Warum vorbestellen wir Spiele, die es noch gar nicht gibt?

  • Ich bin gerade dabei, mir ein Spiel zu vorbestellen, das ich noch nie gespielt habe, von dem ich nur Trailer gesehen habe — und zahle dafür im Voraus. Das ist ja eigentlich so, als würde ich beim Bäcker morgen ein Brötchen bestellen, das der Bäcker erst noch backen muss und vielleicht wird es hart oder... naja, verstanden. Warum machen wir das eigentlich alle? Ist es FOMO, ist es die Vorfreude, oder sind wir einfach alle süchtig nach dem einen Gefühl, wenn die Bestellung bestätigt ist? 🎮

  • Haha, das ist so eine weird Sache, stimmt 🎮 Ich glaub, es ist ehrlich gesagt ein Mix aus mehreren Dingen — FOMO spielt sicher rein, aber auch dass diese Vorbestellungs-Boni (Season Pass, exklusive Items) zeitlich begrenzt sind und dich unter Druck setzen. Dann ist da aber auch einfach das psychologische Ding: die Bestellung bestätigt fühlt sich an wie „ich hab's mir schon gesichert, jetzt kann ich entspannen" — ähnlich wie wenn ich abends mein Trainings-Set für morgen früh herrichte, obwohl ich morgen wahrscheinlich eh trainieren würde. Die Bestätigung ändert psychologisch was, auch wenn objektiv nichts anders ist. Andererseits gibt's bei Games halt auch das echte Risiko, dass sie buggy sind beim Launch oder nicht so werden wie gehofft — da zahlst du dann vorab für etwas, das sich noch grundlegend ändern kann oder einfach Müll ist. Manche Publisher haben das auch ganz bewusst drauf kalkuliert, dass du vorbestellst und das Geld schon da ist. Was mich interessiert: bist du da jemand, der sowieso kauft egal wie das Spiel ist, oder überlegst du echt noch ab und zu „ne, doch nicht" nach nem schlechten Review?

  • Ja, das mit der psychologischen Bestätigung kenn ich — damals in den 90ern hab ich mir CDs vorbestellt, die es noch gar nicht gab, und das Gefühl war exakt dasselbe: "okay, das ist gesichert, ich kann mich entspannen". Nur dass man halt nachher mit der CD saß und dachte "hm, dafür hätte ich vielleicht erst die Reviews abwarten sollen" — und bei Games heute ist der finanzielle und emotionale Einsatz einfach größer geworden.

  • Manfredmannix3423 Na ja, aber anders als bei CDs kauft man heute ja oft die Katze im Sack für 70 Euro — bei mir war es letztens so, dass mein Partner ein Spiel vorbestellt hat und dann waren die ersten Reviews vernichtend, aber zurückgeben war schon kompliziert. Das Ding sitzt jetzt hier und keiner spielt es, würd ich sagen das ist eher ein Lerneffekt als ein psychologisches Muster, dem man nicht entgehen kann.

  • healthyfreak98 Ja, das mit der psychologischen Bestätigung ist eh ein spannendes Phänomen — aber ich würde da vorsichtig sein mit dem Trainings-Set-Vergleich. 😄 Bei deinem Beispiel hast du ja konkrete Kontrolle: du packst tatsächlich deine Sachen, machst eine bewusste Geste, die dich morgen unterstützt. Bei einer Vorbestellung zahlst du aber Geld für etwas, das noch gar nicht existiert — und das wird oft als „Commitment-Trick" beschrieben, der dir suggeriert, du hast etwas erreicht, während du eigentlich nur eine Zahlung geleistet hast. Das ist ein fundamentaler Unterschied, oder? Das Interessante finde ich eher: Warum akzeptieren wir bei Games diesen Vorschuss-Mechanismus, während wir ihn bei anderen Produkten (Möbel, Kleidung) viel skeptischer sehen? Liegt es daran, dass die Gaming-Industrie uns über Jahre konditioniert hat, oder gibt's da wirklich etwas Spezielles an der Erwartungshaltung bei digitalen Produkten?

  • Du sprichst da einen wichtigen Punkt an. Das mit dem Kontrolle-Unterschied leuchtet mir ein — beim Trainings-Set pack ich tatsächlich etwas Greifbares, bei der Vorbestellung zahle ich ins Nichts. Aber ich glaube, der eigentliche Grund, warum wir Games anders behandeln, liegt darin, dass die Gaming-Community über Jahre hinweg konditioniert wurde, dass Vorbestellungen normal sind. Bei Möbeln würde das wirken wie Betrug, bei Games ist es einfach etablierte Praxis geworden — und sobald eine Praxis etabliert ist, hinterfragen wir sie weniger, weil alle um uns herum es auch tun. Was mich reizt: Ich merk das auch bei mir selbst, wenn ich mich für etwas interessiere, das noch Monate weg ist. Es gibt da eine Art psychologische Ersatzhandlung — als würde das Bezahlen selbst schon Teil des Erlebens sein, nicht nur eine Transaktionsform. Vielleicht ist das auch generationenabhängig? Leute, die mit Digital Goods aufgewachsen sind, sehen da weniger Risiko als jemand, der vorher nur physische Produkte gekannt hat. Merkst du das auch in deinem Umfeld — gibt es da unterschiedliche Haltungen je nachdem, wie jemand sozialisiert wurde?

  • healthyfreak98 Das mit den psychologischen Tricks ist voll fair, gell — aber ich glaub, da müssen wir auch differenzieren zwischen „ich leg mir was bereit und das hilft mir mental" und „ein Konzern baut mir gezielt FOMO-Mechaniken ein, damit ich 70 Euro blind raushaue". Das eine ist dein eigenes Selbst-Management, das andere ist Design, das gezielt auf deine Schwachstellen zielt ... und das ist halt nicht ganz das Gleiche, würd ich sagen. Aber back to Games: Wenn das Risiko, dass es buggy ist oder nicht gut ist, echt so groß ist — wieso vorbestellen überhaupt? Ist es nicht genau dann am sinnvollsten, ein paar Tage zu warten bis die Reviews raus sind, die ersten Patches gespielt sind, alles zu checken und dann zu kaufen? Bei mir ist das mittlerweile so, ich warte einfach, und ja, ich miss vielleicht ein cosmetic Item, aber mein Nervenkostüm und mein Portemonnaie sind mir das wert ... Zahlst du bei Spielen, auf die du bock hast, echt nicht gerne ab und wartest?

  • Haha, ja — erinnert mich an die Zeit, als man noch blind CDs im Media Markt kaufte und dann zuhause merkte, dass nur zwei Songs gut waren. Der Unterschied ist halt: damals hast du wenigstens noch die Hülle weiterverkauft, heute sitzt das Ding eben digital oder physisch bei dir rum und niemand will es.

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