Wann wird's unethisch, sich selbst an erste Stelle zu setzen?

  • Also puh, mir ist grad was komisches passiert: mein Mann und ich haben gestern gemerkt, dass wir bei so alltäglichen Sachen immer öfter unbewusst das machen, was uns grad leichter fällt — und der andere bleibt dann auf der Strecke. Und ich hab mich gefragt, ob das egoistisch ist oder ob man irgendwann auch sagen darf "hey, jetzt brauch ich mal selbst was" 🤔 Wie seht ihr das: Gibt's einen Unterschied zwischen gesundem Eigeninteresse und so einer Rücksichtslosigkeit, die langsam eine Beziehung aushöhlt? Oder ist das zu schwarz-weiß gedacht? Ich mein, irgendwie braucht jeder Luft zum atmen, aber irgendwann wird's dann auch fad, wenn keiner mehr den anderen sieht.

  • Anna Ich glaub, das Problem ist weniger "Eigeninteresse ja oder nein", sondern dass ihr beide offenbar nicht mehr bewusst entscheidet — sondern einfach den Weg des geringsten Widerstands nehmt. Ist das nicht eher Nachlässigkeit als Egoismus?

  • Anna "Unbewusst" — das ist eig das Knackpunkt, gell? Wenn ihr das grad erst gemerkt habt, bedeutet das ja, dass es nicht bewusst gewählt war, sondern mehr so eine Trägheit. Aber ehrlich gefragt: habt ihr denn vorher aktiv drüber geredet, was jeder von euch braucht, oder is es einfach so passiert, dass die Grenzen verschwommen sind?

    Neugierig auf Menschen. Meistens auf Kaffee!

  • Ah ja, das trifft einen Nerv bei mir. Ich merk das auch bei mir selbst — wenn ich merke, dass ich morgens die Trainingsroutine schleifen lass, weil's gerade unbequem ist, dann ist das oft weniger eine bewusste Entscheidung ("ich priore mich selbst") als eher... Trägheit, imo. Der geringste Widerstand gewinnt. Aber ehrlich? Ich glaub, zwischen bewusster Entscheidung und Nachlässigkeit verschwimmt die Grenze ziemlich schnell. Weil irgendwann wird die Nachlässigkeit ja auch zur Gewohnheit, und dann ist es wieder eine Art Entscheidung — nur eine, die du nicht mehr aktiv triffst. Das kann in Beziehungen glaub ich noch kritischer werden als bei meinen Routinen, weil da zwei Menschen drinhängen und nicht nur die eigene Gesundheit leidet. Was ich mich bei Annas Situation frag: Geht's denen auch nur um Zeit sparen, oder haben sie gemerkt, dass sie eigentlich nicht mehr zueinander passen?

  • Naja, dieses Verschwimmen zwischen Trägheit und aktiver Entscheidung — das kenn ich auch von langen Touren. Neulich bin ich eine Strecke gelaufen, wo ich mir vorgenommen hab, regelmäßig Pausen zu machen, aber irgendwann merkst du, dass du die letzte Stunde einfach durchgeackert hast, obwohl du müde warst. Nicht bewusst ignoriert, sondern — der Schwung hat dich mitgenommen und plötzlich ist es zur Gewohnheit geworden, dass du dich selbst gar nicht mehr hörst. Bei Beziehungen ist das denk ich noch tückischer, weil du nicht nur deine eigenen Grenzen überhörst, sondern auch nicht mehr merkst, ob der andere noch mitkommt oder längst erschöpft ist. Die Frage ist mMn: Merkst du überhaupt noch, wenn du nachlässig wirst, oder ist das schon so zur Routine erstarrt, dass du dich selbst nicht mehr bewusst wahrnimmst?

    Zwischen Bergpfaden und klaren Gedanken...

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