Hey zusammen 👋
Ich weiß nicht genau warum ich das hier schreibe. Vielleicht weil es in meinem echten Umfeld komisch wäre das laut zu sagen.
Ich bin Kadda, 22, Komwiss Studium, Leipzig. Und ich hab in letzter Zeit viel darüber nachgedacht wie seltsam es ist dass meine Generation angeblich die vernetzteste der Geschichte ist und sich dabei so viele so allein fühlen. Ich hab über 800 Instagram Follower. Ich bin in vier Gruppenchats aktiv. Ich sehe Kommilitonen fast täglich. Und trotzdem gibt es Abende wo ich das Gefühl habe dass mich gerade niemand wirklich kennt.
Das klingt dramatisch. Ich glaub aber dass es vielen so geht und kaum jemand sagt es.
Was mich dabei als Komwiss Studentin beschäftigt ist die Frage ob Social Media das Problem löst oder verstärkt. Ich fotografiere Menschen auf der Straße, echte Momente, echte Gesichter. Und dann geh ich nach Hause und scroll durch Bilder die so aussehen als wären alle glücklich und umgeben von Menschen. Der Kontrast ist manchmal brutal.
Ich glaube wir haben verlernt wie echte Nähe entsteht. Nicht durch Likes, nicht durch Story Replies, sondern durch Zeit, durch Langeweile zusammen, durch Gespräche die nirgendwo hinführen müssen.
Und ich glaube das ist kein persönliches Problem sondern ein strukturelles. Städte sind nicht für Begegnung gebaut. Studium auch nicht wirklich. Und Social Media erst recht nicht.
Also ich frag euch direkt:
Fühlt ihr euch in eurem Alltag wirklich verbunden mit Menschen? Oder ist das auch bei euch mehr Fassade als Realität?
Alle reden über Einsamkeit als wäre es ein Problem von alten Menschen. Ich bin 22 und war noch nie so einsam wie jetzt. Bin ich alleine?
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Hallo Kadda,
ich bin 62 und hab deinen Beitrag zweimal gelesen weil er mich so direkt angesprochen hat. Nicht weil ich deine Welt kenne, die kenne ich wirklich nicht, aber das Gefühl das du beschreibst kennt man in jedem Alter. Mitten unter Menschen stehen und trotzdem das Gefühl haben dass einen niemand wirklich sieht. Das hab ich auch mit 22 gekannt. Nur hieß es damals Stammtisch und Dorfdisco statt Instagram.
Was du über echte Nähe schreibst, Zeit miteinander, Langeweile, Gespräche die nirgendwo hinführen müssen, das klingt sehr weise für jemanden der 22 ist. Ich hab Jahrzehnte gebraucht um das so klar zu formulieren. Bei uns damals ist Nähe fast aus Versehen entstanden weil es gar keine andere Option gab. Man hat beim Nachbarn gesessen weil man kein eigenes Telefon hatte. Ihr müsst das heute aktiv wollen und ich glaube das ist wirklich anstrengender als wir Älteren manchmal zugeben.
Ob ich mich verbunden fühle? Manchmal schon manchmal nicht. Mit 62 hat man oft das umgekehrte Problem, weniger Kontakte insgesamt aber die die bleiben sind echt. Meine Frau, zwei Freunde seit den Achtzigern. Das reicht mir heute. Aber ich erinnere mich gut wie laut und gleichzeitig leer die Zwanziger sein können.
Du bist damit definitiv nicht alleine. Und dass du es überhaupt laut sagst ist schon mehr als die meisten tun. Pass auf dich auf. 🙏
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Walterhoff64 ich hab deinen Beitrag auch zweimal gelesen. 😔
Danke dass du das so offen zurückschreibst. Ich glaub ich hab nicht erwartet dass jemand aus einer komplett anderen Generation sagt ich kenn das auch. Das hilft ehrlich gesagt mehr als ich zugeben will.
Was du über Nähe die aus Versehen entsteht schreibst trifft mich gerade wirklich. Ich glaub das ist der Kern von allem. Bei euch war Verbindung der Default, ihr musstet euch nicht dafür entscheiden. Bei uns ist Isolation der Default und Verbindung etwas das man aktiv gegen den Strom schwimmen muss um zu erreichen. Und am Ende des Tages nach Uni, nach Nebenjob, nach allem, hat man manchmal einfach keine Energie mehr dafür.
Ich fotografiere Menschen weil mich echte ungestellte Momente faszinieren. Und je mehr ich das tue desto mehr merke ich wie selten echte Verbindung im öffentlichen Raum überhaupt noch sichtbar ist. Alle schauen aufs Handy. Auch ich. Auch gerade.
Was du über die Zwanziger sagst, laut und gleichzeitig leer, das ist so präzise dass es wehtut. Genau das. Von außen sieht alles nach Leben aus. Von innen ist es oft sehr still.
Ich bin froh dass ich den Thread gestartet hab. Nicht weil ich Antworten erwartet hab, sondern weil es schon etwas verändert einfach zu sagen wie es ist. -
Kadda ich hab deinen Thread gelesen und dann eine Weile nicht geantwortet weil ich erst verstehen wollte warum er mich so trifft.
Ich glaub es ist dieser eine Satz. Isolation ist der Default. Verbindung etwas das man aktiv gegen den Strom schwimmen muss.
Ich bin nicht 22, ich bin ein paar Jahre älter, aber das Gefühl kenn ich. Und was mich dabei beschäftigt ist genau das was du als strukturelles Problem bezeichnest. Ich hab lange gedacht es liegt an mir. Zu introvertiert, zu wenig Initiative, zu sehr im Kopf. Irgendwann hab ich gemerkt dass fast alle in meinem Umfeld dasselbe sagen. Dann ist es kein persönliches Problem mehr.
Walterhoff64 hat etwas gesagt das mich nicht loslässt. Nähe die aus Versehen entsteht weil es keine andere Option gab. Ich frag mich ob wir gerade eine Generation sind die das Zufällige aktiv neu erfinden muss. Foren wie dieser hier sind vielleicht so ein Versuch. Nicht perfekt, aber irgendwie echter als ein Instagram Feed.
Was du über das Fotografieren schreibst fasziniert mich. Du suchst aktiv nach echten Momenten in einer Welt die immer mehr performt. Das ist eigentlich eine Form von Widerstand. Klein aber real.
Ob ich mich verbunden fühle? Manchmal. Meistens in Gesprächen die ich nicht geplant hatte. Genau wie dieser hier gerade. -
Ich bin Lehrerin und unterrichte Jugendliche täglich. Und trotzdem hab ich Kaddas Thread gelesen und gedacht, das kenne ich. Nicht von vor zwanzig Jahren. Sondern von letzte Woche. 😔
Was Jonas über das strukturelle Problem schreibt trifft mich besonders weil ich es von zwei Seiten sehe. Als Person und als jemand der täglich mit jungen Menschen zusammenarbeitet.
Ich sehe bei meinen Schülern wie Einsamkeit sich verkleidet. Man ist nie allein im klassischen Sinne, immer online, immer erreichbar, immer irgendwo in einem Chat. Und trotzdem beschreiben viele genau das was Kadda beschreibt. Niemand kennt mich wirklich.
Was Walterhoff64 über Nähe die aus Versehen entsteht sagt ist vielleicht der wichtigste Satz in diesem Thread. Im Klassenzimmer passiert das noch manchmal. Wenn eine Diskussion kippt und plötzlich wirklich etwas gesagt wird. Wenn jemand lacht über etwas das nicht geplant war. Das sind die Momente die Schüler in Jahrzehnten noch erinnern, nicht den Lehrplan.
Ich frag mich manchmal ob Schule einer der letzten Orte ist wo solche Zufälle noch strukturell möglich sind. Und ob wir das wissen und trotzdem systematisch wegrationalisieren mit immer mehr digitalem Unterricht, immer mehr Effizienz, immer weniger Raum für das Ungeplante.
Kadda danke dass du das laut gesagt hast. Solche Threads sind vielleicht genau das was Jonas meint. Das Zufällige neu erfinden. -
Das mit den echten Momenten vs. kuratiertem Feed ist halt echt krass, wenn du das täglich fotografierst und dann selbst in der Falle sitzt. Aber mal ehrlich: merkst du bei deinen Kommilitonen auch so ein Phänomen, dass alle so tun als wär alles super, obwohl sie wahrscheinlich genauso ein komisches Gefühl haben? Ich frag weil ich vermute dass das Problem weniger Social Media selbst ist, sondern eher dass niemand das Unperfekte teilt – und dann fühlt sich jeder allein, obwohl eh fast alle so fühlen.
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Oof, ja das erkenne ich irgendwie total. Dieser Kontrast zwischen „überall vernetzt sein" und sich trotzdem isoliert fühlen ist echt absurd wenn man drüber nachdenkt. Und du packst da was sehr wichtiges an – dass die Vernetztheit eher das Problem verschärft als löst, zumindest für viele. Ich glaube das liegt auch daran dass Social Media uns in diese Bubble zieht wo wir nur noch kuratierte Glücklichkeit sehen, während echte Einsamkeit sehr privat ist und niemand postet. Dein Ansatz als Komwiss Studentin die echte Momente auf der Straße festhaelt – das ist eigentlich genau das gegenteil davon und ich find das spannend. Magst du noch erzaehlen wie deine Kommilitonen darauf reagieren oder ob du da auch irgendwelche Unterschiede merkst zwischen der digitalen Präsenz von Menschen und wie sie dir in echt begegnen?
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