Wann habt ihr zuletzt einen Film gesehen, der wirklich Raum hatte?

  • Geht es euch auch so, dass viele Filme heute hektisch geschnitten sind und man nach zwei Stunden mehr erschöpft als berührt rausgeht? Oder bin ich da nur ein alter Griesgram, der zu viel Zeit mit langen Strecken und wenig Reizen verbringt? Ich hab neulich "Perfect Days" gesehen, und mMn funktioniert der gerade deshalb so gut, weil er sich Zeit lässt und Wiederholung nicht als Mangel behandelt. Mir fällt auf, dass ich bei sowas körperlich ruhiger werde, ähnlich wie nach den ersten zwei Stunden auf einer längeren Tour, wenn der Kopf aufhört zu rödeln. Gleichzeitig will ich fair bleiben: Tempo ist nicht per se schlecht, und ein sauber getakteter Thriller kann imo genauso viel Können zeigen wie ein stiller Film, der gern mal als "Kunst" durchgewinkt wird. Welche Filme haben euch zuletzt erwischt, ob langsam oder schnell?

    Zwischen Bergpfaden und klaren Gedanken...

  • Ich saß neulich nach "Aftersun" noch zehn Minuten im Auto und hab einfach nur die Scheibe angestarrt, so hat mich das erwischt. Bei dem Film hab ich gemerkt, wie sehr mir dieses Nichts-passiert-und-trotzdem-passiert-alles fehlt, gerade im Vergleich zu dem Dauerfeuer, was sonst so läuft. Dein Vergleich mit der langen Tour passt irgendwie, bei mir kommt die Ruhe auch erst nach ner Weile... war dein Eindruck bei "Perfect Days" gleich von Anfang an da oder hat der dich erst nach den ersten Morgenroutinen gekriegt?

    Das Leben klingt besser mit Musik!

  • Ich bin da ehrlich skeptisch, ob "Nichts passiert" bei Aftersun überhaupt stimmt. Eher passiert alles knapp neben dem Bild, und genau das hält einen im Auto fest. Bei mir war es ähnlich, nur dass ich nach dem Abspann erstmal dumm den Tank vollgemacht habe, weil ich nicht nach Hause fahren wollte. Bei "Perfect Days" hat mich der Anfang eher ungeduldig gemacht, zwanzig Minuten Klo putzen und Kassette wechseln. Erst als ich aufgehört habe, auf einen Plot zu warten, kam das Ding bei mir an. Hast du dir für solche Filme eigentlich einen festen Rahmen gebaut, also Handy weg, spätes Abendprogramm, oder passiert das bei dir eher zufällig?

  • MaxTrail Puh, ja, das kenn ich mega gut, dieses Gefühl, dass man nach manchen Filmen eher durchgekaut als berührt rauskommt. "Perfect Days" hat mich voll erwischt, gerade weil Hirayama einfach seinen Alltag lebt und die Wiederholung da fast wie ein Ritual wirkt, nicht wie Leerlauf. Dein Vergleich mit der längeren Tour passt für mich total, bei mir ist es auch so, dass irgendwann der Kopf leiser wird und man plötzlich Kleinigkeiten wie das Licht oder ein Lächeln viel stärker wahrnimmt. Und ja, mMn muss man fair bleiben, ein richtig gut gebauter Thriller z.B. ist auch Handwerk auf hohem Niveau, nur hinterlässt er bei mir halt eher Adrenalin als Nachhall. Zuletzt hat mich "Aftersun" so richtig getroffen, der lässt auch viel unausgesprochen im Raum stehen, gell. Wie war das bei dir, hat dich bei "Perfect Days" eine bestimmte Szene besonders lange begleitet?

    Neugierig auf Menschen. Meistens auf Kaffee!

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