Therapie im Alltag – wie schafft ihr es, zwischen Terminen tatsächlich dranzubleiben? 🧠

  • Mich würde interessieren, wie ihr das praktisch hinbekommt: Ihr seid bei eurem Therapeuten, alles macht Sinn, ihr nehmt euch vor, die Übungen zu machen oder das Gelernte umzusetzen – und dann sitzt ihr zuhause und denkt „ja, aber jetzt gerade…"? Bei mir war lange das Problem, dass ich die Sachen viel zu kompliziert umsetzen wollte, bis ich gemerkt hab, dass eine Notiz am Badezimmerspiegel manchmal mehr bringt als ein ganzes Tagebuch. Mich würde konkret interessieren: Was setzt ihr zwischen den Terminen tatsächlich um, und was bleibt liegen – und vor allem, warum? Gibt es so einen kleinen Hack, der bei euch gegrif­fen hat? (Oder ist es auch manchmal okay, einfach gar nichts zu machen und beim nächsten Termin ehrlich zu sagen, dass es nicht geklappt hat – da bin ich auch viel entspannter geworden.)

  • Samix Ich glaub, du sprichst da einen wichtigen Punkt an, aber ich frag mich, ob das Problem wirklich die Komplexität ist – oder vielleicht eher, dass wir zwischen Therapieterminen zu wenig echten Druck haben, es zu tun? 🤔 Die Notiz am Badezimmerspiegel funktioniert ja genau deshalb, weil sie dir ständig vor Augen steht und du nicht drumrum kommst, sie zu sehen – bei einem Tagebuch kannst du viel leichter sagen „mach ich später". Das heißt aber auch: Vielleicht geht es weniger um die richtige Technik, sondern um Systeme, die dich zwingen, präsent zu sein, statt dir selbst die Verantwortung zu geben. Was mich aber auch neugierig macht – ist das „einfach gar nichts machen und ehrlich sagen" wirklich okay, oder ist das manchmal auch ne Ausrede, hinter der Frustration steckt, dass die Übungen nicht zu deinem Leben passen? Oder anders: Hast du irgendwann gemerkt, welche Dinge du tatsächlich regelmäßig machst – nicht weil du dich zwingst, sondern weil sie dir direkt was gebracht haben?

  • Ailix Naja, also ich kenn das aus meinen eigenen Versuchen – ich hatte mal ne Phase, wo ich mir dachte, ich schreib mir einfach alles auf und mach das zwischen den Terminen, sehr strukturiert und so. Aber ehrlich gesagt war das ein bisschen selbstbetrug, weil ich dann auch einfach... nicht gemacht hab. Der punkt ist wahrscheinlich: wenn dich nix zwingt, außer dein eigener kopf, dann ist das verdammt schwer, egal wie gut die technik ist. Ich glaub aber auch nicht, dass „gar nix machen und ehrlich sagen" ne ausrede ist – manchmal ist es einfach auch okay zu merken „das passt gerade nicht zu mir" und das anzusprechen statt sich selbst unters rad zu fahren. das hat sich aber irgendwie weniger geändert seit damals, egal welche self-help-tools es gibt.

  • Ailix Was meinst du mit "Systemen, die dich zwingen" – hast du da konkret was im Kopf, das bei dir tatsächlich funktioniert hat, oder ist das eher eine Vermutung? Weil ich glaub, da steckt was Wahres drin, aber "gezwungen werden" klingt für mich schnell nach Drill, und meine Erfahrung ist eher: Wenn ich mir selbst zu viel Druck mach, brauch ich danach erst recht ne Pause davon. Bei mir hat eher geholfen, die Hürde so absurd niedrig zu machen, dass ich gar nicht nein sagen kann – nicht weil ich gezwungen bin, sondern weil es genuinely einfacher ist, es zu machen als nicht.

  • Aber wie sieht denn dein Badezimmerspiegel-Setup konkret aus – schreibst du da jede Woche was Neues hin oder bleibts bei ein paar fixen Sätzen? Ich glaub eh, dass diese Friction-Reduktion das Wichtigste ist, also dass man nicht erst drei Schritte machen muss um anzufangen. Mir hat da eine dumme kleine Handy-Erinnerung um 19 Uhr geholfen (ja ich weiß, boomer-move), und seitdem geht's mir psychologisch viel leichter... keine Ahnung warum, ist wahrscheinlich so wie beim Programmieren wenn man sich einfach einen starten lässt statt alles selbst zu triggern, aber irgendwie hat das bei mir mehr gebracht als die ganze "Mindset"-Prosa und

    Das Leben klingt besser mit Musik!

  • Ailix Eh, da sprichst du was Wahres an – aber zwischen „Notiz am Spiegel" und „mir selbst die Verantwortung geben" liegt mMn weniger ein großer Unterschied, als dass beides letztlich auf die gleiche Sache rausläuft: Irgendwann musst du dich selbst zur Verantwortung ziehen, egal wie sehr dich die Notiz anstarrt. Vielleicht ist das unbequem, aber „Systeme, die dich zwingen" sind am Ende auch nur aufgeschobene Eigenverantwortung, oder?

  • Ninaax3 „Systeme, die dich zwingen" — ja, aber ich glaub, da verwechselst du zwei verschiedene Dinge. Es geht nicht darum, dass die Notiz dich zwingt, sondern dass sie die Reibung senkt, wenn dein Gehirn gerade im Chaos-Modus ist. Das klingt wie eine kleine Nuance, ist aber voll entscheidend — es gibt diese Forschung (glaub von BJ Fogg, dem Verhaltens-Designer), dass Menschen bei schwierigen Dingen nicht erst „diszipliniert werden müssen", wenn die Hürde zu hoch liegt. Stattdessen geht's darum, die Hürde so klein zu machen, dass du gar nicht erst gegen deine inneren Widerstände ankämpfen musst. Die Notiz am Spiegel schafft nicht Eigenverantwortung — sie schafft einen Moment, wo Eigenverantwortung überhaupt erst möglich ist, weil du nicht vorher schon mental ausgebrannt bist vom Entscheiden. Dass du dich dann tatsächlich hinsetzen musst — ja, da führt kein Weg dran vorbei. Aber das ist ein unterschiedliches Problem als „ich vergess es komplett". Merkst du den Unterschied, oder bin ich jetzt zu spitzfindig?

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!