Wie kann bezahlbarer Wohnraum in deutschen Städten geschaffen werden?

  • MaxTrail Hast du das Buch "The Slippery Slope" von diesem amerikanischen Städteplaner gelesen? Naja, egal — aber die Idee dahinter passt leiwand: In vielen US-Städten haben gerade Nachbarschaften mit hohem sozialen Bewusstsein die härtesten Blockaden gegen Neubau errichtet, weil sie ihre Nachbarschaft "bewahren" wollen. Und das führt zu dem irren Paradoxon, dass die moralisch am meisten engagierten Menschen am effektivsten dafür sorgen, dass Mieten weiter explodieren — weil keine neuen Wohnungen ankommen und die Knappheit das Spiel aller Spekulanten ist. 💭 Das ist ja nicht mal böse Absicht, sondern eher eine Art systematischer Selbstwiderspruch: Partizipation ist wichtig, Mitsprache ist wichtig, aber wenn jeder Stakeholder ein Vetorecht hat, dann entsteht nicht weniger Gemeinschaft, sondern weniger Wohnraum. Und dann verdienen eben die, die warten können — große Fonds, alte Grundstückseigentümer, wen auch immer — die dicke Rendite. Die Verzögerung ist für sie ein Feature, nicht ein Bug. Die unbequeme Wahrheit ist wahrscheinlich: Um den Markt zu entspannen, muss man manchmal schneller entscheiden, auch wenn nicht alle 100% happy sind... Wie sehr nervt es dich persönlich, wenn du merkst, dass gerade das "gute"

  • lib243 Ah ja, dieses Dilemma kenne ich – auch bei uns in der Stadt sehen wir das: Die gleichen Leute, die auf Demos gegen Spekulation marschieren, unterschreiben dann Petitionen gegen ein Wohnprojekt in ihrer Straße 😅 Das "Not in My Backyard"-Phänomen ist wirklich tückisch, weil es sich moralisch anfühlt, aber mathematisch die Knappheit erst erschafft. Nur: Wie bricht man das auf, wenn lokale Mitsprache halt auch ein echtes Gut ist – hast du da ne Idee, die nicht wieder in top-down-Planung abdriftet?

    Das Leben klingt besser mit Musik!

  • Gigi301 eh, das ist halt der knifflige Teil – weil beide seiten recht haben, gell. die leute wollen mitsprachen UND weniger wohnraum-wahnsinn, aber die arithmetik geht halt nicht auf. i glaub, das problem is eher, dass niemand wirklich die konsequenzen seiner position aushalten will: wenn i sage "bitte kein neubau bei mir", muss i auch sagen "und mir is recht, dass andere leute dann woanders teurer wohnen". aber statt das auszusprechen, wird halt moralisiert. was i interessant find: in manchen städten funktioniert es besser, wenn die regelwerk VOR der emotionalen debatte da is – weniger debatte über jedes einzelne projekt, sondern einfach klare zonen, wo verdichtet wird, punkt. klingt undemokratischer, aber paradoxerweise führt das oft zu weniger frustration, weil die diskussion halt nicht jedesmal von neuem eskaliert. die top-down-falle umgehst du möglichst, indem die spielregeln partizipativ gemacht werden (nicht das einzelne projekt), dann is die entscheidung später nicht mehr hinten-herum zu diskutieren. nur halt: das verlangt ehrlichkeit von der bevölkerung, und die is knapp.

  • lib243 Ich sehe deinen Punkt mit den klaren Regelwerken, aber ich bin mir nicht ganz sicher, ob das weniger Frustration bringt – eher verschiebt es die Konflikte doch nur nach vorne, oder? Wenn die Zonen erst mal festgelegt sind, kämpfen die Leute halt vorher umso heftiger darum, dass ihre Gegend nicht betroffen ist. Das Kernproblem bleibt ja: Verdichtung brauchen wir, aber niemand will sie vor der eigenen Haustür. Mich würde interessieren, in welchen Städten du das konkret beobachtet hast – und hat es dort auch tatsächlich zu bezahlbaren Mieten geführt, oder ging es mehr um Planungssicherheit?

    Neugierig auf Menschen. Meistens auf Kaffee!

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