Lernen — wann geht's einem wirklich auf?

  • Mich würde interessieren, wie ihr das seht: Lernt man Sachen wirklich nur, wenn man sitzt und konzentriert ist, oder gibt's da auch ganz andere Momente wo's plötzlich klick macht? Neulich beim längeren Trail bin ich in so einen Flow-Zustand gekommen und habe Dinge verstanden, die mir vorher beim Büffeln nicht eingegangen sind... das war bizarr. Aber vielleicht bin ich da auch nur eine Ausnahme und bei euch funktioniert das klassisch besser. Was hat sich für euch eh durchgesetzt?

    Zwischen Bergpfaden und klaren Gedanken...

  • MaxTrail Hast du das Gefühl, dass dir beim Trail einfach weniger kognitiver Lärm im Kopf war, oder war's eher die Bewegung selbst, die was gelöst hat? Ich merke das bei mir mega — beim Krafttraining oder Spaziergang kommen mir plötzlich Zusammenhänge klar, wo ich vorher beim Schreibtisch nur im Kreis gedacht hab. MMn braucht's halt manchmal den «passiven» Modus, damit das Gehirn Patterns verbinden kann, anstatt nur zu kämpfen 💭

  • MaxTrail naja, ich glaub eh, du bist keine ausnahme. bei mir is es oft so, dass die sachen erst klick machen, wenn ich gar nicht aktiv dran denk — beim duschen, beim abwasch oder wenns mir mein mann erklärt und ich nebenbei was anderes mach, irgendwie. das pure sitzen und konzentrieren funktioniert bei mir eher bei reinen fakten, aber wenns um verstehen geht, brauch ich irgendwie die bewegung oder den zweitakt im kopf. beim trail is halt auch was anderes los als beim schreibtisch — der körper ist locker, die umgebung wechselt, kein druck. das passt irgendwie eh besser zum hirn als sich einfach nein zur konzentration zu zwingen. ich glaub sogar, dass viele das "man muss halt sitzen und büffeln" als norm nehmen, weil es halt die klassische schulsituation war, aber obs wirklich die beste methode is, würd ich eher in frage stellen. gibt es für dich einen unterschied, ob du den flow beim sport oder bei was anderem hast, oder merkst du das immer so intensiv?

  • healthyfreak98 Ich glaub, das ist genau der Punkt: beim Schreibtisch sitzt du quasi unter Spannung und erwartest von dir selbst, dass jetzt gleich die Lösung kommt — und genau das blockiert sie. Bei mir war es ähnlich beim Joggen; da läuft der Körper auf Autopilot und plötzlich setzt das Hirn sich selbst zusammen, ohne dass ich aktiv dran rumwerkle. Die Bewegung scheint weniger der "Katalysator" zu sein, sondern eher diese Entspannung der Erwartungshaltung — und dass dein Gehirn endlich ein bisschen Platz hat zum Atmen. Hast du gemerkt, ob das nur bei bestimmten Aktivitäten passiert, oder eigentlich überall, wo du nicht aktiv "dran arbeitest"?

  • MaxTrail Jaja, das ist voll nicht die Ausnahme — das ist eher die Regel, die wir ständig ignorieren. Mir ist das beim Autofahren passiert, hatte ein echtes Aha-Moment zu nem Problem, das ich vorher zwei Stunden am Schreibtisch nicht geknackt hab. Und dann sitzt man danach wieder und denkt "okay warum lerne ich nicht einfach immer so?" und bucht sich sofort wieder nen Kurs wo man starrköpfig über Unterlagen brütet, gell. Ehrlich? Ich glaube, wir haben nur gelernt, dass "echtes Lernen" aussieht wie konzentriert rumzusitzen — weil das einfach messbar ist und sich anstrengt anfühlt. Aber dein Gehirn hat beim Joggen wahrscheinlich viel mehr verarbeitet, weil du locker warst und dein Kopf tatsächlich arbeiten konnte statt nur zu verkrampfen. Das ist nicht bizarr, das ist ziemlich normal... nur eben nicht wie Schule. Kann sein, ich bin da auch blind. Aber: Was wäre denn anders wenn du dich erlaubst, dass Bewegung oder Pausen genauso Teil deines Lernens sind wie die Stunden am Schreibtisch — würde sich das anfühlen wie faul oder ehrlich wie was das für dich ist?

  • MaxTrail Das Gehirn merkt sich eh eher die absurden Kontexte als die brave Schreibtischarbeit — ich habe mir während einer chaotischen Busfahrt durch Rumänien (neben einem Typ mit Plastikhuhn) komplexe Grammatikregeln gemerkt, die mir vorher nicht in den Schädel gingen, einfach weil die Situation so bizarr war. 😄 Flow ist da nicht die Ausnahme, sondern eher das Gegenteil von Ausnahme: dein Gehirn entspannt sich, die Filteranlagen fahren runter und plötzlich passt es zusammen. Sitzendes Konzentriert-Sein ist ja oft nur Anspannung mit Überschrift, richtig lernen scheint eher zu passieren wenn du nicht explizit danach jagst... Also Trail vor Schreibtisch, definitiv.

    Salzig, sauer, und immer online!

  • Anna Aber unterscheidest du da nicht zwei verschiedene Dinge — das Aha-Moment beim Entspannen versus das eigentliche Lernen vorher, das ja irgendwann stattgefunden haben muss, damit es später klick macht?

  • Glaub, da verwechselst du was – die Bewegung ist der Trick, nicht die Ablenkung davon. 😄 Dein Gehirn lernt halt nicht beim Starren auf die Aufgabe, sondern wenn du es zwingst, parallel noch was anderes zu koordinieren, da passiert die echte Verkabelung.

  • Samix Gute Beobachtung — hast du gemerkt, ob das auch bei weniger rhythmischen Aktivitäten passiert, oder brauchst du diese repetitive Komponente wirklich? Bei mir ist es tatsächlich sehr unterschiedlich. Beim Joggen oder auch beim Duschen (kalt oder warm, egal) passiert das zuverlässig — aber beim Spazierengehen oder beim Abwaschen eher selten. Ich glaube, der Unterschied ist, dass beim Joggen dein Gehirn gerade genug Input bekommt, um nicht zu überdenken, aber nicht so viel, dass es dich ablenkt. Beim Spazieren bin ich oft wieder zu sehr in meinen Gedanken um ein Problem herum statt dass die Lösung einfach auftaucht. Und genau das, was du beschreibst — diese Entspannung der Erwartungshaltung — die merke ich massiv: sobald ich aufhöre, aktiv nach der Antwort zu greifen und einfach laufe, kommt sie. Es ist fast wie wenn dein präfrontaler Cortex mal Pause hat und dann können die tieferen Schichten arbeiten.

  • healthyfreak98 Ah ja, genau das! Bei mir ist es ähnlich — beim Joggen oder auch beim Duschen passiert's zuverlässig, beim reinen Spaziergang eher nicht. Der Unterschied scheint mir wirklich dieser sweet spot zu sein: genug repetitiver Input, dass das Hirn nicht ins Grübeln verfällt, aber nicht so viel Aufmerksamkeit gefordert, dass du komplett abgelenkt bist... Bei mir hat konkret geholfen, bewusst zu unterscheiden zwischen "denken über das Problem" und "laufen während etwas im Hintergrund arbeitet" — wenn ich merke, dass ich anfange, die gleiche Frage im Kopf im Kreis zu drehen, schalte ich den Fokus einfach weg, höre eine Serie oder nen Podcast an, und dann kommt die Idee später oft aus heiterem Himmel. Hat bei mir auch funktioniert, wenn ich vorher 10 Minuten was ganz anderes gemacht hab — nicht dass ich mich ablenke, sondern dass ich bewusst die Erwartung lockere, was du meinst? Was ich interessant finde: merkst du denn auch einen Unterschied, ob du vor dem Joggen bewusst "jetzt will ich das Problem lösen" nimmst oder ob du einfach läufst ohne diese innere Absicht? Weil bei mir ist das wirklich entscheidend...

  • Samix Jo, aber pass auf — das funktioniert halt nur, wenn du vorher wirklich mit dem Problem rang hast 😄 Wenn du einfach so joggen gehst ohne vorherige Denkarbeit, passiert da nix. Bei mir hat sich gezeigt: Das Aha-Moment braucht diese Vorbereitungsphase, dann können die Gedanken im Hintergrund arbeiten.

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