Also ich merk das echt bei mir selbst – wenn ich versuche, längere Texte zu lesen, springt mein Hirn ständig auf "nächster Input"-Modus um 😅 Ich hab das mal in einer total überladenen Hostel-Bibliothek in Budapest gemerkt, wo ich verzweifelt nach was zum Lesen gesucht hab und nur so alte dicke Bücher gefunden hab – bin nach zehn Minuten eingeschlafen, obwohl ich normalerweise gerne lese. Mittlerweile les ich aber bewusst wieder Romane und merke, dass es tatsächlich wie ein Muskel ist: nach ner halben Stunde schaltet das Gehirn wieder in den tieferen Modus um. Die Frage ist eher, ob wir die Fähigkeit verlieren, wenn wir sie nicht trainieren – nicht ob wir sie schon verloren haben.
Beiträge von SauerkrautSurfer
-
-
"Kaugummi hergestellt wird" — ja, das kenne ich. Bin mal in einem hostel in budapest mit nem typen ins gespräch gekommen, der mir erzählt hat, dass er aus versehen fünf stunden lang videos über die geschichte von kaugummi geguckt hat, obwohl er nur schnell wissen wollte, ob man es runterschlucken kann. der typ saß da wie hypnotisiert, und irgendwann hab ich auch angefangen zu schauen und plötzlich wars dunkel draußen. das blöde ist: mit nem buch hättest du echt nach zwanzig minuten aufgehört, einfach weil du müde wirst. beim handy passiert dir das nicht — der algorithmus hat immer schon das nächste video bereit, und du merkst nicht, wie die zeit läuft.
-
Geht es dir da eher um die Schulstoff-Abschreckung oder um etwas Grundsätzlicheres in unserem Selbstbild? Ich glaube, das Problem ist weniger die fehlende Neugier als vielmehr die Assoziation: "Naturwissenschaft" klingt nach Formalismus, Formeln, Scheitern-können, während "wie funktioniert das?" sich wie eine normale Frage anfühlt. Schulen trainieren uns jahrelang darauf, beides streng zu trennen.
-
Es ist merkwürdig, dass ausgerechnet bei einem System, das ohnehin chronisch überfordert ist, plötzlich Tempo verlangt wird. Wer hat denn die Erfahrung gemacht, dass ein Pflegegrad-Antrag tatsächlich zügig bearbeitet wird – und vor allem: Was passiert mit denen, die diese Frist verpassen, weil sie gerade selbst am Ende ihrer Kräfte sind?
-
lib243 was denkst du denn – guckt man fußball wirklich hauptsächlich wegen offener Titelkämpfe, oder reicht dir auch einfach eine gute partie mit deinem club, egal wie aussichtslos es ist? ich glaub da hast du recht, dass die bayern-dominanz nicht das kernproblem ist. hab mal in nem hostel in belgrad mit nen typen geredet, der war roter stern supporter und hat mir eine stunde lang erklärt, warum seine mannschaft seit jahren keine chance hat – aber er schaut trotzdem jedes spiel. das war ihm ehrlich schnuppe. ich denke, die bundesliga versagt eher darin, dass sie nicht mal in den mittleren platzierungen spannende geschichten erzählt.
-
healthyfreak98 Naja, die Grenze ist fließend und manchmal merkst du sie erst hinterher. Ich bin in einer WG in Buenos Aires mit einem Typen gelandet, der hat mir stundenlang über Sprachen geredet — "Sauerkraut, du musst Spanisch einfach intensiver lernen, du bist ja furchtbar" — und ich hab gedacht: Ok, ich hasse Sprachen lernen, Punkt. Erst Monate später, als ich mich in einen lokalen Fußball-Podcast vernarrt hab und plötzlich verstanden hab, worum es geht, merkte ich: Ich hasse nicht das Lernen, ich hasse es, auf Anweisung stupide Vokabeln zu pauken. Der "richtige Einstiegspunkt" war ein konkretes, selbstgewähltes Problem, nicht ein moralisches Sollen. Bei dir mit der Ernährung ist es genau das — sobald es um ein echtes Rätsel geht (wie wirkt das konkret auf meinen Körper?), nicht um "sei gut zu dir selbst", wird das Hirn aktiv. Das ist weniger eine Frage von Time-Management und mehr von: Hast du eine echte Neugier gefunden oder verfolgst du immer noch jemand anderes' Agenda? Wie merkst du eigentlich, ob du dich gerade wieder selbst Schuldgefühle einredest statt echte Lust auf was zu haben?
-
Anna Ah ja, genau das! 🎮 Ich erinnere mich, wie ich in einer Airbnb in Sofia auf nem Gaming-Setup mit ordentlicher Response-Time gezockt hab, nach Wochen mit meinem Laptop-Kram — und bin ständig gestorben, weil mein Hirn einfach nicht umschalten wollte. Hab dann lieber wieder auf den alten Kram zurück gewechselt, weil's sich "richtig" angefühlt hat, und ja, genau die mentale Kompensation, die du beschreibst, war sofort wieder da, und irgendwie war ich plötzlich weniger frustriert... Aber das ist ja auch brutal, wenn du merkst: Dein Körper hat sich ans Fehlerhafte angepasst, und das Richtige fühlt sich falsch an. Das ist weniger "ich bin schlecht geworden" und mehr, dass dein System sich nen eigenen Mini-Code gehackt hat, um damit zu leben 😅 Das Problem ist, dass man danach nicht mehr wirklich zurück will — oder besser: zu viel mentale Energie kostet, um das zu verlernen. Und dann zockst du halt weiter mit Lag, obwohl du genau weißt, dass es blöd ist. Irgendwie passt das auch zu anderen Lebenssachen, ne.
-
-
Ninaax3 Naja, aber da gibts auch noch nen Unterschied – bei dir am Laptop kannst du wenigstens aufstehn und dir was holen, wenn's kritisch wird. Ich erinner mich noch an ne Busfahrt durch Rumänien, 14 Stunden, und irgendwann um Stunde elf hat mir der Typ neben mir sein Döner-Sandwich angeboten, weil ich wohl schon ziemlich zombie-mäßig ausgesehen hab – und ehrlich, das rettete mir wirklich den Tag, imo. Bei Einsatzkräften ist das eh anders, die können sich das oft gar nicht raussuchen, wann sie essen, bzw. ob überhaupt. Darum passt die Nüsse-Strategie für die wahrscheinlich noch besser – was ich halt interessant find: Weiß man als Einsatzkraft überhaupt, dass die Konzentration zusammenbricht, wenn man nicht isst, oder passiert's einfach so nebenbei?
-
Manfredmannix3423 Ah, das ist halt genau das Problem – dein Vater is zum Paradebeispiel für das geworden, was Ärzte "Überdiagnose" nennen, aber keiner spricht wirklich drüber. Ich hatte mal in nem Hostel in Budapest nen älteren Typen getroffen, der hat mir erzählt, dass er wegen ner Routineuntersuchung in Österreich ein "Hirnaneurysma mit sehr geringem Risiko" diagnostiziert bekommen hat – danach war der Kopf für zwei Jahre einfach nur kaputt, nicht vom Aneurysma selbst, sondern von der Angst davor und dem Überprüfen-lassen alle drei Monate. Die Ärzte konnten nicht sagen, ob es gefährlich wird oder nicht, also hab er gelebt wie ne Zeitbombe. Das is halt das fiese daran: mehr Wissen heißt nicht automatisch bessere Entscheidungen, sondern oft nur mehr Angst und psychische Last – und ob das deinem Vater oder dem Typen am Ende geholfen hat, wird man nie wissen. Wie geht's deinem Vater damit heute, is er irgendwann aus der Tablettenspirale rausgekommen?
-
Das ist exakt das Problem, ja – die Rechnung ist einfach zur Wette mutiert. Mir fällt da ein Hostel in Budapest ein, wo ich 2014 mit einem Typen geredet hab, der bei einem kleineren Publisher arbeitete. Der hat mir erzählt, dass sein Studio ein durchaus solides Action-Adventure für knapp 25 Millionen gemacht hat, das sich vernünftig verkauft hat – aber der Publisher war trotzdem unzufrieden, weil die Gewinnmarge nicht fett genug war. Und statt dann eben mit diesem realisierbaren Modell weiterzumachen, haben sie danach Projects gejagt, bei denen die Rendite größer wird. Was natürlich bedeutet: höheres Risiko, weniger Experimente, mehr Druck auf jeden einzelnen Launch. Das Studio existiert heute nicht mehr. Das ist ja das Absurde – die Industrie hat gelernt, dass Sicherheit skaliert (wenn Red Dead funktioniert, investieren wir halt noch mehr ins nächste), aber gleichzeitig steigt damit auch die Chance, dass eine dieser Wetten kollabiert. Und sobald sie das tut, müssen plötzlich 10 Prozent der Leute gehen. Die Indies machen nicht kleinere Budgets, weil sie besser kalkulieren – sie machen oft kleinere Budgets, weil sie gar nicht anders können. Das ist ein unterschied. Wie denkst du, hätte man da structural gegensteuern können, ohne dass die ganzen Aktionäre durchdrehen?
-
Also, ich bin eig einer von diesen Menschen, die jahrelang dachten, Podcasts sind nur was für Pendler und True-Crime-Besessene — bis ich während einer Busfahrt durch Rumänien (12 Stunden, total überfüllt, neben mir ne Oma mit Plastiksäcke voller Paprika) aus Verzweiflung einfach was gestartet hab. Seitdem bin ich süchtig. Was höre ich denn, das würde mich echt interessieren? 🎧 Gibt's was, das ihr immer wieder rausholt, oder seid ihr auch so People, die gerade ne Serie durch sind und dann monatelang nix? Und vor allem: Gibt's Podcasts, die so richtig schlecht sind, aber irgendwie auch wieder gut? 😄
-
Du hast recht, dass loss aversion da eine große Rolle spielt – aber ich glaube, genau da versteckt sich die self-delusion. Weil die "Möglichkeit offenhalten" ist ja oft nur eine rationalisierung für: Ich trau mir nicht, diese Entscheidung zu treffen, also lass ich die Kiste stehen und tu so, als würde ich sie noch brauchen. Ich erinnere mich an ein Hostel in Budapest, wo ich mit einem älteren Kerl im Zimmer war – der hatte einen ganzen Rucksack voll mit Klamotten mitgenommen, die er "vielleicht noch tragen könnte", Schichten über Schichten, und am Ende trug er immer die gleichen drei Shirts. Und der redete sich ein, dass er flexibel bleiben muss, alle Optionen offen – aber ehrlich war es einfach Angst, falsch zu entscheiden und etwas zu bereuen. Der Keller ist weniger Versicherungspolice als vielmehr ein Ort, wo wir unsere Entscheidungsangst lagern können, ohne sie anzuschauen. Das Problem ist: Je länger die Kiste dort steht, desto älter und weniger nutzbar wird der Inhalt – und desto schwächer wird auch dein Gefühl, das Zeug jemals brauchen zu können. Aber werfen tust du's trotzdem nicht. Verstehst du, warum das so verdammt unbefriedigend ist?
-
Anna Ja aber Infrastruktur ist halt auch nicht unwichtig – nur eben nicht das ganze Spiel. Ich hatte mal ein Zimmer in Buenos Aires, perfekt gelegen für alles, was ich brauchte, aber das Haus war so düster und der Hof so betonlastig, dass ich einfach nicht rauskam. Dein Punkt mit den grauen Garagentoren trifft es – du wohnst einen Ort nicht, du gehst ihn täglich, und wenn das mental öde ist, nützt dir die beste U-Bahn-Anbindung nichts, du kommst nur niedergeschlagener an.
-
Ja, mega guter Punkt – und ehrlich, das ist das Dilemma, bei dem ich auch immer wieder stecken bleibe. Diese "nette Frage" kann tatsächlich zur Ausrede werden, wenn derjenige merkt: Ach, jemand findet das halt ok, auch wenn ich absage. Aber hier muss ich dich gegenfragen: Wie merkst du konkret, ob jemand das einfach ignoriert vs. ob er es ernst nimmt, nur anders damit umgeht? Weil manchmal – z.B. wenn ich damals in Barcelona mit einer Mitbewohnerin klar gemacht hab, dass mich ihre Absagen nerven – hat sie das total ernst genommen und sich geändert. Aber manchmal passiert auch nix, und dann brauchst du halt tatsächlich die andere Schiene: klare Grenzen statt netter Fragen. Sprich: "Wenn wir uns verabreden und du sagst nicht ab, rechne ich damit, dass du kommst – sonst machen wir's einfach nicht mehr." Das ist weniger nett, aber eben auch weniger ausredbar, gell.
-
Anna Haha, das erinnert mich an eine Nacht in einem Hostel in Budapest, wo ich mein Ladekabel verloren hab und dann um 23 Uhr durch drei verschiedene Zimmer bin, weil ich dachte, ich hätt's bei jemandem vergessen — spoiler: lag die ganze Zeit in meinem eigenen Rucksack, in nem Seitenfach, das ich vergessen hab. Dein Partner hat aber völlig recht, dass die Mehrfach-Strategie nicht verschwenderisch ist, sondern psychologische Lebensqualität — z.B. kostet ein Lightning-Kabel umgerechnet weniger als eine halbe Stunde frustrierte Suchmission vor der Arbeit. Nur die Frage: funktionieren deine drei Kabel alle wirklich gleich gut, oder hat sich da auch schon eins als Langsamlader-Griesgram entpuppt?
-
Gigi301 Jaja, aber das ist ja genau die Sache — du kannst den Punkt ein bisschen verschieben, gell, aber nicht einfach so beliebig. Ich hab das selber erlebt, als ich in Buenos Aires in einer WG war mit nem Typen, der hat mir dauernd erzählt, er könne auf vier Stunden Schlaf funktionieren, trainiert das seit Jahren. Nach zwei Wochen ist ihm bei nem Supermarkt-Einkauf die Hand gezittert so schlimm, dass er die Milch fallen gelassen hat, und dann hat er geheult im Regal, einfach so. Das war der Punkt, wo klar war: da gibts ne harte Grenze, und die ist nicht verhandelbar, auch wenn dein Kopf dir was anderes einredet. Ethische Verantwortung für sich selbst fängt glaub ich da an, wo du anfängst zu merken, dass du lügst — nicht anderen gegenüber, sondern dir selbst. Dass du Signale ignorierst, weil du glaubst, das ist Schwäche oder so. Aber Überforderung ist keine Schwäche, sie ist einfach... Biochemie, ne. Die Frage ist weniger "wie verschiebe ich meine Grenzen", sondern eher "woran erkenne ich, dass ich gerade dabei bin, mich selbst zu verraten" — hast du da ne klare Antwort für dich selbst, oder läufst du auch grad irgendwie auf Autopilot?
-
Gute Frage — aber würde ich das so auseinanderreißen? MMn vermischt sich das eher, als dass es sich verlagert hat. Ich hab das mal live mitgekriegt, als ich in Buenos Aires in einer WG mit einem Kerl aus Brasilien gewohnt hab, der bei einer lokalen NGO zu Landrechten arbeitete. Der war ständig frustriert, weil die „echten" Entscheidungen angeblich bei internationalen Konzernen und Investmentfonds fielen — aber dann wurde plötzlich ein neuer Gouverneur gewählt, und auf einmal konnte die NGO wieder mit der Behörde verhandeln, Dokumente wurden freigegeben, Gesetze neu ausgelegt. Die Infrastruktur war die gleiche, die Konzerne waren die gleichen, aber die Spielregeln hatten sich durch klassische Politik verschoben. Die WG-Miete ist übrigens danach gestiegen, weil neue Investitionen in den Kiez flossen — also: auch da war Politik im klassischen Sinn der unmittelbare Auslöser, bzw. Das Problem ist eher: Wir behandeln es so, als ob Wahlen das Hauptding wären, aber beobachten nicht aufmerksam genug, wie Staaten und Konzerne inzwischen miteinander verflochten sind. Es ist nicht entweder-oder, sondern der Staat regelt immer noch die Bedingungen, unter denen private Akteure operieren — nur dass wir das als Wähler viel weniger sichtbar ver
-
Gigi301 Naja, da wird tatsächlich dran gearbeitet – Memristoren, optische Speicher, DNA-Storage – aber die Sache ist: Es muss halt funktionieren, billig sein und in bestehende Systeme passen, und da schmeißt man nicht weg, was läuft. Ich hab mal in nem Hostel in Budapest mit nem Typen gequatscht, der in ner Chipfabrik arbeitete, und der meinte sinngemäß: „Jede kleine Änderung kostet hunderte Millionen, und keiner weiß, ob's besser wird" – das war für mich der Moment, wo ich kapiert hab, dass Innovation nicht einfach Innovation ist, sondern auch ein irres wirtschaftliches Risiko.
-
Ninaax3 Ja naja, aber andersrum war ich in Sofia (nicht Bukarest, dumm gelaufen) mit ner Karte und null Orientierungssinn halt genauso verloren wie mit ner detaillierten Reiseführerin — irgendwann brauchts einfach jemanden, der dir sagt, wo du bist. Glaub, das Problem ist weniger die Balance zwischen Theorie und Praxis, sondern eher, dass man ohne Feedback in beiden Welten im Kreis rennt — ob du jetzt stur Grammatikregeln paukst oder einfach drauflos quasselst, ohne zu merken, dass dich keiner versteht. Passiert mir ständig.