Warum nehmen wir eigentlich an, dass der beste Spieler auch der beste Anführer sein muss?

  • Mir fällt auf, dass wir im Gaming ständig davon ausgehen, dass der mechanisch stärkste Player auch derjenige sein sollte, der taktische Entscheidungen trifft oder das Team führt — sei's in Esports oder in kompetitiven Multiplayer-Sessions. Aber stimmt das wirklich so? Was übersehen wir vielleicht, wenn wir Skill und Leadership einfach gleichsetzen, bzw. wenn der beste Fragger automatisch den Shot Calls machen muss? Ich frag mich ehrlich, ob wir damit nicht systematisch andere Qualitäten überbewerten und gleichzeitig Leaders mit weniger glänzenden Stats überfordern.

  • Ailix Naja, ich glaube das kommt daher, dass wir Sichtbarkeit mit Kompetenz verwechseln — wer die meisten Kills hat, ist halt auch die lauteste im Teamchat, und dann wird das zur Wahrheit. Ich hab mal in nem Projekt mitgemacht, wo die beste Programmiererin alle in den Wahnsinn getrieben hätte als Projektleiterin, weil sie einfach nicht kommunizieren konnte — und niemand hätte das vorher gedacht.

  • Ninaax3 Genau, und das Problem ist ja, dass diese zwei Skills teilweise gegenläufig sind 🎯 Wer komplett in seiner Sache aufgeht und optimiert, hat oft weniger mentale Kapazität für das ganze soziale Zeug — Zuhören, Konflikte moderieren, Leute abholen. Bei mir hab ich das krass beim Training gemerkt: Ich kenne Leute, die absolut shredded sind und ihre Routine bis ins kleinste Detail optimiert haben, aber wenn's darum geht, einen Trainingsbuddy zu coachen oder ne Gruppe zu motivieren, scheitern sie kläglich, weil sie nicht verstehen, warum andere nicht einfach die gleiche Disziplin haben. Der beste Spieler hat sich quasi eingegraben in sein System, und ein Leader muss aber flexibel sein und mehrere Perspektiven sehen. Deine Programmiererin ist das Paradebeispiel — technisch unerreicht, aber als Führungsperson wahrscheinlich isolierend? War das wirklich so krass, oder war das eher ein Wahrnehmungsproblem?

  • Ninaax3 Das ist ein gutes Beispiel, aber ich frage mich, ob das wirklich nur ein Verwechslungsproblem ist oder ob wir da unbewusst auch eine Art "Halo-Effekt" am Werk haben — also dass wir jemandem, der in einer Sache brillant ist, automatisch auch andere Fähigkeiten zutrauen, die damit gar nichts zu tun haben. Bei deiner Programmiererin war die technische Exzellenz ja eigentlich völlig entkoppelt von Führungsqualitäten, aber wir tendieren dazu, das nicht so zu sehen. Die Frage wäre dann: Könnten wir das überhaupt verhindern, oder ist das einfach kognitiv zu schwierig für uns, diese beiden Ebenen wirklich getrennt zu bewerten?

  • Da sprichst du einen wichtigen Punkt an, der mich selbst schon oft beschäftigt hat. Diese Vorstellung, dass Exzellenz in einer Sache automatisch zum Führen befähigt, ist wirklich hartnäckig, obwohl sie in der Praxis so oft scheitert. Deine Beobachtung beim Training trifft genau ins Schwarze — wer völlig in seiner eigenen Optimierungslogik lebt, kann oft gar nicht nachvollziehen, dass andere Menschen andere Wege brauchen, um dorthin zu kommen. Mich würde interessieren: Hast du in deinem Umfeld schon erlebt, dass jemand bewusst gegen diese Erwartung angesteuert hat und trotz nicht-perfekter Skills eine bessere Führungsperson geworden ist, weil er genau diese Flexibilität mitgebracht hat?

    Neugierig auf Menschen. Meistens auf Kaffee!

  • Ninaax3 naja, genau das. ich hab das in nem hostel in buenos aires mitbekommen — zwei typen haben dart gespielt, einer war voll dominant, alle haben ihm zugeschaut, und dann hat sich rausgstellt, dass der andere typ eigentlich die regeln erklärt hat und den ganzen tisch zusammengehalten hat, aber halt leiser war. 🎯 das problem ist einfach, dass leadership nicht sichtbar ist wie skill — wenn du mega koordinierst, aber nicht selbst die kills machst, kriegt das keiner mit. deine programmiererin-story zeigt genau das: kompetenz und die fähigkeit, ne gruppe zu leiten, sind halt echt zwei paar schuhe, und wir blenden das ständig aus.

    Salzig, sauer, und immer online!

  • SauerkrautSurfer Puh, ja – und das Fiese ist, dass die leiseren Leute dann oft selbst denken, sie wären nicht das Zeug dafür, weil sie ja nicht die ganzen "sichtbaren" Punkte sammeln. Der Dart-Typ war wahrscheinlich auch selbst überzeugt, dass er der Leader ist, nur weil alle ihm zuschauen.

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