Umwelt – was macht ihr eigentlich konkret anders?

  • Ich saß mal in einem Hostel in Guatemala neben einem Typen, der mir 20 Minuten lang erklärte, wie er seinen ökologischen Fußabdruck durch bewusstes Reisen minimiert – während er drei Plastikflaschen Wasser kaufte, weil die Leitung "nicht sicher" war. Seitdem frag ich mich: Reden wir über Umweltschutz hauptsächlich in dieser abstrakten, selbstberuhigenden Art, oder ändern wir tatsächlich was im Alltag? Weil zwischen "ich denke, Nachhaltigkeit ist wichtig" und "ich kaufe tatsächlich regelmäßig unverpacktes Gemüse" liegt ja ein Canyon...

    Salzig, sauer, und immer online!

  • Haha, ja, aber ich glaub, du packst da zwei verschiedene Probleme in einen Topf 🤔 Der Typ mit den Plastikflaschen hatte halt ein echtes Sicherheitsproblem (oder dachte zumindest, eines zu haben), während "bewusst reisen" eher marketing-mäßig klingt – das ist weniger Heuchelei, sondern eher... unbewusste Prioritäten? Bei unverpacktem Gemüse stimm ich dir aber zu, dass da tatsächlich eher performative Sustainability grassiert, aber mich interessiert: machst du das regelmäßig selbst oder fragst du eher grundsätzlich? 📦

    Das Leben klingt besser mit Musik!

  • Gigi301 Puh, also ich geb's ja zu – ich bin da total widersprüchlich. Neulich bin ich extra zum unverpackt-laden gefahren, um mir zucchini ohne plastik zu holen, bin dann aber mit nem kaffee im wegwerf-becher wieder rausgekommen, weil ich zu ungeduldig war. so'n klassischer moment, wo man sich selbst beim heucheln zusieht und denkt: naja, wenigstens bin ich mir bewusst, wie absurd das ist? ich glaub, du hast recht, dass performative sustainability eher unbewusste prioritäten sind als gezielter betrug – das macht's aber irgendwie noch frustrierender, weil es heißt, dass schon kleine sichtbare gesten reichen, um uns selbst zu täuschen. der unterschied zwischen "ich mach was gutes" und "ich mach sichtbar, dass ich was gutes machen könnte" ist halt verdammt dünn. und die frage ist wahrscheinlich weniger "wer ist heuchler und wer nicht", sondern eher "in welchen momenten bin ich gerade heuchler und wann halt wirklich nicht" – was übrigens deprimierend fruchtbar ist als tagesstruktur 😅 aber ehrlich: machst du das gemüse-ding nur, wenn's dir gerade praktisch passt, oder ist das tatsächlich routiniert?

  • Ninaax3 "Bewusst" sein hilft dir da leider null, wenn du danach eh das gleiche machst — das ist eher Selbstberuhigung als Erkenntnisgewinn. 🤔 Vielleicht fragst du dich mal: was wäre dir denn wirklich unangenehm genug, um es zu ändern?

  • SauerkrautSurfer Haha ja, dieser Typ — kennt man. Aber eig finde ich, dass die ganze "bewusst reisen"-Rhetorik oft genau solche Widersprüche produziert, weil sie zu kopflastig ist. Neulich auf einer längeren Tour durchs Zillertal bin ich mit nem Kerl ins Gespräch gekommen, der hat einfach gesagt: "Ich nehm meine eigene Flasche mit, weil ichs blöd find, ständig was zu kaufen — und weils billiger is." Keine große Philosophie, einfach Gewohnheit. Mir is dabei aufgefallen, dass die Leute, die sich weniger über Nachhaltigkeit unterhalten, oft konsequenter sind — weil's für sie nicht um Selbstbestätigung geht, sondern einfach um praktische Entscheidungen. Der Canyon, den du beschreibst, entsteht eig genau da: sobald man Umweltschutz als Identität-Statement frames statt als tägliche kleine Sache. Was machst du denn selbst — gibt's da was, das sich bei dir wirklich eingespielt hat, ohne dass du groß drüber reden musst?

    Zwischen Bergpfaden und klaren Gedanken...

  • Ich kaufe ehrlich gesagt regelmäßig beim Unverpackt-Laden ein, aber nicht aus reiner Überzeugung – eher weil der zufällig nah bei mir ist und die Tomaten dort tatsächlich besser schmecken. Das ist mMn das Problem mit vielen dieser Diskussionen: Wir tun so, als würde es um Prinzipien gehen, dabei geht's oft einfach um Gewohnheit und Bequemlichkeit. Der eine findet Unverpackt cool, der andere spart sich die Zeit und nimmt die Plastiktüte – beides ist ehrlich gesagt nicht weltbewegend, wenn man nicht gerade täglich Hunderte Flaschen verbraucht. Was mich mehr beschäftigt, ist eher, dass ich selber gar nicht weiß, wo mein größter ökologischer Fußabdruck eigentlich liegt – ist es das Fliegen, die Heizung, das Essen? Bei mir wahrscheinlich die Bahnfahrten, die ich beruflich mache, aber darüber redet keiner. Machst du da selbst irgendwas bewusst anders, oder fragst du nur, weil dich das Thema generell nervt?

    Neugierig auf Menschen. Meistens auf Kaffee!

  • Nora Halt, "nicht weltbewegend" – da würde ich aber widersprechen, bzw. zumindest nachfragen: Stimmt das Argument wirklich so, oder verwechselst du da vielleicht Skalierung mit Relevanz? Klar, wenn eine Person täglich hundert Flaschen kauft, ist's extremer, aber das heißt ja nicht, dass die Entscheidung von 50.000 Menschen beim Unverpackt-Laden keine Wirkung hat – irgendwann addiert sich das. Was mich aber mehr interessiert: Du sagst, du weißt gar nicht, wo dein größter Fußabdruck liegt, und fragst dich dann, ob's die Bahnfahrten sind – aber hast du da nicht auch wieder das gleiche Muster wie beim Unverpackt-Laden, nämlich dass du einfach das Naheliegendste hinterfragst statt es auszurechnen? Warum fragst du nicht mal konkret nach, statt zu raten?

  • Alwayshard Ich bin ehrlich: Mir ist Fliegen unangenehm genug geworden, deswegen mache ich das quasi nicht mehr – aber beim Neukauf von Klamotten? Da belüge ich mich permanent selbst mit "ja aber das ist nachhaltig produziert" und kaufe trotzdem zu viel. 😅 Der Punkt ist: Es gibt immer diese eine Sache, bei der man sich selbst erwischt, wie man sich vormacht, dass man eine Gewissensentscheidung trifft, während man eigentlich nur seine Komfortzonen verteidigt. Das Blöde ist, das anzuerkennen ist unbequem – viel unbequemer als eine Jutebeutel-Mythologie zu pflegen. Ich glaube, echte Veränderung braucht weniger Bewusstheit und mehr so eine Art persönlichen Trigger-Punkt, der wehtut. Bei mir war's irgendwann: Entweder ich fliege oder ich fahre Zug – und Zugfahren ist inzwischen weniger stressig. Aber ja, bei anderen Dingen bin ich auch noch im Selbstbetrug-Modus 🤷‍♀️

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