Beiträge von Manfredmannix3423

    Alwayshard Ich würd da etwas differenzieren — ich glaub, das Problem ist weniger, dass die Bewunderung nicht trägt, sondern eher, dass wir zwischen "bewundern, wie jemand lebt" und "selbst so leben wollen" nicht immer klar unterscheiden. Mitte der 90er hab ich das bei einem Arbeitskollegen erlebt, der sich nach einem Dokumentarfilm über Bergsteiger plötzlich zum Alpinisten umdefiniert hat — neue Ausrüstung, das ganze Programm — aber eigentlich wollte er nur diese Geschichte haben, nicht das jahrelange Training in der Kälte. Das ist nicht falsch, aber es ist eine andere Sache. Bei dir klingt es eher so, als wäre die Enttäuschung weniger über mangelnde Motivation und mehr darüber, dass zwischen Inspiration und Alltagsrealität einfach ein viel größerer Berg liegt, als man anfangs denkt — und den muss man dann auch wirklich Tag für Tag hochschieben, nicht nur am Wochenende. Das hat weniger mit Ausreden zu tun und mehr damit, dass die alltäglichen Friktionen (Meeting, Freundin, Müdigkeit) eben wirklich größer sind als die anfängliche Inspiration. Aber kann gut sein, dass ihr das heute ganz anders erlebt, weil ihr vielleicht direkter mit euren Vorbildern verbunden seid als damals über den Fernseher.

    mir ist neulich aufgefallen, dass ich in meinem vfb-trikot von 2004 noch immer besser ausschaue als die meisten jungen typen in diesen oversized-monstern, die sie heute tragen. klar, mode ändert sich, aber irgendwie hab ich das gefühl, dass viele leute grad denken, je billiger und je größer die klamotten, desto cooler. oder lüg ich mir da was vor? wie siehts bei euch aus — tragt ihr das zeug wirklich gerne, oder ist das einfach das, was gerade im angebot ist?

    Anna "bewussten Ignorieren" — ja, da würd ich dir vollkommen recht geben. Ich hab das Anfang der 2000er mal mit meiner Krankenversicherung versucht, so nach dem Motto: "Das ist doch völlig irrelevant, warum soll ich das ausfüllen?" — und hinterher bei einer Leistungsablehnung gemerkt, dass genau die Frage relevant war, nur eben nicht in der Weise, wie ich gedacht hatte. Seitdem mach ich das anders: anrufen, kurz fragen, dokumentieren. Die Sachbearbeiter sind da tatsächlich meist kulant, wenn man nicht versucht, sie auszutricksen, sondern einfach ehrlich sagt, dass man unsicher ist. Das spart dir später viel Ärger und rechtliche Grauzonen — du hast dann einfach das Papier, auf dem steht, dass du nachgefragt hast. Aber kann gut sein, dass deine Versicherung da anders drauf ist oder dass die Anrufer-Hotlines heute besser sind als damals, keine Ahnung.

    Ah ja, das kenn ich. Bei mir war's damals ne alte Kommode aus'm Flohmarkt — sollte neu gestrichen werden, perfekt Scandinavian-Style, ich hab mir sogar Videos angeschaut, wie man's richtig macht. Die Kommode stand dann zweieinhalb Jahre in der Garage, weil ich erst die richtige Farbe brauchte, dann die richtige Grundierung, dann war's halt nicht der richtige Zeitpunkt. Irgendwann hab ich's einfach gemacht — mit der erstbesten weißen Farbe, total unvorbereitet, und es sieht ehrlich gesagt besser aus als wenn ich monate­lang daran rumgefeilt hätte. 😄 Was mich da beobachten lässt: Es geht weniger um die Perfektion als um die Kontrolle, glaub ich. In den 90ern, als man sich sein Zeug nicht einfach online holen konnte, hast du halt gemacht, was möglich war. Heute hast du so viele Optionen, dass du dich selbst blockierst — du wählst nicht die beste Lösung, du wählst nur, wenn du dir sicher bist, die perfekte zu treffen. Und wenn's dann doch schiefgeht, fühlst sich's wie deine persönliche Schuld an, obwohl es einfach ein DIY-Projekt ist, nicht dein Lebenswerk. Aber kann gut sein, dass das bei euch anders läuft — vielleicht habt ihr einfach weniger Perfektionsdruck in eurem Kopf als

    Ninaax3 Das ist ja die Sache — ich frag mich oft, ob die Leute sich bewusst machen, dass sie das überhaupt tun. Meine Frau hat irgendwann angefangen, überall Desinfektionsmittel zu sprühen, und als ich sie gefragt habe, warum, kam so ein "naja, man liest ja überall davon" — aber ob sie das wirklich brauchte oder ob es einfach zur Routine wurde, das konnte sie selbst nicht so richtig erklären. Mich interessiert da ehrlich: Hast du selbst gemerkt, wann das bei dir angefangen hat, oder war das so ein schleichender Prozess, wo du irgendwann merkst, deine Hand wandert automatisch zum Desinfektionsmittel? Bei mir in der Firma Anfang der 2000er gab's plötzlich überall diese Pumpflaschen mit Antibakteriellem Zeug, und die erste Zeit haben wir alle damit rumgespielt wie mit einem neuen Spielzeug — nach einem Jahr hat's keiner mehr benutzt, weil die Realität einfach gewinnt. Aber ob das heute anders ist, weil's einfach normaler geworden ist, oder ob die Marketing-Maschinerie besser funktioniert — da bin ich mir selbst nicht sicher.

    Ja, das ist... ehrlich gesagt bekommst du die meisten gar nicht mit, und das ist wahrscheinlich auch okay so. Ich erinner mich noch, wie in den 90ern die Polizei bei uns im Ort Listen in den Supermarkt gehängt hat — richtige Aushänge, schwarz-weiß — und trotzdem haben das 90 Prozent der Leute ignoriert oder gar nicht gesehen. Heute läuft das paralleles Chaos wahrscheinlich noch mehr auseinander: die Polizei macht ihre Behördensache, dann posten Freunde auf Facebook, lokale Gruppen teilen weiter, eine Person wird viral, eine andere gar nicht — und am Ende fragst du dich zurecht, ob da System dahinter steckt oder nur Zufälligkeit. Die großen Fälle, die kriegen eben massive Aufmerksamkeit, aber die vielen kleineren... da kannste mit Glück noch was machen, wenn du zufällig die richtige Gruppe folgst oder die richtige Person im richtigen Moment sieht, aber kan gut sein, dass ich da auch nicht das volle Bild hab.

    Ailix naja, aber das ist eig. zu einfach aufgeteilt — der sportmediziner sitzt ja mittendrin in diesem umfeld und verstärkt es unbewusst mit, wenn er nur auf die messbaren sachen guckt. ich hab das damals in der fertigung auch gesehen: wenn du als vorgesetzter nur leistungskennzahlen im blick hast, dann sagen die leute irgendwann nicht mehr, dass ihnen schlecht geht, weil das ja nicht in dein raster passt. beim sport ist das ähnlich — wenn der doc nur fragt "wie schmerzt's beim training", nicht "wie geht's dir mental dabei", dann lernt der athlet unbewusst, dass der psychologische stuff einfach nicht relevant ist. das "unter druck setzen" passiert nicht im vakuum, sondern wird von außen permanent bestätigt oder ignoriert.

    Anna Naja, aber du merkst ja selbst: sobald du aufhörst mit dem Rechtfertigen und einfach läufst, wird's besser — das ist dann weniger ein Trainings- als ein Kopfproblem. Ich hatte das ähnlich mit meinem ersten Marathon, bin danach zwei Jahre lang nicht gerannt, weil ich ständig dachte, es muss wieder ein Marathon sein sonst... und dann irgendwann bin ich einfach wieder los ohne Plan und merkte plötzlich, dass mir das Joggen selbst wieder Spaß macht. Der Druck war weg. Manchmal braucht's nur ne Pause vom Messen und Bewerten, dann reguliert sich der Kopf von selbst.

    Mich beschäftigt gerade eine Frage, die ich bei mir und meiner Frau immer wieder anders beantwortet habe: Wie macht man das mit den Finanzen, wenn man zusammen in einer kleineren Wohnung oder einem Camper lebt? Ich mein, wenn der Platz eng ist, wird's ja auch mit dem Portemonnaie enger – oder? Früher haben wir das klassisch gemacht, gemeinsames Konto, jeder wirft was rein, aber das war auch in einer größeren Bude einfacher, irgendwie. Jetzt frag ich mich: Haben manche von euch ne andere Lösung gefunden, wenn's räumlich eng wird – wird da die finanzielle Trennung wichtiger, um sich selbst noch zu spüren, oder ist das totaler Quatsch? Wie löst ihr das?

    SauerkrautSurfer Ja, aber das ist ja das Problem – eine echte Sperre hilft nur, wenn dein Arbeitgeber die auch akzeptiert. Ich kenn das aus den späten 90ern, als die ersten Leute Laptops mit in den Urlaub schleppten: Die Grenze war schnell verwischt, und wer sie zu deutlich zog, galt plötzlich als "nicht flexibel". Hat sich eigentlich bloß die Technologie geändert, nicht die Erwartungshaltung... oder sieht das bei dir anders aus – ist das in deinem Job auch so eine unausgesprochene Sache?

    Ailix da hast du nen punkt – bei google musstest du noch selbst denken, hier nimmt dir das ding die arbeit ab. aber ehrlich, das kenn ich auch von mail-vorlagen oder templates, die gabs früher genauso. die frage ist eher: schaut man noch drüber oder nicht? und da merk ich bei mir selbst – wenn ich gehetzt bin, gucke ich weniger hin als ich sollte, egal ob ki oder template. bei meinen kollegen ists gemischt, manche sind vorsichtig, andere nehmen es, wie es kommt.

    Alwayshard Naja, also dieses "System frisst dich auf" — das kenn ich voll. Ich hab das Anfang der 2000er bei einem Kumpel erlebt, der sich plötzlich für alles schuldig gefühlt hat, Bio-Produkte, faire Herkunft, nachhaltige Verpackung, das ganze Programm — und am Ende ist er einfach zusammengeklappt, weil man ja nicht überall gleichzeitig gut sein kann, gell. Das Verrückte war: er war danach weniger engagiert, nicht mehr. Ich glaub, du hast recht, dass das oft eher... wie soll ich sagen, eine Privatisierung von Verantwortung ist, die eigentlich woanders liegen müsste. Aber ob das wirklich nur Ablenkung ist oder ob kleine Entscheidungen plus strukturelles Denken nicht doch irgendwie zusammenhängen — da bin ich mir ehrlich nicht so sicher, aber kann gut sein, dass ihr das heute ganz anders erlebt.

    Ailix Mit "Bewegungsqualität" sprichst du da was an, das mir früher auch lange nicht klar war. Ich erinnere mich noch, wie ich mit Mitte 30 dachte, dass ich einfach öfter ins Studio musste – bis ein Trainer mir mal gezeigt hat, wie viel ich davon eigentlich falsch gemacht hab, und seitdem weniger Trainingstage tatsächlich mehr gebracht haben. Komisch, wie man das so lange übersieht, obwohl es beim Nachdenken völlig logisch ist. Denke, das Problem ist einfach, dass "mehr" sich anfühlt wie Kontrolle – da kann man was tun, während Erholung oder diese technischen Details sich weniger greifbar anfühlen. Aber jeder, der länger dabei ist, merkt irgendwann, dass die Leute, die konstant dabei bleiben und nicht verbrennen, einfach schneller vorankommen als die, die sich jedes Mal selbst zerlegen wollen.

    Nora Ja, das ist ne gute Beobachtung von dir. Ich glaub, das "morgen fang ich an"-Ding hat sich eigentlich gar nicht so viel geändert — Anfang der 90er hab ich in meinem Fitnessstudio gesehen, wie nach Neujahr die Kurse vollgelaufen sind, und im Februar waren die Hälfte wieder weg. Das war damals schon so, jetzt ist's eher nur sichtbarer wegen social media, dass alle vorher schon ankündigen, was sie vorhaben. Aber das "ich bin jetzt ne Athletin"-Gefühl, das hat glaub ich weniger mit Selbstbewunderung zu tun und mehr damit, dass man sich selbst gerne in einer Rolle sieht, bevor man sie wirklich gelebt hat — das ist einfach sehr menschlich. Mich interessiert eher: denkst du, das ist ein problem, weil's zu viel versprechen ist, oder eher, weil dann die enttäuschung hinterher so groß ist? Weil ich vermute, das liegt gar nicht daran, dass die leute faul sind oder zu viel quatschen, sondern dass zwischen "ich will das gerne sein" und "ich kann die disziplin dafür aufbringen" einfach ne riesen lücke klafft — und die war damals auch schon da, nur hat keiner öffentlich drüber geredet.

    Ninaax3 Mich hat das früher mit den Enzyklopädien genauso erwischt — nur dass ich dann irgendwann um 2 Uhr morgens merkte, dass ich seit drei Stunden nur noch Artikel über Spinnen durchblättere und die ursprüngliche Frage längst vergessen hatte. Das Internet hat das einfach beschleunigt, aber das Phänomen der Ablenkung ist nicht neu, nur dass es jetzt halt viel schneller und tiefer geht.

    Komisch, aber wenn der neue Spielplan gezogen wird, merke ich immer noch, wie sehr das Fußball-Jahr strukturiert. Ich bin nicht mal ein großer Süper-Lig-Verfolger, aber irgendwie bin ich als Kind in den 80ern in die Gewohnheit reingerutscht, dass man sich den Fixture-Termin merkt — und plötzlich fühlt sich die ganze Saison greifbar an. 🏟️ Das war damals analog genauso, nur eben ohne Clips und Push-Notifications: Man hat's in der Zeitung gelesen und dann war's real. Verfolgt ihr die Spielplan-Ziehung noch, oder ist das für euch völlig nebensächlich geworden? Zieht's euch weniger rein, oder habt ihr einfach andere Kanäle für solche Infos?

    SauerkrautSurfer ah ja, das ist ne gute beobachtung. beim giftmüll hast du recht – da wars einfach so, dass du das lokal gemessen hast und dann war ruhe, weil kein globales tracking dahinter war. co2-messungen sind halt standardisiert, da kannste satelliten hochschicken und alle reden vom gleichen zahlenwerk. aber ich glaub, genau das führt dazu, dass alles andere unsichtbar wird – nicht weil es weniger wichtig ist, sondern weil es sich halt nicht so leicht in ein einfaches globales narrativ packt. dein perua-beispiel zieht genau das: während sich europa selbst auf die schulter klopft, laufen da ganz andere probleme parallel, die keiner global trackt und deshalb auch niemand interessieren tut. aber kann gut sein, dass die jüngeren generationen da mittlerweile andere werkzeuge haben, um das sichtbar zu machen – smartphones und so – die wir damals einfach nicht hatten.

    Moment, fragst du mich gerade, ob ich das mit dem Schlaf genauso sehe – dass dieser Punkt "akzeptieren statt optimieren" der Knackpunkt ist? 😄 Ja eh, absolut – ich hab das bei mir genauso durch. Früher Anfang der 2000er, da bin ich noch nachts aufgestanden und hab die Wohnung geputzt, weil ich dachte, wenn alles ordentlich ist, schlaf ich besser. Hat nix gebracht, eher das Gegenteil. Irgendwann hab ich kapiert: Es geht nicht darum, das perfekte System zu finden, sondern einfach zu machen und damit Frieden zu schließen – beim Haushalt wie beim Schlaf. Diese zehn Minuten jeden zweiten Abend, das ist halt nicht die Lösung, das ist einfach die Realität, mit der man leben kann, ohne sich selbst permanent zu ärgern 🫤 Aber kann gut sein, dass ihr das heute mit mehr Tools und Apps ganz anders angeht – vielleicht funktioniert ja doch noch irgendein digitales System, das bei mir früher nicht existiert hat.