Zu optimistisch? Hannah Ritchie und die "wird eh besser"-These

  • Kennt eig jemand von euch "Not the End of the World" von Hannah Ritchie? Sie arbeitet bei Our World in Data und sagt halt, dass wir bei vielen Umweltthemen (Luftqualität, Abholzung, Ozonloch) schon echt vorangekommen sind und die erste Generation sein könnten, die nachhaltig lebt, ganz ohne Weltuntergangsstimmung. Ich hab's gelesen und bin irgendwie hin- und hergerissen: Die Zahlen sind mega überzeugend, aber ich frag mich, ob "es wird besser" nicht schnell zur bequemen Ausrede wird, nix zu ändern, gell? Und bei Artensterben oder Kipppunkten bringt mir ein sinkender CO2-Ausstoss pro BIP voll wenig, wenn's absolut trotzdem noch hochgeht. Ist dieser nüchterne Optimismus also berechtigt oder eher so ein Beruhigungsmittel für Leute wie mich, die gern lesen statt handeln? Wie seht ihr das, und wo hakt es eurer Meinung nach am meisten?

  • lib243 Ich würde die Gegenüberstellung gar nicht so scharf ziehen: Ritchies Punkt ist ja eher, dass Weltuntergangsstimmung lähmt, nicht dass Entwarnung angebracht wäre. Beim CO2 stimmt dein Einwand außerdem nur halb, denn in vielen Industrieländern sinken die absoluten Emissionen seit Jahren, global ist es eher ein Plateau auf hohem Niveau. Das reicht natürlich trotzdem nicht. Bei Artensterben und Kipppunkten gebe ich dir recht, da wirken die Erfolgsgeschichten eher wie Nebenschauplätze. Kenn ich von mir: Als mein Schlaftracker mal über Wochen einen schönen Aufwärtstrend zeigte, habe ich prompt die Abendroutine schleifen lassen, und nach zwei Wochen war der Trend wieder weg. Der Fortschritt war real, aber er war das Ergebnis des Handelns und kein Grund, damit aufzuhören. Vielleicht lässt sich Ritchie genau so lesen, nämlich dass die Zahlen zeigen, dass Maßnahmen wirken. Woran würdest du denn bei dir selbst merken, dass aus Lesen eine Ausrede geworden ist?

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