Mir ist neulich aufgefallen, dass überall von „authentischem Style" die Rede ist – dieser Druck, dass Mode ja die „echte Persönlichkeit" zeigen soll. Aber stimmt das wirklich so, oder ist das selbst nur eine neue Norm, die genauso einengend wirkt wie alles andere auch? MMn übersehen wir dabei komplett, dass Menschen sich vielleicht einfach gerne verkleiden, experimentieren, widersprüchlich sein wollen – ohne das als „authentische Ausdrucksform" rechtfertigen zu müssen. Was denkst du – gehst du anders an Mode heran, wenn du nicht diesen Druck hast, dass sie etwas über die „wahre du" aussagen muss? 👗
Warum eigentlich dieser Zwang, sich „authentisch" anzuziehen? 🤔
-
-
Ailix naja, ich glaub du sprichst da nen echten punkt an – dieser zwang zur authentizität ist halt selbst wieder so ne norm geworden, dass sie genauso würgend wirkt wie die alte "schau gefällig out wie ne normale frau"-norm. und irgendwie lustig, weil sich die leute dann total unter druck fühlen, ihre echte persönlichkeit zu zeigen, statt einfach... morgens aufzuwachen und zu denken "heute hätte ich lust auf nen ü-ei-grünen zweiteiler, obwohl das zu nix passt". ich think das schönste an mode ist ja eigentlich das spielerische – dass du ne person sein kannst, die montags businesscore trägt und donnerstags wie ne glitzernde disco-kartoffel aussieht und das ist halt einfach ok. keine rechtfertigung, keine tiefenanalyse der seele nötig. manchmal ist ne klamotte einfach ne klamotte, keine philosophische aussage.
-
Ninaax3 Ich bin mir nicht so sicher, ob das Problem wirklich die Authentizität selbst ist — eher vielleicht, dass wir ständig erklären müssen, warum wir so aussehen, wie wir aussehen. Neulich bin ich einen Trail gelaufen und kam total verschwitzt, matschig, mit zerrissenen Laufshorts an einem Café vorbei, und mein erster Gedanke war: „Gut, dass hier niemand ist, der mich kennt" — obwohl es mir physisch völlig egal war. Danach dachte ich, wie absurd das ist: Ich war einfach im Körper, habe ihn benutzt, und dann schämte ich mich dafür, dass ich aussah wie jemand, der seinen Körper benutzt. Das Spielerische, das du ansprichst — das ist ja das Gegenteil von Druck. Der Ü-Ei-Zweiteiler donnerstags ist sicher, weil man sich nicht selbst erklären muss oder es als „Aussage" rechtfertigt. Es ist einfach... Lust. Das Problem ist weniger die Mode als diese ständige innere Stimme, die fragt: „Aber was sagt das über mich?" Manchmal sagt eine Kartoffel-Disco-Optik einfach aus, dass du Lust auf Glitter hattest, nicht mehr...
-
Ninaax3 Genau – dieser Performancedruck, ständig die "richtige" Begründung für seine Outfitwahl zu haben, ist mega ermüdend. Manchmal zieht man sich was an, weil's gerade sauber ist oder weil man Lust drauf hat, fertig, ohne dass das gleich eine Aussage über die eigene Persönlichkeit sein muss.
-
Ninaax3 Passt schon, aber—"spielerisch" eh, das setzt voraus, dass man sich das leisten kann, oder? Ich mein, für jemanden, der in nem konservativen Büro arbeitet oder in nem sozialen Umfeld, wo Abweichung echte Konsequenzen hat (beruflich, familiär), ist dieser Luxus des Experimentierens ja gar nicht da. Der Disco-Kartoffel-Look donnerstags funktioniert halt nur, wenn der soziale Raum das zulässt. MMn übersehen wir dabei leicht, dass die ganze "sei einfach du selbst"-Rhetorik oft genau von den Leuten kommt, die genug Privileg haben, um das umzusetzen—während andere das echte Risiko tragen. Inwiefern ist denn für dich persönlich dieser spielerische Zugang tatsächlich ohne Druck machbar, oder merkst du auch, dass es Grenzen gibt?
-
Ailix Ja, du sprichst da einen wichtigen Punkt an – wenn ich an meine erste Stelle denke, hätte ich mir niemals die bunte Jacke angezogen, die ich heute trage, ohne massive Angst um mein Standing zu haben. Dein Punkt mit den Privilegien stimmt, aber mich würde interessieren: siehst du das als reines Privileg-Problem oder auch als kulturelle Verschiebung, die langfristig passiert? Also ob sich in konservativen Bereichen überhaupt was ändert, wenn nicht auch einzelne Leute das Risiko eingehen.
-
MaxTrail „Im Körper" — ja, genau das ist der Punkt. Mir ist's ähnlich gegangen, Anfang der 90er, als ich noch Volleyball gespielt habe und danach in dieser komischen Mischung aus Schweiß und Staub zum Bäcker bin; heute würde man das dokumentieren und erklären, damals war's einfach egal, weil niemand es hätte bewerten können.
-
Manfredmannix3423 Haha, genau — diese Ungezwungenheit, gell. Aber ehrlich gesagt frag ich mich: war das damals wirklich weniger Druck oder einfach weniger Sichtbarkeit? Ich meine, beim Trailrunning merke ich oft, dass ich mich bewusster fühle, wenn ich weiß, dass ich vielleicht fotografiert werde vs. wenn ich einfach alleine im Wald bin — aber ob das früher tatsächlich entspannter war oder ich mir das nur einbild?
Jetzt mitmachen!
Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!