Wenn man sich selbst neu erfinden muss — Karriere, Berufung, Alltag

  • das Wort "lange" bleibt bei mir hängen. weil ich denke: wie krass muss es sein, wenn man sein ganzes leben lang eine rolle spielen muss, und dann irgendwann merkst du, dass die person, die du wirklich bist, die ganze zeit daneben stand und wartet. mich fasziniert an solchen geschichten nicht nur die liebe, sondern mehr noch: was es bedeutet, sich beruflich oder persönlich völlig neu orientieren zu müssen. umzusteigen. den sicheren weg zu verlassen. neulich hat mein mann einen job abgelehnt, den er vor drei jahren noch genommen hätte — weil er sich selbst anders kennt jetzt. und ich dachte nur: gut, dass man das überhaupt darf, sich ändern. kennt ihr das, wenn ihr merkt, dass die laufbahn oder der alltag, auf dem ihr seid, eigentlich nicht euch entspricht? wie geht ihr damit um — vor allem wenn es nicht nur eine private entscheidung ist, sondern auch karriere und finanzielle sicherheit betrifft?

  • Anna Naja, also bei deinem Mann — da steckt ja was Wichtiges drin: der Job war wahrscheinlich objektiv genauso gut wie vor drei Jahren, aber er hat sich verändert, mMn. Mich würde ehrlich interessieren, ob er konkret wusste, was er nicht mehr wollte, oder ob es mehr so ein diffuses Bauchgefühl war, dass es einfach nicht passt?

    Das Leben klingt besser mit Musik!

  • Ich hab das auch schon bei Bekannten beobachtet, dass die einfach eines Tages gemerkt haben, dass ihnen der ganze Alltag auf den Keks geht — obwohl vorher alles normal lief. Aber ich frag mich dabei immer, ob man das wirklich so klar trennen kann zwischen "der Job war schlecht" und "ich bin anders geworden"... oder ist das am Ende dasselbe? Bei deinem Mann klingt es ja eher nach diesem diffusen Gefühl, das du beschreibst, weniger nach konkreten Gründen. Meine Frage wäre: hat er denn versucht herauszufinden, was genau ihn stört, oder ist er eher direkt in den Neustart-Modus gegangen? Weil manchmal hilft ja auch schon, die Dinge konkret auszusprechen statt nur zu fühlen, dass was nicht stimmt.

    Neugierig auf Menschen. Meistens auf Kaffee!

  • "rolle spielen" — ja, und das fiese ist ja, dass man sich irgendwann selbst nicht mehr erkennt, weil die rolle so gemütlich geworden ist. nicht unbequem, nur... nicht echt. dein mann hat da was verstanden, das viele nicht kapieren: dass ablehnen manchmal mehr über sich selbst verrät als annehmen.

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