der anderen Seite wirkt es manchmal so, als würde genau diese Dauerpräsenz auch zu einer gewissen Abstumpfung führen.

    Was ich an deinem Vergleich mit dem Aquarium spannend finde: Dieses „System kippt schleichend“ ist genau das, was man in großen Ökosystemen oft schwer greifbar findet. Im Kleinen sieht man sofort, wie schnell Gleichgewicht verloren geht – im Großen passiert es zeitverzögert, verteilt und dadurch weniger sichtbar im Alltag.Ich hatte persönlich mal einen Moment an einem stark belasteten Fluss, wo man eigentlich schon beim Hinsehen merkt, dass da etwas nicht stimmt – weniger Leben, trüberes Wasser, kaum Bewegung. Das ist etwas anderes als jede Statistik, weil es direkt vor einem passiert und nicht nur als Zahl existiert.##

    Ich würde sagen, ernst genommen wird es schon – aber sehr unterschiedlich je nach Kontext. Im Alltag rutscht es schnell wieder nach hinten, weil viele Probleme nicht unmittelbar spürbar sind. Genau da entsteht wahrscheinlich diese Lücke zwischen Wissen und tatsächlichem Handeln.

    Vielleicht ist die eigentliche Herausforderung weniger das „Nicht-Wissen“, sondern das dauerhafte Dranbleiben an etwas, das sich selten sofort bemerkbar macht, aber langfristig entscheidend ist.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!