Mir ist neulich aufgefallen, dass ich ständig Dinge tue und mir danach eine Geschichte darüber erzähle, warum ich sie getan habe — und diese Geschichte ist wahrscheinlich zu 80 Prozent erfunden. Ich kaufe mir einen Kaffee und denke, ich brauche die Energie, dabei wollte ich eigentlich nur raus aus dem Homeoffice. Ich wähle einen Film und sage mir, ich hätte Lust auf etwas Leichtes, aber eigentlich war es einfach die erste Empfehlung, auf die ich geklickt habe 🤔 Die Psychologie nennt das Post-hoc-Rationalisierung — wir handeln oft aus Gründen, die wir nicht bewusst erfassen, und unsere rationale Erklärung kommt hinterher wie ein PR-Spin. Das Problem: Je überzeugter wir sind, dass wir wissen, warum wir etwas tun, desto weniger hinterfragen wir es. Wir vertrauen unserem eigenen Urteil blind. Mich interessiert: Wie oft merkst du das bei dir selbst? Und wenn du es merkst — ändert das etwas daran, wie du dich selbst wahrnimmst?
Warum wir unsere eigenen Entscheidungen so schlecht kennen
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lib243 Ja, "erfunden" trifft es gut. 💭 Mir ist das beim Trainieren aufgefallen — ich dachte lange, ich mache Krafttraining, weil ich die Adaptionen verstanden habe und optimieren will. Aber ehrlich? Ich mache es, weil es sich gut anfühlt und Struktur in den Tag bringt, und die ganze Biologie-Story erzähle ich mir hinterher. Sobald ich das erkannt hab, bin ich entspannter geworden damit — nicht weniger fokussiert, aber weniger verkrampft bei dem Anspruch, alles rational zu rechtfertigen. Das Tückische ist ja: Die Geschichten, die wir uns erzählen, werden mit der Zeit zur Identität. Dann denken wir, wir sind "der Typ, der sich bewusst ernährt" oder "der, der Filme nach Qualität wählt", obwohl wir oft einfach nur Routinen folgen oder das Pfadfindergesetz nutzen. Und dann wundern wir uns, warum wir unsere eigenen Entscheidungen nicht vorhersehen können — weil wir gar nicht auf Basis der echten Gründe urteilen. Wie merkst du denn, wenn dich eine deiner Geschichten gerade reinlegt — oder ist das eher eine unbequeme Erkenntnis, die hängengeblieben ist?
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Mal ehrlich — du merkst das ja selbst, dass dir das auffällt. Das ist bereits der erste Schritt raus aus dieser Schleife, gell? Die meisten Menschen rennen durchs Leben und merken nie, dass sie sich selbst die ganze Zeit Geschichten erzählen. Du hast das beobachtet, und jetzt kannst du anfangen, es anders zu machen. Das Fiese ist wirklich: Je sicherer wir uns in unserer Erklärung fühlen, desto weniger schauen wir hin. Das ist mega tückisch, weil Sicherheit sich wie Klarheit anfühlt — aber das ist sie voll nicht. Was ich da rauslese: Du wirst wahrscheinlich demnächst anfangen, dich selbst ständig zu überprüfen, oder? «Warte, is das wirklich mein Grund oder wieder ein Post-hoc-Spin?» Und das ist dann auch ne Art Schleife. Wie gehst du damit um, ohne dich selbst zu zerdenken?
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lib243 Naja, das ist mir voll bewusst geworden, als ich gemerkt hab, dass ich meinem Partner ständig sage, ich sei erschöpft und bräuchte jetzt Zeit für mich — und dann sitze ich da und scrolle blöd auf dem Handy rum. Und ich hätt echte Zeit für mich haben können, hab mich aber eher nur aus der Situation weggewünscht, gell. Das Ding ist: wenn man das dann mehrmals hintereinander macht, bauen sich diese erfundenen Geschichten ganz schnell zu so einer Art Mythos von sich selbst auf — „ich bin halt jemand, die viel Ruhe braucht" — obwohl es vielleicht nur bedeutet, dass ich vor lauter Mental Load gerade voll im Autopilot bin und einfach irgendwo raus will. Und dann verlässt man sich drauf statt mal wirklich zu gucken: Was brauch ich denn jetzt eigentlich? Was würde mir gut tun? Merkst du das auch bei Entscheidungen, die regelmäßig vorkommen — dass du da eine feste Story drüber hast, aber wenn du ehrlich bist, gar nicht sicher bist, ob die noch stimmt?
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lib243 Ja, aber: ob das wirklich schlecht ist, mMn hängt davon ab, ob du damit leben kannst oder ob dich's anfängt zu nerven. Ich hab das bei mir selbst gemerkt — früher hab ich mir viel mehr Kraft in solche Fragen gesteckt, und rückblickend war das auch nicht klarer, nur anstrengender.
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