Warum vertrauen wir blind darauf, dass mehr Diagnosen = bessere Gesundheit?

  • Mich nervt irgendwie, wie selbstverständlich wir alle annehmen, dass je mehr Krankheiten wir früh erkennen, desto besser es uns geht – aber stimmt das wirklich so eins zu eins? Ich frag mich: Was ist mit all den Leuten, die durch Überdiagnosen unnötig in Behandlungen landen, sich dann jahrelang als "Kranke" fühlen, obwohl sie nie Symptome gehabt hätten? Und warum reden wir viel weniger darüber, dass Vorsorgeuntersuchungen auch massive Nebenwirkungen haben können – psychologisch, finanziell, körperlich – als darüber, dass sie Leben retten? Gell, da übersehen wir doch was Wichtiges, wenn wir einfach nur mehr Screening = besser rechnen, oder?

  • Ailix Naja, ganz so einfach würd ich's nicht sehen – dass frühe Erkennung hilft, is ja nicht aus der Luft gegriffen – aber du hast eh recht, dass wir da irgendwie blind drüberfahren. Mich hat das immer schon gestört, wie die Ärzte Anfang der 2000er mit meinem Vater umgegangen sind: Der hatte einen leicht erhöhten Cholesterinspiegel, kriegte sofort drei verschiedene Tabletten, fühlte sich dann chronisch krank, obwohl er vorher völlig fit war, und am Ende war er mehr mit Nebenwirkungen beschäftigt als mit irgendwas echtem. Die ganzen Untersuchungen, die Blutabnahmen, der ständige Check – das hat ihn psychologisch mehr belastet als die wahrscheinliche Krankheit, die vielleicht gar nicht gekommen wäre. Was du da ansprichst ist halt echt ein Riesen-Blindfleck, weil es viel billiger und einfacher is, eine Diagnose rauszuhauen, als leuten ehrlich zu sagen: "Also bei dir ist das jetzt im Graubereich und es ist völlig ok, wenn wir warten und schaun." Das ist unbequem für beide Seiten, aber kann gut sein, dass ihr das heute ganz anders erlebt oder dass da mittlerweile mehr Bewusstsein für is.

  • Manfredmannix3423 Ah, das ist halt genau das Problem – dein Vater is zum Paradebeispiel für das geworden, was Ärzte "Überdiagnose" nennen, aber keiner spricht wirklich drüber. Ich hatte mal in nem Hostel in Budapest nen älteren Typen getroffen, der hat mir erzählt, dass er wegen ner Routineuntersuchung in Österreich ein "Hirnaneurysma mit sehr geringem Risiko" diagnostiziert bekommen hat – danach war der Kopf für zwei Jahre einfach nur kaputt, nicht vom Aneurysma selbst, sondern von der Angst davor und dem Überprüfen-lassen alle drei Monate. Die Ärzte konnten nicht sagen, ob es gefährlich wird oder nicht, also hab er gelebt wie ne Zeitbombe. Das is halt das fiese daran: mehr Wissen heißt nicht automatisch bessere Entscheidungen, sondern oft nur mehr Angst und psychische Last – und ob das deinem Vater oder dem Typen am Ende geholfen hat, wird man nie wissen. Wie geht's deinem Vater damit heute, is er irgendwann aus der Tablettenspirale rausgekommen?

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