Warum nehmen wir eigentlich an, dass "beste Filme" objektiv messbar sind?

  • Hast du dir schon überlegt, wie komisch es eigentlich ist, dass Streaming-Plattformen ständig von "dem besten Film 2024" sprechen — als wäre das irgendwie eine nachweisbare Tatsache und nicht einfach eine Marketing-Aussage? MMn übersehen wir da voll, dass "beste" ja stark davon abhängt, wer da spricht und welche Kriterien zugrunde liegen. Kritiker bewerten anders als Zuschauer, die Masse hat andere Vorlieben als Cinephilen, und algorithmisch "beliebt" ist nicht dasselbe wie "künstlerisch wertvoll". Wenn Amazon Prime Video mir sagt, das ist der beste Film, müsste ich eigentlich erst fragen: beste für wen genau? Nach welchen Massstäben? Und wer hat diese Bewertung eigentlich gemacht — oder ist es einfach der Film, den sie gerade pushen wollen, gell? Ich finde das spannend, weil wir das irgendwie alle einfach schlucken, ohne nachzuhaken, wo diese "Urteile" herkommen.

  • Hast du selbst schon mal gemerkt, dass die Plattformen dir dann genau das als "beste" verkaufen, was du gerade geschaut hast — oder was ihnen grad am meisten bringt? MMn ist das eh weniger eine echte Bewertung und mehr ein Algorithmus, der sich selbst lobt. Die ganze "objektive Qualität"-Nummer ist halt pure Marketing, passt schon.

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  • Ja, aber "beste" ist halt auch genau das Marketing-Ding — die wissen ja, dass "dieser Film passt zu deinen bisherigen Klicks" sich nicht so gut verkauft wie "BESTER FILM 2024" in fetten Buchstaben.

  • Naja, das ist aber auch das perfide daran — sobald so eine Liste existiert wird sie ja zur Self-fulfilling Prophecy. Leute schauen den Film weil er "der beste" sein soll, und dann... bestätigt sich das einfach, weil alle darüber reden und er mehr Aufmerksamkeit kriegt als die anderen.

  • Okay, aber ehrlich? Du merkst selbst, dass du hier eigentlich schon die ganze Antwort hast — und fragst sie trotzdem noch mal. 😅 Das ist nicht böse gemeint, aber es klingt so, als würdest du im Kreis laufen: Du weißt, dass "beste" subjektiv ist, du weißt, dass Marketing dahintersteckt, du weißt, dass verschiedene Gruppen unterschiedlich bewerten. Das sind keine unbeantworteten Fragen mehr, das ist dir längst klar. Ich vermute, das eigentliche Problem ist eher, dass es dich nervt, dass Plattformen trotzdem so tun, als würde es objektive Rankings geben — und dass wir alle irgendwie mitmachen, obwohl wir es besser wissen. Das ist aber weniger eine philosophische Frage als eher: Warum lassen wir uns von Marketing-Bullshit überzeugen, den wir durchschauen? MMn lohnt sich die Energie eher da, nämlich bewusst drauf zu achten, wann du dich selbst dabei ertappst, so einer Aussage zu glauben — statt sie immer wieder zu hinterfragen, wenn du bereits weißt, wie der Hase läuft. Kann natürlich auch sein, dass ich dir da Unrecht tu und du tatsächlich noch nach nem tieferen Punkt suchst — aber was würde denn die Antwort konkret für dich verändern?

  • Nora jo, aber dann müsste man ja zugeben, dass die eigenen favoriten auch einfach zufall sind — algorithmus-zufall statt zufall durchs freundeskreis-empfehlungsystem von früher, gell. ist das wirklich ein unterschied, oder beschönigen wir nur ungern, dass geschmack halt immer ziemlich fremd-bestimmt war?

  • lib243 Hm, ich glaub aber genau da liegt der Unterschied — oder zumindest ein wichtiger. Mit nem Freundeskreis hast du wenigstens noch Reibung, also jemand erklärt dir, warum ausgerechnet dieser Film sie bewegt hat, und das kann dich anders treffen als wenn ein Algorithmus dir was vorschlägt, weil es statistisch zu deinem Profil passt. Ich merke das selbst: wenn mir eine Person eine Serie empfiehlt und erzählt, was sie daran fasziniert hat, schau ich sie anders an als wenn ich sie einfach in meiner "personalized" Liste finde 📺 Fremd-bestimmt waren wir immer, ja, aber der eine Fremdbestimmung-Weg hat mehr Raum für Überraschungen, der andere optimiert dich eher kleinteilig weg. Ist vielleicht nicht prinzipiell besser, aber gefühlsmäßig... anders.

  • lib243 Naja, aber der Unterschied ist doch, dass ich beim Freundeskreis wenigstens noch merke, wer mir was empfiehlt und kann das einordnen — beim Algorithmus bleibt das völlig intransparent. Ob das am Ende weniger fremd-bestimmt ist, weiß ich nicht, aber bewusster geht's zumindest zu. Was denkst du, würde sich für dich persönlich ändern, wenn du wüsstest, wie genau die App entscheidet, welche Filme dir vorgeschlagen werden?

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  • Samix Ich hatte das Phänomen live in einem Barcelona-Hostel: dieser Typ aus München hat zwei Stunden lang erklärt, warum Inception objektiv das beste Filmkunstwerk der 2010er sei, weil es bei Imdb oben steht — und kurz darauf haben vier andere Leute im Gemeinschaftszimmer gesagt, ja stimmt, müssen wir uns anschauen. Was mMn aber zeigt: Die Liste schafft sich ihre eigene Realität, ja, aber eher weil sie Aufmerksamkeit ist, nicht weil sie Wahrheit ist. Es ist weniger ein Beweis für objektive Qualität als vielmehr dafür, dass Sichtbarkeit selbst ein Qualitätskriterium geworden ist.

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  • healthyfreak98 Ja genau, und das ist eh das Ding — wenn dir jemand was erzählt, kriegst du gleichzeitig mit, warum es sie bewegt hat, und das ist schon was anderes als wenn ein Algorithmus dir das ausspuckt, weil du statistisch in die Zielgruppe passt. Der eine Weg hat irgendwie noch... Menschliches, der andere ist einfach optimiert.

  • Alwayshard Ah ja, „optimiert" — genau da würde ich etwas widersprechen, oder eher: es ist komplizierter. Weil auch wenn ein Algorithmus dir was vorschlägt, kann das ja trotzdem ziemlich treffen, und andersrum erzählt dir ein Mensch auch gerne Mist als „musste ich unbedingt sehen". Ich glaub, der echte Unterschied ist eher, dass beim persönlichen Tipp dieser Filter von echten Erfahrungen da ist — die Person hat den Film konkret geguckt, nicht nur „Nutzer wie du mögen auch…" gezogen. Bei mir hat sich das auch gezeigt: wenn meine Schwester einen Film empfiehlt, schau ich ihn anders an als wenn Netflix mir was als trending zeigt, weil ich automatisch denke „okay, aber wem von uns beiden ähnlich ich?" statt blind zu vertrauen. Was mich interessiert: Merkst du selbst in deiner Bubble, dass dieses persönliche Erzählen von Filmen überhaupt noch vorkommt, oder läuft das bei euch auch eher über Algorithmen und Listes, die dann der Gesprächsstoff sind?

  • Samix Naja also, ich glaub du packst da was Wichtiges an — aber ich würd noch ein Stück weiter gehen: Ist das wirklich ein Unterschied zwischen Algorithmus und Mensch, oder eher zwischen transparenter und versteckter Filterung? Weil deine Schwester filtert ja auch unbewusst — durch ihre Vorlieben, ihre Stimmung an dem Tag, ob sie gerade auf Drama oder Action steht. Der Algorithmus macht im Prinzip das gleiche, nur eben... skaliert und für hunderte Menschen gleichzeitig. Und hier liegt für mich die eigentliche Crux: Bei der persönlichen Empfehlung glaubst du zu wissen, warum sie das vorschlägt (weil du die Person kennst), aber beim Algo weißt du es einfach nicht — was dich skeptischer macht. Aber ist diese Skepsis berechtigt oder einfach... emotionale Ablehnung von etwas Undurchsichtigem? 🤔 Merkst du denn in deiner eigenen Erfahrung, dass Tipps von deiner Schwester wirklich häufiger treffen, oder ist das eher so ein Bauchgefühl, dass sie treffen sollten?

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