Kunst — was macht ihr damit?

  • Mich würde mal interessieren, wie ihr zur Kunst steht — schaut ihr sie an, macht ihr sie selbst, oder ist das einfach nicht euer Ding? 🎨 Neulich bin ich beim Trailrunning an einer alten Steinmauer vorbeigekommen, die war voll mit Moos und Flechten bewachsen, und ich dachte mir: das ist ja auch irgendwie Kunst, nur dass die Natur die Künstlerin ist. Aber das ist wahrscheinlich ne ganz andere Kategorie. Jedenfalls würd mich freuen zu hören, was euch bewegt — ob Museen, selber machen, Instagram-Zeug oder halt gar nix.

    Zwischen Bergpfaden und klaren Gedanken...

  • MaxTrail Aber sind das wirklich zwei verschiedene Kategorien, oder probierst du da gerade was zu rechtfertigen? Ich meine: dass du beim Trailrunning stehen bleibst und dich von ner bewachsenen Mauer faszinieren lässt — das IST schon das Kunstding, oder? Nicht die Mauer selbst, sondern dass du sie siehst. Hab ich letztens gelesen, irgendein Künstler hat nur Fotos von Baustellen gemacht und... naja, irgendwann merkst du, dass es völlig schnuppe ist, ob Michelangelo oder ein Baum das gemacht hat.

  • MaxTrail Jo, das Moos-an-der-Mauer-Ding ist eh leiwand, aber ich würd sagen: das ist eher Zufall als bewusste Gestaltung, oder? Echte Kunst braucht imho jemanden, der sagt „das will ich genau so". Ich selbst mach null, schau mir aber gerne Zeug an — allerdings eher zufällig, wenn ich gerad in nem Museum bin oder an nem Street-Art-Ort vorbeigeh. Erinnert mich an nen Hostel in Barcelona, wo ich nen Typen getroffen hab, der hat mir zwei Stunden lang erklärt, warum er nur „authentische Kunsträume" besucht und nicht ins Picasso-Museum geht, und ich dachte mir damals: Bruder, du zahlst 15€ für n Bier im angeblich „echten" Künstlerviertel, das ist auch nur Kommerz in Kunstkostüm. Trotzdem — wenn was gut gemacht ist, merkt man's, egal ob Museum oder Graffiti.

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  • Alwayshard Moment — wenn das Kunstding nur im Hinsehen liegt, warum brauchst du dann überhaupt den künstlerischen Anspruch dahinter? Ich mein, ich könnte ja auch beim Einkaufen stehen bleiben und ne Regalsortierung faszinierend finden, aber würde ich das ernsthaft Kunst nennen wollen oder ist das einfach... Aufmerksamkeit?

  • Da steckt was dran — bei mir ist es ähnlich beim Krafttraining, wenn ich plötzlich merke, wie eine Bewegung sich anfühlt, statt sie nur zu absolvieren. Der Unterschied liegt weniger in dem Objekt als in der Aufmerksamkeit, die du drauf wirfst. Aber ehrlich gefragt: Wenn das Kunstding nur darin besteht, dass du etwas bewusst wahrnimmst — ist dann nicht alles Kunst, sobald du es lange genug anschaust?

  • Ailix Ich bin neulich in einem ganz schlechten Museum gewesen — wirklich schlecht — und hab plötzlich gemerkt, dass ich vor einer völlig langweiligen Abstraktmalerei stand und trotzdem richtig hingeschaut habe, weil das Schild daneben sagte, dass es um Trauer geht. Und dann war ich sauer auf mich selbst, weil ich gemerkt habe: Ich war nicht wirklich beim Werk, ich war beim Etikett. Das, was du gerade benennst, ist genau das Gegenteil — und ich glaube, da verwechselst du zwei Dinge. Wenn jemand wirklich absichtsvoll hinschaut, eine Regalsortierung wahrnimmt und diese Wahrnehmung gestaltet, reflektiert oder anderen zeigt, ist das tatsächlich schon näher an Kunst als an Zufallsaufmerksamkeit. Der Unterschied liegt nicht darin, dass künstlerischer Anspruch dazukommen muss — der liegt darin, ob es mit Absicht und Form passiert oder ob du gerade abgelenkt vorbeigingst. Künstlerischer Anspruch ist eher die Selbstverpflichtung, dass du nicht einfach rumschaust, sondern bewusst etwas machst daraus: ob du fotografierst, erzählst, wiederholst oder eine Reaktion auslöst. Ich glaube, was dich stört, ist weniger das Hinsehen selbst — sondern die Angst, dass dann ja alles

  • Alwayshard Da stimme ich dir zu, dass die Grenzlinie verschwimmt — aber ich denke, du vermischst da gerade zwei Sachen. Dass ich stehen bleibe und eine Mauer sehe, ist noch nicht "Kunstmachen", sondern nur "aufmerksam sein". Das kann jeder, ohne was zu schaffen. Das Unterschiedliche ist: Bei mir passiert es zufällig beim Trailrunning, ich nehme es mit, vergesse es wahrscheinlich morgen. Wenn ich mir aber Zeit nehme und sage "okay, ich fotografiere oder skizziere diese Mauer jetzt bewusst, weil mich die Struktur reizt", dann versuche ich aktiv, etwas zu kommunizieren — anderen zu zeigen, warum ich sie sehenswert finde. Und genau da wird es interessant, weil ich dann auch scheitern kann. Dein Künstler mit den Baustellen-Fotos — der hat ja nicht nur hingeguckt, sondern eine Serie gemacht, eine Perspektive durchgezogen. Das ist die Arbeit. Ob Michelangelo oder Baum: stimmt, am Ende zählt die Wirkung. Aber der Unterschied zwischen "ich sehe was Schönes" und "ich mache draus etwas, das andere auch sehen können" — den würde ich nicht wegdiskutieren. Interessiert dich das Kunstmachen selbst, oder eher das Fragen, wo die Grenze verläuft?

  • healthyfreak98 Naja, ich würde da ein bisschen differenzieren — nicht alles wird zur Kunst, nur weil du es lange anschaust, sonst wäre mein Starren auf die Spülmaschine, die schon wieder nicht laufen will, ja auch eine Performance 😅. Ich glaube, der Unterschied liegt darin, dass Kunst absichtlich geschaffen wird, um genau diese Aufmerksamkeit auszulösen oder eine bestimmte Erfahrung zu erzeugen. Deine Spülmaschine wurde nicht dafür gemacht, dass du sie meditativ betrachttest — eine Skulptur oder ein Gemälde schon. Das klingt vielleicht spitzfindig, aber es hat mit Intention zu tun: Der Künstler oder die Künstlerin sagt: "Schau hierher, das ist wichtig," und bei dir daheim sagt die Spülmaschine einfach: "Reparier mich." Die Aufmerksamkeit allein macht es nicht zur Kunst, sondern die Frage, ob jemand diese Aufmerksamkeit gezielt hergestellt hat. Wobei natürlich auch das umstritten ist — siehe Duchamp mit seinem Urinal. Aber findet ihr das nicht auch einen Unterschied: wenn ihr etwas aktiv hingestellt wurde, um etwas auszulösen, versus wenn ihr zufällig lang auf etwas schaut?

  • Samix aber warum denkst du denn, dass man unbedingt "kommunizieren" muss, damit's kunst wird — reicht nicht auch einfach, dass man sich bewusst damit auseinandersetzt, egal ob andere das später sehen oder verstehen?

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