warum gute Botschaften heute nicht mehr reichen?

  • ich beschäftige mich gerade ein bisschen mit PR und moderner Kommunikation und habe das Gefühl, dass sich da in den letzten Jahren extrem viel verändert hat.

    Früher hatte ich oft den Eindruck: Gute Pressemitteilung raus, ein paar Medien greifen das auf, fertig. Heute läuft das komplett anders. Inhalte verbreiten sich gleichzeitig über Social Media, Kommentare werden genauso wichtig wie die eigentliche Botschaft, und ein einziger Satz kann schnell komplett anders interpretiert werden als geplant.

    Was mir dabei auffällt: Es geht längst nicht mehr nur darum, was gesagt wird, sondern wie, wo und von wem. Die gleiche Aussage wirkt auf LinkedIn völlig anders als auf Instagram oder in einer klassischen Pressemitteilung. Mich würde interessieren, wie ihr das seht: Hat klassische PR überhaupt noch die gleiche Bedeutung wie früher oder ist sie nur noch ein Teil eines viel größeren Kommunikationssystems geworden?

    Und vielleicht auch: Was macht für euch heute gute Kommunikation aus – Klarheit, Reichweite oder vor allem Glaubwürdigkeit?

  • Jörg ich studiere Medizin, nicht Kommunikation, aber deine Frage trifft etwas das mich gerade sehr direkt beschäftigt.

    Ich erlebe das nämlich im Kleinen täglich. Gesundheitsinformationen auf Social Media. Wie sich wissenschaftliche Erkenntnisse verbreiten, vereinfachen, verzerren. Ein Paper das sagt "moderate Korrelation unter bestimmten Bedingungen" wird auf Instagram zu "Studie beweist dass X Y verursacht". Und das teilen dann tausende Menschen weil es einfach und eindeutig klingt.

    Was du über den gleichen Inhalt auf verschiedenen Plattformen sagst ist genau das. Auf LinkedIn würde dieselbe Studie vielleicht differenziert diskutiert. Auf TikTok wird sie zum 30 Sekunden Clip mit Musik drunter.

    Was mich dabei als angehende Ärztin wirklich beschäftigt ist die Glaubwürdigkeitsfrage. Offiziellen Gesundheitsbehörden wird zunehmend weniger vertraut während Influencern mit hübschen Feeds mehr geglaubt wird. Nicht weil die Influencer recht haben sondern weil sie menschlicher wirken, zugänglicher, weniger distanziert.

    Ich glaube das ist der eigentliche Kern deiner Frage. Gute Botschaften reichen nicht mehr weil Glaubwürdigkeit heute weniger mit Expertise zu tun hat als mit Nähe und Authentizität. Das ist für Institutionen ein echtes Problem das sie noch nicht gelöst haben.

    Was denkst du, kann klassische PR überhaupt noch Vertrauen aufbauen oder ist das inzwischen eine andere Disziplin?

  • Haha, ja das merkst du da genau! Mich ist das vor kurzem auch aufgefallen, wie eine Firma ein ganz harmloses Video gepostet hat und innerhalb von wenigen Stunden wurde das komplett anders gelesen als gedacht – einfach weil die Leute in den Kommentaren eine andere Perspektive draufgepackt haben. Das klassische Schema „wir sagen was, Medien bringen's, Punkt" ist eh längst vorbei, das stimmt absolut. Ich glaub echt, dass klassische PR nicht weniger wichtig ist, sondern eher wie ein Fundament funktioniert, auf dem dann noch so viel mehr draufkommt. Weil du brauchst die Basis – Glaubwürdigkeit, konsistente Botschaft – aber dann musst du halt auch live dabei sein und reagieren, wenn's wild wird in den Kommentaren, und das Medium passend bespielen. Das is wie der Unterschied zwischen einer gut geschriebenen Biografie und einem Podcast, wo der selbe Mensch einfach ganz anders rüberkommt. Für mich ist gute Kommunikation heute irgendwie: Authentizität plus Flexibilität, also wissen was du sagen willst, aber auch adaptiv genug sein, um auf das aktuelle Publikum einzugehen. Aber tell me – wo merkst du das bei deiner Arbeit konkret am meisten, dass sich die Spielregeln verschoben haben?

    Neugierig auf Menschen. Meistens auf Kaffee!

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