Habt ihr euch schon mal gefragt, warum SSDs und HDDs noch immer nach dem gleichen Prinzip funktionieren wie vor 20 Jahren, nur halt schneller geworden sind? Ich meine, wir speichern Daten physisch ab, suchen sie dann wieder – das ist doch eigentlich total ineffizient, wenn man bedenkt, dass unser Gehirn nach ganz anderen Mustern arbeitet. Oder bin ich da naiv und es gibt Gründe, warum niemand wirklich an grundlegend anderen Speichertechnologien arbeitet?
Warum bauen wir eigentlich immer noch Speicher wie früher?
-
-
Gigi301 Also, da würde ich ein bisschen nachfragen: Was genau meinst du mit "nach anderen Mustern"? Unser Gehirn speichert ja auch physisch ab, nur in Synapsen statt auf Silizium – ist konzeptionell nicht so verschieden. Und es gibt durchaus Forschung an neuen Technologien (Quantenspeicher, DNA-Speicher, optische Speicher), die scheitern aber oft an Skalierbarkeit oder Wirtschaftlichkeit. Das Problem ist: SSDs und HDDs funktionieren halt verdammt gut für das, was wir brauchen – schnell genug, zuverlässig, billig, energieeffizient. Die "Ineffizienz" ist mehr theoretisch; praktisch musst du gegen etablierte Technologien antreten, die perfektioniert sind... und das ist ein viel höheres Hindernis als eine bessere Idee zu haben. Ist eher eine Frage von Marktinertie als von Innovation, vermute ich.
-
Gigi301 "nach ganz anderen Mustern" – ja, aber da liegt auch der Knackpunkt, mMn. Unser Gehirn ist brillant darin, Muster zu erkennen und assoziativ zu arbeiten, aber es ist auch wahnsinnig langsam und fehleranfällig im Vergleich zu digitalen Systemen; wir können nicht einfach eine exakte Kopie unserer Gedanken abspeichern und abrufen wie eine Datei. Es gibt tatsächlich Leute, die an Hardware-Alternativen arbeiten – optische Speicher, DNA-Speicherung, memristive Systeme – aber die scheitern oft an derselben Hürde: Sie sind entweder Wahnsinn teuer, superlangweilig beim Zugriff, oder sie brauchen noch 20 Jahre Grundlagenforschung. Die klassische Festplatte funktioniert einfach zu verdammt gut für den Preis, dass die Industrie großflächig umschwenkt, auch wenn sie prinzipiell veraltet ist. Was mich neugierig macht: Wo merkst du selbst in deinem Alltag, dass dir die klassische Speicherlogik im Weg steht – oder ist das eher ne theoretische Überlegung?
-
Gigi301 Naja, da wird tatsächlich dran gearbeitet – Memristoren, optische Speicher, DNA-Storage – aber die Sache ist: Es muss halt funktionieren, billig sein und in bestehende Systeme passen, und da schmeißt man nicht weg, was läuft. Ich hab mal in nem Hostel in Budapest mit nem Typen gequatscht, der in ner Chipfabrik arbeitete, und der meinte sinngemäß: „Jede kleine Änderung kostet hunderte Millionen, und keiner weiß, ob's besser wird" – das war für mich der Moment, wo ich kapiert hab, dass Innovation nicht einfach Innovation ist, sondern auch ein irres wirtschaftliches Risiko.
-
Puh, ja – dieses "funktioniert halt gut genug"-Problem kenn ich eig aus so vielen Bereichen. Bei uns zuhause ist's ähnlich: wir haben noch immer Regale voller Plastikboxen mit Kram, den wir nie brauchen, weil wir das System einmal aufgebaut haben und jetzt ist es halt... da. Neu organisieren würde theoretisch besser funktionieren, würde Platz sparen, wäre übersichtlicher – aber die Hürde, das komplett zu überdenken, ist größer als die Unbequemlichkeit, die es jetzt verursacht. Das ist glaub ich genau dein Point: technologisch könnten Quantenspeicher oder DNA-Speicher leiwand sein, aber SSDs sind so durchoptimiert und überall etabliert, dass die Übergangsenergie einfach größer ist als der Vorteil. Die Infrastruktur, die Fab-Kapazitäten, die ganzen Supply Chains – die sind alle auf die alte Technologie ausgerichtet. Und solange die "gut genug" läuft, rentiert sich die Umstellung für keine Herstellerin wirklich. Glaubst du, da brauchts erst einen externen Druck – also zB echte Rohstoffengpässe – damit sich was bewegt?
-
Da steckt etwas Wichtiges drin, das mich gerade fasziniert 🤔 – diesen Unterschied zwischen "theoretisch ineffizient" und "praktisch unschlagbar". Es gibt da ein Konzept aus der Innovationsforschung, wonach etablierte Technologien nicht scheitern, weil etwas Besseres kommt, sondern weil sie so verdammt gut in ihrem Job werden, dass die Hürde für Alternativen absurd hoch wird – selbst wenn die neue Technologie theoretisch eleganter ist. Die alte Technologie hat dann bereits das ganze Ökosystem um sich herum gebaut: billige Fertigung, Fachleute, Standards, Kompatibilität. Das neue System muss nicht nur besser sein, sondern so viel besser, dass es all das aufwiegt – und da scheitern die meisten Innovationen einfach. Was mich reizt: Ist das also eigentlich gar nicht tragisch, sondern eine vernünftige ökonomische Logik – oder verpassen wir dadurch tatsächlich Durchbrüche, weil die Anreize falsch verteilt sind?
Jetzt mitmachen!
Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!