ok, eig finde ich es immer weird, wenn ĂŒber "erfolgsplĂ€tze fĂŒr deutsche oldies" geredet wird â als wĂ€re 30-something schon irgendwie das ende der karriere. aber andererseits: stimmt auch, dass im tennis die meisten halt viel frĂŒher ihren peak haben und dann wars das. jetzt bei wimbledon wieder die ganzen geschichten von spielern, die nochmal richtig durchstarten oder eben abschiednehmen â und mich wĂŒrde interessieren: wie nehmt ihr so turniere wahr? geht euch das ganz egal, schaut ihr rein, weil alle drĂŒber reden, oder habt ihr echt interesse an den sportlern selbst? und wenn ja â was macht euch dann bei den athleten fasziniert? die lauferei, die strategien, die persönlichen geschichten?
Wimbledon, Rasen und die Frage nach dem richtigen Zeitpunkt đŸ
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Anna Ich hab das frĂŒher anders wahrgenommen, ehrlich gesagt. Ende der 90er, Anfang 2000er, da war Tennis fĂŒr mich so eine Sache â man schaut hin, wenn Wimbledon lĂ€uft, aber richtig verfolgen tat ich's nicht. Dann kam irgendwann dieser Moment, wo ich einen Spieler sah, der offensichtlich gegen die Uhr kĂ€mpfte, körperlich am Limit war und trotzdem noch Punkte gewann durch pures Denken, durch ... ja, durch AbgeklĂ€rtheit. Seitdem interessiert mich weniger die reine Athletik als eher diese Frage: wie lange schafft man es noch, die körperlichen Grenzen durch Erfahrung zu kompensieren. Bei den aktuellen Turnieren ist das ja krass zu sehen â manche 30er-JĂ€hrige spielen als wĂŒrden sie gerade anfangen, andere sind fertig. Das hat weniger mit dem Alter zu tun als damit, ob einer noch Hunger hat oder nicht đŸ Aber kann gut sein, dass ihr das ganz anders seht â vielleicht redet ihr euch selbst rein, weil's medial prĂ€sent ist, oder vielleicht habt ihr wirklich 'ne Leidenschaft dafĂŒr.
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Manfredmannix3423 Ob einer noch Hunger hat â naja, das ist ja auch oft eine Frage davon, ob die körperlichen Probleme so ĂŒberwĂ€ltigend werden, dass der Kopf einfach nicht mehr mitziehen kann. Ich hab das bei mir selbst gemerkt, wenn ich lĂ€nger verletzt war: irgendwann ist die mentale Reserve auch aufgebraucht, egal wie sehr man will. Interessant finde ich da eher die Frage, woran man konkret merkt, dass es Zeit wird, anders zu spielen â also: bei welchem Signal sagen erfahrene Spieler sich selbst, âOK, jetzt nicht mehr Kraft gegen Kraft, sondern Taktik"? Manche machen den Switch nie richtig hin, andere viel zu spĂ€t.
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Anna Aber ist das nicht auch mega abhĂ€ngig davon, ob man selbst Tennis spielt oder nur schaut â ich meine, wer aktiv auf dem Platz steht, versteht die körperliche Grenze wahrscheinlich ganz anders als jemand, der vom Sofa zuschauts? đŸ
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Samix Krass, wie du das beschreibst â diese mentale Erschöpfung ist mega real und wird oft unterschĂ€tzt đ ich kenn das auch von mir selbst, allerdings eher vom Joggen: irgendwann lĂ€ufst du nur noch, weil dein Kopf dir sagt, dass du's musst, aber der Körper hat lĂ€ngst aufgegeben. Bei Profis stelle ich mir das noch viel intensiver vor, gell, weil da ja noch zusĂ€tzlich der ganze externe Druck draufkommt. Die Frage, wann man vom Power-Game zur Taktik wechselt â das ist eig die spannendere: merkst du da bei dir selbst, ob es eher ein bewusstes âjetzt mach ich's anders" ist oder passiert das mehr unbewusst, weil der Körper einfach nicht mehr kann? đŸ
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Naja, "weird" ist fair, aber Tennis ist halt auch ne ziemlich brutale Sportart â mit 30 bist du dort nicht alt, sondern eher in deiner dritten oder vierten Karriere-Inkarnation. đ Ich finde die Persönlichkeiten deutlich interessanter als die reinen Ballwechsel: wenn eine Spielerin nach zwei Kindern zurĂŒckkommt und plötzlich wieder einen Grand Slam gewinnt, oder wenn jemand merkt, dass sie mit 32 endlich ihr Ding gefunden hat â das hat was Menschliches, wĂ€hrend die optimale Schlagmechanik mich eher zum Einschlafen bringt.
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Mal ehrlich, ich glaub du vermischst da zwei verschiedene Dinge ein bisschen ... diese mentale Erschöpfung, die du beschreibst, ist ja nicht dasselbe wie "der Körper gibt auf". Beim Joggen lĂ€ufst du weiter, weil Gewöhnung. Bei echtem mentalen Zusammenbruch im Profisport geht's weniger um "Kopf sagt ja, Körper sagt nein" â sondern um, dass die EntscheidungsfĂ€higkeit selbst flöten geht. Und dann ist die Frage nach bewusst vs. unbewusst ... naja, auch nicht ganz fair gegenĂŒber den Athletinnen, oder? Die können nicht einfach "taktisch switchen", wenn das System im Keller ist.
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Nora Naja, also ich frag mich da eher, ob das bei Profis ĂŒberhaupt noch so ne klare Grenze gibt â die trainieren ja quasi tĂ€glich, ihre Taktik flexibel zu schalten, wĂ€hrend Hobbysportler wie du vielleicht eher in ne Art Tunnel verfallen, oder? Was hat dir denn konkret geholfen, das bewusste Umschalten zu lernen?
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Nora Ah ja, das Joggen-Ding â genau da hab ich's auch schon erlebt. đȘ Bei mir wars so: Ich bin jahrelang diese feste Strecke gelaufen, immer gleiches Tempo, gleiche LĂ€nge, und irgendwann hab ich gemerkt, dass ich zwar noch hinkomm, aber es fĂŒhlt sich an wie PflichterfĂŒllung statt wie... naja, Bewegung, die mir was gibt. Das VerrĂŒckte war: Erst als ich bewusst langsamer wurde und die Route wechselte, bin ich wieder gerne joggen gegangen. Bei diesem Thema mit Wimbledon und dem Wechsel zwischen Power und Taktik wĂŒrd ich sagen, dass es wahrscheinlich beides ist â bei Profis vermutlich noch stĂ€rker vermischt. Der Körper signalisiert dir zuerst unbewusst "hey, so geht's nicht mehr", aber echte Athleten lernen dann, das zu erkennen und bewusst einen Gang runterzuschalten, statt einfach auszubrechen. Das ist vielleicht sogar der grössere Skill als das Power-Game selbst. Was ich aber spannend fĂ€nd: Merkst du bei dir selbst, wenn du joggen gehst, ob du die Entscheidung fĂŒr einen langsameren Rhythmus aktiv triffst oder ob dein Körper das einfach ĂŒbernimmt â und wie fĂŒhlt sich das unterschiedlich an? đ
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Samix Wenn du merkst, dass die alte Route zur Pflicht wird â hast du dann gemerkt, dass du dich selbst nicht mehr erkannt hast beim Joggen, oder war es eher so ein schleichendes "Moment, wann hat mir das aufgehört, SpaĂ zu machen"? Weil das ist genau das, was ich bei Ă€lteren Tennisspielerinnen faszinierend finde: Die meisten kĂ€mpfen nicht gegen ihren Körper an, sondern gegen die Erwartung, dass sie noch genauso hart kĂ€mpfen mĂŒssen wie mit 22. Der Wechsel auf Rasen ist ja oft dieser Punkt, wo klar wird â entweder ich lerne neu, oder ich verschwinde. Und einige finden da tatsĂ€chlich was Besseres als vorher, weil sie endlich nicht mehr beweisen mĂŒssen, sondern einfach nur spielen.
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Ninaax3 Naja, bei mir war's beim Joggen tatsĂ€chlich so ein schleichender Prozess â irgendwann bin ich die Strecke gelaufen und hab gemerkt, ich denk die ganze Zeit an was anderes, bin gar nicht mehr dabei. Das war seltsam. đ Bei Tennis ist das anders, weil da kommt ja noch die Komponente hinzu, dass du gegen jemand anderen spielst â da kannst du nicht so einfach abschalten. Aber ich glaub, das was du beschreibst, dieses "endlich nur noch spielen statt beweisen" â das ist der entscheidende Punkt. Die Spielerinnen, die das hinkriegen, die wirken auf einmal wieder jung, obwohl sie Ă€lter sind. Nicht weil sie schneller sind, sondern weil dieser Druck weg ist. Hast du das bei dir selbst auch schon erlebt, dass etwas wieder leicht wurde, weil du aufgehört hast, es mĂŒssen zu wollen?
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Ninaax3 Hast du dich selbst auch schon dabei ertappt, dass du eine AktivitĂ€t weitermachst, obwohl die ursprĂŒngliche Lust weg ist â und erst merkst, dass es um Gewohnheit oder Ego ging, nicht um das Ding selbst? MMn ist da was Wahres dran. Neulich auf nem lĂ€ngeren Trail ist mir aufgefallen, wie ich anfangs immer aufs Tempo geschielt hab, obwohl ich gar nicht schnell laufen wollte â irgendwann hab ich einfach den Fokus losgelassen und bin langsamer gegangen, und plötzlich war die Tour wieder interessant. Das ist wahrscheinlich Ă€hnlich wie bei diesen Tennisspielerinnen: Der Rasen zwingt dich ja quasi neu zu denken, weil die alte Strategie nicht funktioniert. Dann fĂ€llt diese Last ab, endlos schneller und hĂ€rter zu sein, bzw. zu mĂŒssen. Ob das allerdings fĂŒr alle so positiv lĂ€uft, weiĂ ich nicht â manche merken vielleicht auch, dass ihnen der Kampf selbst gefehlt hat, wenn der wegfĂ€llt. Wo siehst du da die Grenze zwischen âsich neu erfinden" und âetwas Wichtiges verlieren"?
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MaxTrail Ah ja, das kenne ich â dieser Moment, wo du merkst, dass du eigentlich nur noch deine eigene Erwartung verfolgst statt das, was du willst đ Bei mir war's Ă€hnlich beim Gaming, hab mich lange Zeit durch Spiele durchgekĂ€mpft, weil ich dachte, ich mĂŒsste sie durchspielen ... bis ich gemerkt hab, dass das einfach nur stressig ist. Bei Tennis und Rasen könnte ich mir aber vorstellen, dass dieser "Reset" nicht jedem hilft â manche Spielerinnen bauen ihre ganze IdentitĂ€t darauf auf, hart und konsistent zu sein, und wenn die Strategie plötzlich nicht zieht, kann das auch demoralisierend wirken statt befreiend, oder?
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