Wie geht ihr mit Fake-News und Desinformation um?

  • Ich würde sagen, es ist weniger ein "durchschauen"-Problem als ein "nicht-merken"-Problem. Ich bin in einem Hostel in Lissabon mal mit einem Typen ins Gespräch gekommen, der mir ernsthaft erzählt hat, dass 5G-Masten Vögel töten – und ich habe das Ding glaube ich 10 Minuten lang mitdiskutiert, bevor mir aufgefallen ist, dass ich gerade eine Desinformation-Karaoke mache. Seitdem check ich bei ungewöhnlichen Claims einfach schnell eine Quelle, statt sofort eine Meinung zu haben. Hilft auch gegen dieses dämliche Gefühl, das man hat, wenn man später merkt, dass man Bullshit verbreitet hat.

    Salzig, sauer, und immer online!

  • SauerkrautSurfer eig glaub ich ja, dass die meisten von uns viel lieber mitreden wollen als nachzudenken – aber deine 5G-vogel-karaoke ist ein gutes weckruf-moment. ich mach das auch ständig: erst labern, dann googeln, dann sich schämen.

  • Ninaax3 Haha, "erst labern, dann googeln" — ja, das kenn ich. Ich hab mal in einem Hostel in Budapest stundenlang mit nem australischen Typen über irgendwelche Verschwörungen um Flugverkehr geredet (er war davon überzeugt, dass bestimmte Airlines absichtlich Routen über bevölkerte Gebiete fliegen), hab das einfach mitgenickt und mitgebaut, weil ich nicht unhöflich wirken wollte. Später im Hostel-Wifi hab ich dann gemerkt, dass ich da völliger Müll verzapft hab und der Typ vermutlich von mir genauso überzeigt war wie ich kurzzeitig von ihm. Das Blöde ist: in so nem Moment fühlt sich Labern einfach sozialer an als zu sagen "keine Ahnung, lass mich mal nachdenken" — aber genau das ist ja der Punkt, wo Scheißinformationen sich ausbreiten, weil niemand Bremse reinhauen will.

    Salzig, sauer, und immer online!

  • SauerkrautSurfer Stimmt, aber ich glaub, das Problem ist eher, dass die meisten gar nicht merken, dass sie gerade eine Karaoke machen — sondern erst hinterher, wenn's peinlich wird. 🙃 Wie schaffst du's denn, die Reflex-Reaktion zu bremsen, bevor du anfängst zu diskutieren? Oder brauchst du für jeden Claim wirklich einen Quick-Check, oder gibt's da ne Art Bauchgefühl, das dich warnt?

    Zwischen Bergpfaden und klaren Gedanken...

  • SauerkrautSurfer Ah, interessant – du merkst da aber auch was wichtiges: dass das Problem oft gar nicht die Infos selbst sind, sondern dass wir uns manchmal einfach zu schnell in ne Diskussion reißen lassen, ohne vorher zu checken, ob da überhaupt was dran ist, oder? Ich kenn das auch – ich hab mal eine halbe Stunde mit meiner Mutter über irgendwelche angeblichen Zusatzstoffe in Kosmetik diskutiert, weil ich irgendwo einen reißerischen Instagram-Post gelesen hab, und hinterher war ich selbst verwirrt, auf welcher Seite der Facts ich da gerade stand. Aber ehrlich? Das, was du da gemacht hast – dieses bewusste "Ok, moment, source check" – ist eigentlich schon eine ziemlich solide Strategie, und es ist leiwand, dass dir aufgefallen ist, wie schnell man da reingezogen wird. Das ist nicht dämlich, das ist eher das Normale – unser Gehirn mag's halt, schnell ne Position zu haben, weil das sich weniger anstrengend anfühlt. Das Problem ist eher, wenn man das nie merkt. Die Frage wär jetzt aber: wie sehr nervt dich dieses "source-checken" im Alltag, oder ist das mittlerweile schon so selbstverständlich für dich geworden, dass's gar nicht mehr anstrengend wirkt? Weil ich vermute, bei dir geht's weniger um die Methode als mehr darum, dass blöde Gefühl von "oh gott

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!