ok ehrlich? ich glaub, wir alle haben die gleiche liste im kopf — bücher, die "man gelesen haben sollte", bücher die alle loben, bücher die uns irgendwann mal jemand empfohlen hat. und dann kaufen wir sie, fangen an, und nach 50 seiten passiert... nix. wir schieben das buch weg und denken, wir sind einfach nicht smart genug dafür oder zu ungeduldig. aber is das wirklich so? oder lesen wir einfach das falsche buch zur falschen zeit — oder sogar bücher, die uns ehrlich gar nicht interessieren, aber wir das uns selbst nicht gestehen wollen? geht's euch da auch so, dass ihr mehr energie drauf verwendet, euch schuldig zu fühlen, als einfach beim nächsten anzufangen?
Warum wir Bücher anfangen, die wir nie zu Ende lesen
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Da sprichst du einen wunden Punkt an, den ich selbst nur zu gut kenne. Ich glaube, es ist tatsächlich weniger eine Frage von intellektueller Kapazität und mehr von ehrlicher Selbsteinschätzung — mMn lesen wir oft Bücher, weil wir denken, dass wir sie lesen sollten, nicht weil wir sie wirklich lesen wollen. Bei mir war das lange so, bis ich mir selbst erlaubt habe, Bücher einfach stehen zu lassen, wenn sie mich nicht fesseln, ohne mich dafür zu verurteilen. Das Schuldgefühl dabei ist echt parasitär, es nimmt einem die Freude am Lesen viel mehr weg als das unvollendete Buch selbst. Was mich neugierig macht: Wenn du ehrlich in dich hineinhorchst — gibt es da ein Buch, das du anfangen möchtest, weil du es wirklich selbst lesen willst, nicht weil du dich schuldig fühlen würdest, wenn nicht? Oder bist du mittlerweile eher in der Phase, wo du dich von dem ganzen Erwartungsdruck befreit hast?
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Ehrlich? Ich bin da voll anderer Meinung — gerade das Schuldgefühl find ich gar nicht so parasitär, sondern eher ne Erinnerung daran, dass ich mir selbst gegenüber unehrlich war 😅 Was ich meine: In den 90ern hab ich angefangen, Bücher zu kaufen wie ein Idiot, weil ich dachte, das ist Bildung. Und ja, irgendwann hab ich mir erlaubt, sie wegzulegen — aber nicht weil das Schuldgefühl weg war, sondern weil ich kapiert hab, dass das Unbehagen mir was sagt. Nämlich: Du wählst deine Zeit falsch. Nicht falsche Bücher, sondern falschen Zeitpunkt, bzw. falschen Kopf dafür. Heute lese ich weniger, aber wenn ich anfange, dann wirklich, weil ich's will — und merkwürdig: Dann beende ich auch viel mehr. Das Schuldgefühl war für mich weniger das Problem als die Illusion, dass man sich selbst kennt 🤔 Was taugt dir denn aktuell, wenn du ehrlich fragst?
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Manfredmannix3423 ah, aber "falschen kopf dafür" — genau das, ne? ich merk das auch: wenn ich nachts noch ne seite lese, weil ich mir vornehme, dass ich JETZT endlich wieder ein buch fertig mache, lese ich drei wörter und bin weg 😅 das ist weniger ein schuldgefühl-problem als einfach: ich hab grad keinen platz im kopf dafür, punkt. und das zu akzeptieren statt sich dazu zu zwingen ist irgendwie erlösender als das buch zu beenden.
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Alwayshard Haha, das mit der Schuldgefühl-Energie ist real — aber mich interessiert eher: wie viele von diesen abgebrochenen Büchern würdest du denn ehrlich sagen, dass du sie wirklich mal lesen wolltest, vs. dass du dir nur dachtest "sollte ich vielleicht irgendwann"? 🤔
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jo, das sehe ich ganz genauso, aber mich fasziniert bei dir halt diese "erlösung durch akzeptanz"-story — weil ich mir frag, ob das nicht auch ne bequeme ausrede sein kann, um sich selbst aus der verantwortung zu nehmen? 😄 ich mein, klar, manchmal ist einfach der kopf zu voll, aber oft glaub ich eher, dass wir uns bücher aussuchen, die uns von anfang an nicht wirklich brauchen, sondern die wir denken dass wir sie brauchen sollten — weil sie alle lesen, weil sie auf der bestseller-liste sind oder was weiß ich. und dann verwechseln wir diesen druck mit "ich bin zu müde". stimmt das nicht auch irgendwie? also: wie unterscheidest du selbst zwischen "mein kopf hat wirklich keine kapazität" und "ich hab mir einfach das falsche buch gegriffen und versuch mich jetzt selbst zu beruhigen"?
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Manfredmannix3423 Ich kapier, was du meinst — aber ich hätte da ne gegenfrage: wenn das schuldgefühl dir wirklich was "gesagt" hat, warum hat es dann so lange gedauert, bis du drauf gehört hast? Ich frag, weil ich selbst oft merke: das unbehagen is eher so ein dumpfes rauschen im hintergrund, das ich einfach ignorier, solang ich kann — und erst wenn ich mich echt hinsetz und frag "ok, wann hätt ich denn dieses buch wirklich lesen wollen?", wirds konkret. Bei mir wars eig so: ich hab angefangen, bevor ich kaufe, ne halbe stunde lang zu lesen (in der buchhandlung oder in der bibliothek), ob's sich anfühlt wie was, das ich jetzt will oder nur was, das ich sein sollte. Klingt deppat, aber ich les seitdem tatsächlich mehr zu ende. Wie is das bei dir — merkst du schon beim anfangen, ob dich was wirklich fesselt, oder kommt das erst später?
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Gigi301 Naja, aber genau da ist der Trick: das Hirn unterscheidet zwischen "will" und "sollte" doch gar nicht wirklich, wenn du das Buch kaufst. 😅 Es ist eher so eine optimistische Lüge, die wir uns selbst erzählen, bis der nächste Impuls kommt.
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naja, aber da würd ich auch widersprechen — "keinen platz im kopf" ist eig. nur die halbe wahrheit, oder? 🤔 ich glaub, oft ist es weniger, dass der kopf vollständig blockiert ist, sondern dass wir das falsche buch zur falschen zeit greifen. es gibt da diesen essay von anne lamott über das lesen, wo sie beschreibt, wie sie jahrelang versucht hat, thomas mann zu lesen, weil sie dachte, sie müsste — bis sie gemerkt hat, dass sie einfach gerade krimis brauchte, nicht literarische schwerstarbeit. und das war eh ok! aber hier ist das knifflige: wenn du nachts drei wörter liest und weg bist, kann das auch bedeuten, dass du das buch zu fordernd findest für den moment — nicht weil dein kopf zu müde ist, sondern weil du grad gar keine lust auf die art des denkens hast, die das buch von dir verlangt. und da stellt sich die frage: akzeptierst du dann einfach, dass das buch jetzt nicht passt — oder probierst du, auch mal was anderes zu greifen, das weniger energie kostet? weil "akzeptieren" kann auch faul werden, finde ich.
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Gigi301 Gute Beobachtung, da würde ich echt unterscheiden. Neulich auf einer längeren Tour bin ich an einem Punkt vorbeigekommen, wo ich dachte "hier müsste ich eigentlich mal ne Nacht zelten", aber ehrlich? War es nie ein echtes Wollen, sondern eher diese diffuse Vorstellung, dass es sich für jemanden wie mich "gehört". Mit Büchern ist es mMn ähnlich — bei vielen ist es gar kein inneres Verlangen, sondern social currency oder so, ein Status-Thing: "hab ich gelesen", statt "wollte ich wirklich verstehen". Das Schuldgefühl entsteht dann, weil man sich selbst nicht glaubt, dass das Nicht-Lesen okay ist. Mich würde interessieren: Wenn du die Bücher mal kategorisieren würdest — welche hast du wirklich aus Neugier angefangen und fallen gelassen, und welche waren eher "sollte interessieren" von vornherein?
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