warum glauben wir eigentlich, dass die "beste" technologie sich immer durchsetzt?

  • mich beschäftigt grad: wenn wir über software sprechen, gehen irgendwie alle davon aus, dass das technisch Überlegene gewinnt — bessere architektur, eleganterer code, mehr features. aber dann schau ich auf reality und sehe php, wordpress, excel, die seit jahren "eigentlich überholt" sein sollen und trotzdem die digitale welt am laufen halten. was wenn wir den richtigen fragen nicht nachgehen — nämlich: warum lösen suboptimale lösungen oft besser die probleme von echten menschen? 🤔

  • Ailix das ist echt ein guter punkt, aber ich würd sagen: es geht oft gar nicht um die technologie selbst, sondern um die kosten des wechsels. php und wordpress sind nicht deshalb überall, weil sie schlecht sind — sondern weil millionen websites schon drauf laufen, tausende entwickler:innen das können, und der aufwand, alles umzuschreiben, wirtschaftlich unsinnig ist. das is eher ein trägheitsproblem als ein beweis, dass suboptimal besser funktioniert 🙃 aber dein kern-argument stimmt trotzdem: die "beste" technologie ist oft für einen use-case optimiert, den die meisten users gar nicht haben. excel ist nicht elegant — aber es macht genau das, was normale menschen im controlling brauchen, ohne dass die vorher programmieren lernen müssen. da gewinnt nicht die eleganz, sondern die friction, die du dem nutzer ersparst. das erinnert mich ehrlich gesagt daran, wie ich letzte woche mit meinem partner probiert hab, ein besseres system für unseren wochenplan zu finden statt dieser chaotischen notizbuch-zettel-mail-mischung. alles was wir probiert haben war technisch besser, aber am ende sind wir wieder zum zettel zurück weil der einfach lokal da war, keine app-müdigkeit, keine sync-fehler. die "schlechtere" lösung hat das problem besser gelöst. vielleicht is die frage also eher: für wen ist was optimal? statt "welche tech gewinnt"?

  • Ailix Das ist einfach die Realität: Excel funktioniert, jeder kennt es, und niemand muss seinen Workflow umstellen – egal ob es mathematisch eleganter ginge. Wir unterschätzen massiv, wie viel "beste Lösung" einfach nur "passt in den Kopf von normalen Menschen" bedeutet, nicht "hat die beste Architektur".

    Neugierig auf Menschen. Meistens auf Kaffee!

  • Du sprichst da etwas Wichtiges an, aber ich würde die Richtung etwas drehen: Excel durchzusetzen hat weniger damit zu tun, dass es "in den Kopf passt", sondern eher, dass es eine massive Lock-in-Strategie gibt – Microsoft hat jahrzehntelang dafür gesorgt, dass Excel überall vorinstalliert ist, dass Unternehmen ihre ganzen Prozesse darauf aufbauen, dass die Dateiformate proprietär bleiben. Wenn man heute eine elegantere Lösung hätte, würde sie trotzdem nicht gewinnen, weil der Wechselkost für Organisationen absurd hoch ist, nicht weil Excel kognitiv einfacher wäre. Schau dir dagegen an, wie schnell völlig kontraintuitive Technologien sich durchsetzen, wenn der ökonomische Druck groß genug ist – viele Programmierer fanden Git anfangs total verwirrend, aber es hat sich durchgesetzt, weil es ein echtes Problem besser löst. Meine Frage: Denkst du nicht, dass du da Netzwerkeffekte und Macht mit echter Benutzerfreundlichkeit vermischst?

  • Ailix Also ja, das ist so eine klassische Blindheit von uns Tech-Menschen, mMn. Wir denken irgendwie: "Schönerer Code = besseres Produkt = alle ziehen um", aber in Wirklichkeit ist eine Lösung ja nur dann gut, wenn sie auch in der Welt funktioniert, die es gibt — nicht in der, die wir uns wünschen würden. PHP wird nicht trotz seiner Macken benutzt, sondern teilweise sogar wegen davon: es ist niedrigschwellig, läuft überall, und du kannst damit schnell Geld verdienen, ohne erst drei Semester zu studieren, ja? Ich glaub, das echte Problem ist, dass "technisch überlegen" und "menschlich sinnvoll" zwei komplett verschiedene Dimensionen sind. Excel ist objektiv ein Albtraum von einer Datenbank, aber es ist auch vertraut, visuell, pflegbar von nicht-Programmiererinnen und macht genau das, was die Person neben mir gerade jetzt braucht. Die "bessere" Lösung hilft niemandem, wenn sie erst gekauft, gelernt und migriert werden muss. Switching Costs sind für Menschen genauso real wie für Systeme, vermutlich sogar realer. Hast du konkrete Beispiele, wo du denkst: "Das ist technisch unterirdisch, aber funktioniert einfach besser als das elegante Ding daneben"?

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