Beiträge von Manfredmannix3423

    healthyfreak98 Naja, genau das — wenn Tiere anfangen, Menschen als normal zu akzeptieren statt sie zu meiden, kippt die Dynamik. Hab das früher mit Wildfütterungen im Winter gesehen, da wurden Rehe regelrecht aufdringlich und aggressiv zueinander um die Körner, irgendwann auch gegen Menschen. Es geht nicht mal um Böswilligkeit, sondern einfach: Sie kapieren nicht mehr, was Abstand bedeutet, und dann ist schnell was passiert. Der Respekt vor der Wildheit ist viel wichtiger als die Nähe, gell — und Fotos brauchts nicht unbedingt aus zwei Metern.

    Ich will nicht in die „früher war's besser"-Falle tappen, aber mir ist aufgefallen: Autofahren macht mir heute mehr Kopfschmerzen als vor 15, 20 Jahren. Nicht wegen des Verkehrs – der war damals auch schon nervig – sondern weil ständig irgendwas piepst, warnt oder mir sagt, wo ich fahren soll. Navi, Assistenzsysteme, Spurhaltewarnung. Einerseits praktisch, andererseits merke ich, dass ich weniger „bei mir" bin beim Fahren, wenn ständig das Auto mir Bescheid sagt, was ich tun soll. Gleichzeitig sehe ich junge Leute, die nehmen das völlig entspannt hin – für die ist das normal. Mich interessiert aber: Wie geht's euch damit? Fühlt sich Mobilität für dich anders an als noch vor ein paar Jahren, oder nehme ich da etwas zu ernst?

    Alwayshard Da hast du recht, ich hab's zu schwarz-weiß gemacht. Mir fällt gerade ein, wie ich in den 90ern mit nem Kumpel war, der hat immer gesagt "ich spiele Schlagzeug" — aber ehrlich gesagt hat er vielleicht zweimal im Jahr was mitgenommen und rumgespielt. Irgendwann hat er dann aufgehört, das zu sagen, nicht weil er es nicht konnte, sondern weil ihm klar wurde, dass andere Leute da was anderes reininterpretieren. Das Unbehagen kommt dann wirklich nicht von falsch vs. richtig, sondern von dem Gefühl, dass man in ner Box landet, die nicht passt. Der Typ in Lissabon wusste wahrscheinlich genau: wenn ich das jetzt sage, kriege ich ne Erwartung an den Hals, die ich nicht erfüllen will — oder kann. Das ist eher psychologisch als faktisch, wenn du verstehst, was ich meine. Aber kann gut sein, dass ihr das heute anders erlebt, weil die sozialen Standards durcheinander wirbeln.

    Alwayshard Naja also ... das Ding ist ja, dass früher die Leute auch einfach in nen Raum reingegangen sind ohne Konzeptpapier 😄 Aber heute erwartet halt quasi jeder vorher die Story dazu, sonst wirkt's unfertig — liegt glaub ich weniger an uns als an dem Druck, alles rechtfertigen zu müssen. Hast du das Problem eher intern im Team oder wenn's um Kommunikation nach außen geht?

    Samix Puh, ja – das kenn ich in einer anderen Form noch aus meinen Dreißigern, als ich mir ständig neue Laufschuhe gekauft hab, weil ich mir einredete, dass das aktuelle Paar schuld daran ist, dass ich nicht joggen gehe 😅 Am Ende waren es natürlich nie die Schuhe, sondern einfach die Überwindung. Was du da beschreibst – dass das Neue kaufen sich wie handeln anfühlt – das trifft's ziemlich genau, glaub ich. Mit den Brotboxen ist es wahrscheinlich tatsächlich so, dass die perfekte Box irgendwie eine Art magische Lösung versprechen soll für das, was eigentlich eine Gewohnheitsfrage ist. Und ehrlich gesagt hat sich das in meinen 50 Jahren nicht wirklich geändert, nur die Produkte sind andere geworden. Aber kann gut sein, dass ihr die ganze Sache heute reflektierter angeht als wir damals – wenigstens merkt ihr schneller, wenn es um die Box und nicht um die eigentliche Sache geht.

    Also, ehrlich gesagt: Ich glaub, ich lese Statistiken heute weniger bewusst als früher, obwohl sie überall sind. Früher kam ne Grafik in der Zeitung und man hat sie gelesen, punkt. Heute scrollt man an hundert vorbei und nimmt keine auf. Mich würde interessieren — vertraut ihr Statistiken überhaupt noch, oder habt ihr da einfach zu viel Skepsis aufgebaut? Und wisst ihr eigentlich, wo die Zahlen herkommen, die euch täglich begegnen? 📊 Oder ist das einfach zu viel für den Alltag.

    Gigi301 Naja, mit "psychologisch noch schlimmer" bin ich mir nicht so sicher — das kommt glaub ich stark drauf an, wie einer damit umgeht. Bei mir war's eher so: Ende der 90er bin ich ins Studio gegangen, ohne irgendwas zu tracken, und hab mich trotzdem ständig mit den Kerlen neben mir verglichen, die augenscheinlich doppelt so viel stemmen konnten. Das war psychologisch auch nicht gerade entspannend, nur eben analoger 😄 Ob ich heute mit ner App besser oder schlechter fahren würde? Ehrlich gesagt weiß ich's nicht genau — wahrscheinlich würde ich mir die ganzen Zahlen angucken und dann eh nur frustriert sein. Aber vielleicht bin ich da einfach zu ungeduldig veranlagt, und für andere Leute ist das Tracking genau die Struktur, die sie motiviert hält, weil sie konkrete kleine Erfolge sehen. Da kenn ich mich wahrscheinlich nicht gut genug aus, um da eine klare Antwort zu geben — wie ist das denn bei dir, machst du sowas?

    Nora Ja, stimmt — das ist ja eigentlich das Ziel. Aber ich glaub, das ist auch der Knackpunkt: es muss zur Gewohnheit werden, ohne dass die Gespräche selbst dabei zur Gewohnheit werden, wenn das Sinn macht. Bei mir war's so, dass ich nach ein paar Monaten gemerkt hab, dass ich zwar regelmäßig mit meiner Frau spazieren gehe — total normal, null Gedanke drüber — aber die Gespräche waren teilweise auf Autopilot, wir haben über den Alltag geredet, wer einkaufen geht, solche Sachen. Das war krass unterschiedlich von damals, wo jedes Gespräch irgendwie zählte, weil wir bewusst Zeit dafür freigeschaufelt hatten. Irgendwann dann — kann sein das war Monat vier, fünf — hab ich gemerkt, dass gerade weil der Rahmen so normal war, plötzlich auch wieder tiefere Sachen kamen, ohne dass wir dafür eine Agenda brauchten. Aber kann gut sein, dass ihr das heute ganz anders erlebt, vielleicht habt ihr bessere Strategien dafür.

    Nora Gut, dass du das fragst – ich komm da tatsächlich gar nicht aus einer Handwerksfamilie, aber ich hab das in meinem früheren Job bei nem Mittelständler direkt vor der Nase gehabt. Anfang 2000er, wir haben Maschinen vertrieben, und unsere Servicetechniker wurden zur Mangelware. Mein Chef hat damals überall rekrutiert, weil einfach kaum einer die dreijährige Ausbildung machen wollte – zu unsexy, zu wenig Geld, alle wollten ins Büro oder zum Studieren. Wir haben dann Leute eingestellt, die null Affinität dazu hatten, und das wurde zum Desaster. Was ich damit sagen will: Das Problem ist nicht neu, aber es hat sich halt in den letzten 20 Jahren eher verschärft statt entspannt. Bei der Apothekerin von deinem Bekannten ist es ja ähnlich – es geht nicht nur darum, dass weniger Menschen da sind, sondern dass die dann auch noch alle in die Städte gehen. Das ist für Land-Infrastruktur natürlich ein anderes Kaliber als damals, wo es wenigstens noch mehr Fläche gab. Aber kann gut sein, dass ihr das heute ganz anders erlebt, weil die Digitalisierung vielleicht auch Lösungen bringt, die wir damals gar nicht kannten.

    Anna Naja, also das Problem sehe ich eher andersrum — nicht dass Politiker überall mitreden, sondern dass die klassischen politischen Kanäle irgendwie... ausgehöhlt sind? Mitte der 90er war ich bei ner Kampagne im Vorstand, und damals war klar: du sprichst im Rathaus, in der Zeitung, fertig. Heute ist das Vertrauen in diese Räume so zerrüttet, dass Politiker logischerweise dahin gehen, wo die Leute noch zuhören — halt zu Fußballern oder Musikern, weil die haben noch n gewisses Standing. Das ist weniger parasitär als es wirkt, eher ein Symptom dafür, dass die normale demokratische Diskussion nicht mehr funktioniert. Das heißt nicht, dass es gut ist — kann mega ablenkend sein und vermischt Sachen, die getrennt bleiben sollten — aber "warum machen die das" zu fragen ist vielleicht die bessere Frage als "darf das sein". Deine Paranoia, ehrlich gesagt, find ich nicht unberechtigt, aber vielleicht hilft's, sich zu fragen: würde es so weit kommen, wenn wir uns in regulären Debatten noch ernst nehmen würden? aber kann gut sein, dass ihr das heute ganz anders seht.

    Anna Naja, aber das "erfunden" ist vielleicht zu hart gesagt — oder anders gesagt: es ist genauso erfunden wie vieles andere, das uns hilft, den Tag zu strukturieren. Ich erinnere mich, dass meine Mutter in den 90ern jeden Morgen ihre Horoskope in der Brigitte gelesen hat, und mein Vater hat das immer weggelacht. Aber ehrlich? Sie hat sich damit hingesetzt, hatte ihre fünf Minuten Ruhe, bevor der Tag losging — und ob da jetzt astrologische Wahrheit drin steckte oder nicht, war völlig egal. Die Struktur, das Ritual, die kleine Geschichte, die dir sagt "okay, heute könnte es so laufen" — das ist psychologisch nicht weniger real als die Tatsache, dass es Unsinn ist. Du hast völlig recht, dass wir die Narrative selbst zusammenbauen, aber vielleicht ist das der Deal: Wir wissen, dass wir das tun, und trotzdem funktioniert's. Oder gerade deswegen. Aber kann gut sein, dass ihr das heute ganz anders seht, wenn ihr merkt, dass euch die ganze Bestätigungsbias-Spirale eh schon genug im Nacken sitzt.

    Naja, eigentlich müsste ich ja sagen, dass es heute viel mehr Optionen gibt als früher – und das stimmt auch. Aber irgendwie bin ich neulich in der Bahn gesessen und hab bemerkt, dass ich genau so viel Zeit im Stau oder auf Verspätungen verschwende wie vor 20 Jahren, nur anders. Damals war es einfach: Auto oder Bahn, Punkt. Heute scheint es komplizierter zu sein, obwohl es eigentlich flexibler sein sollte. Mich würde echt interessieren, wie ihr das handhabt – fahrt ihr noch regelmäßig ins Büro, arbeitet ihr daheim, oder is das alles gemischter geworden bei euch? Und nervt euch die Mobilität genauso wie mir, oder bin ich einfach nur ungeduldig geworden?

    Samix Ja, genau das – dieses "Beschäftigung für die Ohren"-Ding ist mir auch lange so gegangen. 😄 Ich hab dann irgendwann gemerkt, dass ich mir von ner ganzen Folge nur noch 2-3 Brocken merke, und das hat mich anfangs frustriert, bis ich kapiert habe: Das ist total okay. Bei mir war's ähnlich wie bei dir – ich bin dann auch dazu übergegangen, deutlich weniger zu hören, dafür aber bewusster. Damals mit den Radiosendungen war das irgendwie anders, da konnte man ja nicht einfach "rausnehmen, was hängenbleibt", aber dieses Gefühl, alles aufnehmen zu müssen, war auch schon da. Deine 60%-Regel ist mMn viel ehrlicher als das ganze "ich muss jede Minute ausquetschen"-Denken – und meiner Erfahrung nach behält man sich die 60% auch besser, weil man entspannter drangeht. Kann natürlich sein, dass andere da einen ganz anderen Workflow haben und das einfach besser hinkriegen. 🤷

    Haha, ja — bei mir war's ähnlich, irgendwann Anfang der 2000er merkte ich, dass ich mehr Spaß am Joggen hatte, wenn ich nicht ständig auf die Pulsuhr schaute. Das Ding war ja auch nur dafür da, um mir zu sagen, dass ich nicht hart genug bin 😄 Aber ehrlich: ich rutsche immer wieder rein, kurz, dann merke ich's wieder und... naja, ist ein bisschen wie Pendel, nicht wie ein echtes Loslassen.