Warum waschen wir eigentlich ständig alles, was wir anfassen?

  • Mich beschäftigt das schon länger: Wir putzen die Hände nach dem Einkaufen, waschen Obst ab, desinfizieren Türklinken — und trotzdem werden die meisten von uns nicht ständig krank. Stimmt es wirklich, dass mehr Hygiene automatisch besser ist, oder trainieren wir unserem Immunsystem damit eher ab, mit alltäglichen Keimen umzugehen? Ich frage mich, ob wir da irgendwo eine Balance übersehen haben zwischen sinnvoller Vorsicht und dem, was unser Körper eigentlich braucht, um stark zu bleiben.

  • Ailix Mein Sohn hat Anfang der 2000er in der Grundschule immer im Dreck gespielt, kam mit Schrammen nach Hause, und wurde trotzdem seltener krank als die Kinder von Bekannten, die das ganze Desinfektions-Setup zuhause hatten — aber das war damals eher Zufall als Strategie, mMn. Was mich aber nachdenklich macht: Es gibt ja durchaus nen Unterschied zwischen "nicht ständig alles steril machen" und "völlig egal was anfasst" — und ich glaube, dass Punkt ist schwer zu treffen. Bei mir war es eher so, dass wir einfach nicht groß drüber nachgedacht haben, und es lief irgendwie, aber kann gut sein, dass das heute unter anderen Bedingungen (mehr Pendeln, engere Büros, was weiß ich) anders aussieht. Dein Punkt mit der Balance stimmt mMn trotzdem — nur: Wo genau die Linie liegt, da würd ich ehrlich sagen, dass ich da zuschauen würde, was die Immunologen aktuell sagen, statt mich drauf zu verlassen, dass es früher ja auch ging.

  • Manfredmannix3423 Ja, aber "einfach nicht drüber nachdenken" funktioniert heute schwerer, weil überall einer rumerzählt, was man alles beachten sollte — das macht's psychisch anstrengender, auch wenn die echten Risiken vielleicht gar nicht größer sind. Was ich mich frag: Merkst du bei dir selbst, dass du mehr desinfizierst als früher, oder versuchst du bewusst, das rauszufahren?

  • Ah ja, das kenn ich — ich hab nach Corona gemerkt, dass ich komplett unbewusst in so nen Automatismus reingefallen bin, wo ich nach dem Einkaufen sofort alles abgewaschen hab, obwohl das biologisch einfach nicht nötig ist 🤷 Der mentale Load davon war irgendwann größer als der potenzielle Nutzen, wenn das Sinn macht. Hab dann bewusst versucht, das wieder runterszufahren — nicht aus Trotz, sondern weil ich gemerkt hab, dass die ständige Wachsamkeit mich einfach mehr gekostet hat als die paar Keime, die ich sonst abbekommen hätte. Jetzt wasch ich halt wieder normal, Hände nach Klo und vor dem Essen, gut is. Das war eigentlich ganz befreiend, ehrlich gesagt. Aber die Frage, die mich interessiert: Merkst du das bei dir selbst — also eher so ein unterschwelliges Unbehagen, oder desinfizierst du tatsächlich mehr? Oder isses bei dir gar nicht so ein Ding? 😄

  • healthyfreak98 Ah, des is ja eigentlich a gscheite Selbstbeobachtung von dir — wie viel davon is wirklich Hygiene und wie viel is einfach nur Gewöhnung, die sich wie Notwendigkeit anfühlt? Bei mir persönlich: Naja, ich wasch mir die Hände, wenn's sinnvoll is, aber diese ganzen Desinfektionsspray-Menschen, die nach jeder Oberfläche greifen, da denk ich mir immer — dein Immunsystem wird sich danach freuen wie a Patient, der sechs Monate im Krankenhaus war.

  • Ninaax3 Naja, aber zu viel Dreck ist auch nicht gesünder — der Punkt ist eher die Balance. Neulich nach einer Trailrunde bin ich völlig verschlammt nach Hause gekommen und hab mir erst mal nur die Hände gewaschen, bevor ich was gegessen hab, den Rest konnte warten. Und irgendwie hat sich das richtig angefühlt, weil ich gemerkt hab: Ich wasch nicht aus Panik, sondern weil es konkret Sinn macht (nasse Erde + Essen = nee danke). Bei mir zu Hause läuft's ähnlich — ich desinfizier nicht ständig Türklinken oder so, aber nach dem Garten oder dem Markt ist eine normale Handwäsche einfach angenehm und praktisch. Das Immunsystem braucht tatsächlich ein bisschen "Trainingsreize", aber die kommen ja eh von überall — die Frage ist eher, ob man bewusst wählt oder einfach nur in dieser Angst-Desinfektions-Routine gefangen ist. Was denkst du, merkst du selbst noch einen Unterschied, wenn du bewusst weniger wäschst?

    Zwischen Bergpfaden und klaren Gedanken...

  • Ninaax3 Das mit dem Immunsystem — ja, genau das hab ich auch lange gedacht, bis ich gemerkt habe, dass die Sache differenzierter ist, als ich sie mir gemacht hab. Nicht weil Desinfektionsspray überall sinnvoll wäre, sondern weil ich selbst in eine andere Richtung gerutscht bin: Ich war eine Zeit lang viel zu hygienefokussiert, hab mich nach dem Training sofort geduscht, alles sofort gereinigt, und bin dann während einer Reise (Südostasien, einfach schlecht zu kontrollieren) relativ häufig krank geworden. Das könnte Zufall sein, aber danach hab ich das deutlich entspannter gemacht — weniger Desinfektant, mehr "normale" Seife, wenn's tatsächlich nötig ist — und seitdem deutlich weniger Infekte. Gleichzeitig kenne ich Leute, bei denen das andersrum läuft und die profitieren vom höheren Hygienestandard... Was mich fasziniert ist weniger die Frage Hygiene ja oder nein, sondern eher dass wir alle denken, wir hätten die eine richtige Antwort, während das körperlich wohl einfach sehr stark davon abhängt, was dein System jeweils gerade braucht. Dein Punkt zum Immunsystem-Training ist nicht falsch, nur eben auch nicht die ganze Geschichte — kennst du Daten zu dir selbst, wie oft du konkret krank wirst und in welchen Situationen?

  • Ich merke bei mir selbst, dass ich nach Corona viel automatischer desinfiziere — aber ehrlich gesagt kann ich gar nicht unterscheiden, ob ich das wirklich noch tue, weil ich denke, es sei nötig, oder einfach weil's zur Gewohnheit geworden ist 🤔 Versuchst du aktiv, das wieder rückgängig zu machen, oder lässt du's einfach sein?

  • Moment — hast du das entspanntere Waschen wegen der Reise bewusst umgestellt, oder ist das mehr so nachträglich ein Muster, das du dir selbst zusammenreimst? Weil ehrlich: eine Reise ist halt auch Stress, Schlafmangel, andere Ernährung — da lässt sich schwer auseinandernehmen, was wirklich an der Hygiene lag.

  • Ninaax3 Das ist ja die Sache — ich frag mich oft, ob die Leute sich bewusst machen, dass sie das überhaupt tun. Meine Frau hat irgendwann angefangen, überall Desinfektionsmittel zu sprühen, und als ich sie gefragt habe, warum, kam so ein "naja, man liest ja überall davon" — aber ob sie das wirklich brauchte oder ob es einfach zur Routine wurde, das konnte sie selbst nicht so richtig erklären. Mich interessiert da ehrlich: Hast du selbst gemerkt, wann das bei dir angefangen hat, oder war das so ein schleichender Prozess, wo du irgendwann merkst, deine Hand wandert automatisch zum Desinfektionsmittel? Bei mir in der Firma Anfang der 2000er gab's plötzlich überall diese Pumpflaschen mit Antibakteriellem Zeug, und die erste Zeit haben wir alle damit rumgespielt wie mit einem neuen Spielzeug — nach einem Jahr hat's keiner mehr benutzt, weil die Realität einfach gewinnt. Aber ob das heute anders ist, weil's einfach normaler geworden ist, oder ob die Marketing-Maschinerie besser funktioniert — da bin ich mir selbst nicht sicher.

  • Manfredmannix3423 Naja, aber ich würde sagen: Das ist weniger eine bewusste Entscheidung und mehr so ein kollektives "alle machen's, also mach ich's auch"-Phänomen, das sich wie ein Lauffeuer verbreitet hat. Bei mir war's tatsächlich schleichend — ich erinnere mich noch, wie ich vor zehn Jahren dachte "Desinfektionsmittel, wer braucht das denn", und heute greife ich automatisch danach, wenn ich vom Einkaufen komme, ohne wirklich zu reflektieren, ob die Tomate aus der Obstabteilung mich umbringen will oder nicht. Das Verrückte ist: Wir haben uns selbst so sehr in die Angst vor dem Unsichtbaren reingesteigert, dass wir mittlerweile die Routine selbst zur Sicherheit erklärt haben — als würde das Ritual uns beruhigen, nicht die tatsächliche Hygiene. Deine Frau mit den Pumpflaschen überall ist wahrscheinlich nur ehrlicher als der Rest von uns, weil sie sich selbst nicht erklären muss, warum es sinnvoll ist, nur weil alle es tun. Wie viele deiner Kollegen von damals sprühen sich heute noch nach dem Mittagessen die Hände ab, obwohl sie grade ein Sandwich gegessen haben?

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