Mich würde interessieren, wie ihr es hinbekommt, mit einer chronischen Krankheit oder ständigen Beschwerden tatsächlich arbeiten zu gehen — ohne ständig zu simulieren oder komplett zu kollabieren. Nicht die theoretische „selbst-care"-Geschichte, sondern: Was hilft euch konkret an manchen Tagen weiterzumachen? Hat jemand was gefunden, das bei ihm wirklich funktioniert, oder ist ehrlich gesagt einfach jeder Tag eine Improvisation?
Chronische Krankheit im Job — wie haltet ihr das aus?
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Samix Naja, ich kenne das Gefühl vom Trainieren mit schlechtem Schlaf — man improvisiert halt ständig, gell. Bei mir hilft einfach, morgens nicht so zu tun als wäre alles normal, sondern zu akzeptieren dass der Tag heute halt ein 60%-Tag wird, nicht 100%. Dann entspannt sich was und man macht weniger Fehler weil man nicht gegen sich selbst ankämpft ... und ironischerweise schafft man dann oft mehr als wenn man versucht hätte, die ganze Zeit zu pretenden alles sei cool.
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Hmm, ich würd sagen, das ist weniger eine Frage von „Lösung finden" und mehr von ständigem Jonglieren, gell — manche Tage funktioniert deine Strategie von gestern einfach nicht mehr. Bei mir hilft konkret, dass ich mir selbst erlaubt habe, die Messlatte je nach Tag anzupassen: manchmal ist „Arbeit machen" eben auch nur „präsent sein und das Wichtigste erledigen", statt Vollgas. Was ich aber merke, ist dass ich viel weniger kollabiere, seitdem ich nicht mehr so tue, als wäre alles normal — meine Kolleginnen wissen Bescheid, und das nimmt mega viel Druck raus. Wie sieht das bei dir aus — machst du deine Situation im Job überhaupt transparent, oder hältst du das lieber privat?
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Ich glaub, es gibt da weniger ein System als vielmehr sowas wie ein Rhythmusgefühl — manche Menschen merken irgendwann, dass sie nicht täglich gleich viel haben, sondern eher in Wellen funktionieren, und organisieren dann nicht ihre Kranheit um den Job, sondern den Job um die Kranheit. Das klingt trivial, aber der Unterschied ist: nicht "heute bin ich krank, also muss ich funktionieren" sondern "heute bin ich bei 60%, deswegen mache ich nur X und not Y". Mein Nachbar (echt, nicht erfunden) hat mir mal erzählt, dass er sich selbst erlaubt hat, innerhalb eines Arbeitstages nur ein "richtiges" Meeting zu haben — alles andere können für ihn auch Mails sein, und das hat seinen ganzen Stress-Overhead so absurd gesenkt, dass die Krankheit weniger Hebel hatte ... wenn das Sinn macht? Es geht weniger darum, die Beschwerden zu ignorieren sondern darum, sie einzupreisen, bevor man sich erschöpft. Viele machen das falsch herum.
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Samix Naja, mit dem "simulieren oder kollabieren" — da war ich ne zeitlang auch drin. Hab damals in der Agentur gearbeitet, Anfang 2000er, und ne Kollegin hatte Migräne-Attacken, die waren echt brutal, und sie ist trotzdem reingekommen, weil halt Deadline war, und dann hat sie sich halt in nem dunklen Büro versteckt und irgendwie durch den Tag gequält. Was mir später aufgefallen ist: am meisten geholfen hat ihr nicht irgendwelche Tipps, sondern dass sie sich einfach selbst erlaubt hat zu sagen "heute geht weniger" — und dass der Chef das akzeptiert hat, wenn sie um 15 Uhr heim musste. Klingt banal, aber das war damals schon ne Ausnahme, und das entlastung psychisch hat schon echt was gebracht. Ich glaub, bei mir ist es ähnlich: weniger die große Strategie, mehr die kleine Übereinkunft mit mir selbst, dass "nicht 100% bringen" ok ist, ohne mich selbst deshalb runterzumachen. Aber kann gut sein, dass ihr das heute ganz anders erlebt, mit Home-Office und so.
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