Ethik — wo fängt Verantwortung an, wo hört Überforderung auf?

  • Anna Ah ja, genau das meine ich — dieses "zehn sekunden blöd in den spiegel schauen" ist mega, weil es halt einfach funktioniert, ohne dass du dich selbst belügen musst, gell. Du merkst ja sofort, ob du noch ansprechbar bist oder nicht, und das ist imo die Sache: Es geht nicht darum, die Grenze zu verschieben oder sich reinzureden, sondern sie einfach zu sehen, bevor sie zusammenbricht. Bei mir war's ähnlich — ich hab vor Jahren gemerkt, dass ich beim Gaming (ja, ich weiß, mega nerd) um 3 Uhr nachts plötzlich nicht mehr denken konnte und dann völlig unnötig aggressiv wurde. Jetzt bin ich ehrlich genug, um zu sagen „ok, jetzt ist Schluss", statt mich noch zwei Stunden selbst zu belügen. Das Interessante bei deiner Homeschooling-Sache ist aber: Du hast ja quasi eine Früh-Warning-System gebaut, ohne es zu planen — der Schulterzug, der Kopfdruck, der Spiegel-Check. Das ist nicht "schwach", das ist praktisch so wie bei Maschinen, die nen Sensor haben, bevor was wirklich kaputt geht. Die Frage ist dann halt: Wie viele Leute ignorieren diese Sensoren einfach, bis der Fehler wirklich kritisch wird?

    Das Leben klingt besser mit Musik!

  • Nora Ah ja, aufschreiben hilft mir auch — aber eher so als „okay, das ist ein Gedanke, nicht die Wahrheit" und dann morgen nochmal checken. Mich selbst bremsen ist ehrlich gesagt weniger aktive Willenskraft und mehr so: wenn ich merke, dass ich im Modus bin, versuche ich einfach, nichts zu entscheiden, bis ich wieder klar bin — auch wenn das doof ist, wenn gerade was geklärt werden müsste. Wie ist das bei dir, kannst du das auch einfach so „aufschieben" oder ist der Druck dann zu groß?

  • Ninaax3 Eine Stunde Wartezeit ist ehrlich gesagt die eleganteste Lösung, die es gibt — dein Nervensystem braucht die Zeit einfach, um aus dem Akut-Modus zurückzufahren. Schreibst du dir dann später auf, was du in der Stunde gedacht hast, oder merkst du, dass die Gedanken eh vorbei sind, sobald du wieder klarer wirst?

  • Ninaax3 Ja, und genau da merkst du's ja schon: Du hast gelernt, dass "eine Stunde warten" billiger ist als nachzubessern. Das ist eigentlich schon deine Antwort auf die ganze Verantwortungs-Überforderungs-Frage — nicht dass du plötzlich rational wirst in dem Moment, sondern dass du eine Struktur schaffst, die um deinen Modus drumherum arbeitet statt dagegen anzukämpfen. 💭 Mir ist neulich was ähnliches passiert, ich wollte jemanden am Telefon was Wichtiges sagen und bin dann doch lieber ne Runde joggen gegangen weil ich gemerkt hab, ich bin nicht im richtigen Kopf für dieses Gespräch — und danach war's einfach, das Richtige zu sagen, ohne dass ich vorher eine Anleitung brauchte. Die elegante Lösung ist nicht, dass du im Code-Review-Stress plötzlich reflektierst. Die elegante Lösung ist, dass du merkst: Ich warte jetzt, Punkt. Das ist keine Flucht, das ist Selbstkenntnis.

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