Liest ihr noch Bücher über Dinge, die euch nicht direkt betreffen?

  • mir is neulich aufgefallen, dass ich als junger kerl jeden kram gelesen hab — über eishockey, über leute aus ganz anderen welten, über zeug das mich null interessiert hat. und irgendwie hat mir das damals nicht blöd vorgekommen. aber jetzt, wo ich älter bin, merke ich, dass ich eher zu dem greife, was ich "brauche" oder was mit meinem leben zu tun hat. frag mich, ob das an mir liegt oder ob sich da grundsätzlich was verändert hat bei den leuten. wie is das bei euch — lest ihr noch so explorativ, oder seid ihr auch eher zielgerichtet beim aussuchen unterwegs?

  • Ehrlicherweise klingt das für mich nach: je älter, desto weniger Zeit, desto mehr will man sie "optimal nutzen" — aber ob das wirklich besser is, fraglich. 📖 Vielleicht vermisst du einfach die Neugier mehr, als dass sie wirklich weg is?

  • Alwayshard Hm, aber stimmt das wirklich, dass es nur eine Frage der Zeit ist? 🤔 Ich mein, ich kenn auch Leute, die total vollgepackt sind mit Arbeit und Familie und trotzdem noch in die wildesten Sachbücher über Zeug reinziehen, das sie null direkt betrifft — einfach weil sie's fasziniert. Gleichzeitig kenn ich junge Leute, die lieber Reels scrollen als ein Buch zu lesen, obwohl sie mega viel Zeit hätten. Könnte es also sein, dass das weniger mit Alter oder Zeit zu tun hat, sondern eher damit, wie wir unseren Fokus trainiert haben? Wie wir gelernt haben, Aufmerksamkeit zu „bewirtschaften"? Das mit der Neugier is voll interessant — aber vielleicht isn't sie weg, sondern sie is einfach umgeleitet worden auf andere Kanäle, die schneller dopaminen, gell. Was denkst du: Wenn du jetzt ein Buch über etwas komplett Verrücktes in die Hand nehmen würdest — würde dich das wieder packen, oder würdest du nach fünf Minuten merken, dass du dich nicht konzentrieren kannst?

  • Ailix Guter Punkt, wobei ich ehrlich sagen muss: Meine Neugier funktioniert am besten, wenn ich sie auch körperlich trainiere. Neulich auf einer längeren Tour bin ich in einen Flow gekommen, wo mein Kopf sich einfach freier angefühlt hat — und genau dann habe ich abends wieder Lust auf ein echtes Buch gehabt, nicht auf Häppchen im Handy. Ich glaube, du hast recht, dass es weniger ums Alter geht und mehr darum, wie wir unseren Fokus "kalibriert" haben. Aber ich merke auch: Wenn ich zu lange nur digital konsumiere — auch interessante Inhalte — wird meine Aufmerksamkeitsspanne schmäler, nicht breiter. Es ist wie Muskeltraining in umgekehrt. Das würde auch erklären, warum manche vollgestresste Menschen trotzdem noch lesen: Sie haben irgendwann gelernt, sich regelmäßig aus der Dauerstimulation rauszunehmen. Während andere mit mehr freier Zeit gar nicht lernen, wie das geht. Merkst du selbst einen Unterschied, wenn du bewusst wieder längere Zeit mit einem Thema verbringst — ob das Buch oder was anderes ist?

    Zwischen Bergpfaden und klaren Gedanken...

  • Ja, des hab ich auch gemerkt — irgendwann um die 2000er is mir selbst aufgefallen, dass ich nur noch Sachen gelesen hab, wo ich dacht "brauch i für später". Hat sich seither eher verschärft als entspannt, würd i sagen.

  • Ninaax3 Ja eh, genau das hab ich bei mir auch gemerkt — irgendwann schaust du auf jedes Buch und fragst dich automatisch "bringt mir das was", statt es einfach zu lesen weil's interessant is. Hab bewusst wieder angefangen, mir Zeug zu schnappen wo ich gar nicht weiß, ob's "nützlich" is, und viel entspannter ist es.

  • Hmm, ich glaub das ist auch ne Frage von Kopfraum, ehrlich gesagt. Wenn du den ganzen Tag im Modus "noch-was-zu-tun" bist, packst du dir nicht freiwillig ein Buch über japanische Architektur oder... whatever, nur weil's interessant klingt. Du willst hinterher was davon haben oder einfach nur dein Hirn ausschalten. Und ja, das ist schade, aber ich glaub nicht dass das ne generelle Verfallserscheinung ist — eher dass die Anforderungen einfach andere wurden mit den Jahren. Zumindest für manche Menschen.

  • MaxTrail Interessant, dass du diesen Zusammenhang zwischen körperlicher Bewegung und intellektuellem Fokus ziehst — ich hab das ähnlich beobachtet, aber immer eher als Zufall abgetan. Was mich aber neugierig macht: Ist es wirklich die körperliche Aktivität selbst, die deine Lesefähigkeit "trainiert" oder ist es vielleicht eher die Unterbrechung von ständiger Reizüberflutung, die hier den Unterschied macht? Also ob das spazieren gehen, meditieren oder einfach nur mal eine Stunde offline sein könnte... Deine Beobachtung mit der "Aufmerksamkeitsspanne" wird ja oft so erzählt, als wäre das Handy der Schuldige, aber ich frag mich, ob das nicht zu simpel ist. Vielleicht trainieren wir mit digitalem Konsum ja nur eine andere Art von Aufmerksamkeit — schnelle Sprünge statt tiefe Fokussierung — und beide sind möglich gleichzeitig? Manche Menschen scheinen ja trotzdem in beiden Modi zu funktionieren und trotzdem noch dicke Bücher zu schaffen. Hast du das selbst getestet, ob es wirklich die Tour sein musste oder ob auch andere Pausen denselben Effekt auf deine Lesemotivation hätten?

  • Ich kenne das total — ich hab mal ein Buch über die Geschichte von Seifenblasen gelesen, weil ich es zufällig gefunden hab, und es war einfach so erfrischend, sich mal nicht zu fragen, ob ich das später irgendwie verwenden kann. Wie lange hast du denn schon wieder so „zwecklos" gelesen, bevor du gemerkt hast, dass es dir besser tut?

    Neugierig auf Menschen. Meistens auf Kaffee!

  • Aber warte mal — wenn sich das verschärft hat, heißt das dann, dass du mittlerweile noch weniger aus reiner Neugier liest, oder dass du einfach generell weniger liest und das, was du liest, dann halt immer zielgerichteter is?

  • Ailix Moment, fragst du das, weil du selbst merkst, dass du schwerer in längere Texte reinkommst, oder ist das mehr eine theoretische Überlegung für dich? Ich find deine Unterscheidung zwischen verschiedenen Arten von Aufmerksamkeit eh leiwand — da könnte tatsächlich was dran sein. Mir is das selbst passiert: Ich hab monatelang hauptsächlich Twitter und Reddit konsumiert und bin dann beim Versuch, ein längeres Essay zu lesen, einfach abgerutscht nach zwei Absätzen. Aber es war weniger so, dass ich nicht konnte, sondern dass mein Gehirn diese Art von Input gar nicht mehr als "normal" wahrgenommen hat — wie wenn du plötzlich von 120 Sachen auf 30 abbremsen musst. Seitdem versuche ich bewusst, jeden Tag eine halbe Stunde zu lesen, nicht mal weil ich unbedingt das Buch zu Ende bringen will, sondern weil ich einfach das Gefühl hab, dass ich eine Fähigkeit trainiere, die ich sonst verliere. Deine These, dass es um Unterbrechung von Reizüberflutung geht statt um die Bewegung selbst, könnte also sehr wohl stimmen.

    Das Leben klingt besser mit Musik!

  • eig glaub ich, du sprichst da was wichtiges an — es geht wahrscheinlich weniger um bewegung vs. stillstand und mehr darum, dass du dich selbst wieder langweilen darfst, ohne sofort was zu optimieren, ja? ich bin letztens ne stunde ohne handy einkaufen gegangen und war nachher so desorientiert, dass ich ernsthaft überlegt hab, ob ich das als "achtsamkeitstraining" verkaufen kann, aber war eigentlich nur bummelig im kopf — und irgendwie war das ganz gut.

  • Ninaax3 Ja genau, dieses "ohne sofort was zu optimieren" — das ist eigentlich das Problem, oder? Weil selbst rumzubummeln wird dann zur Strategie, zur Selbstoptimierung umgedreht. Aber du warst einfach nur... bummelig im Kopf, das ist doch schon was. Wie oft passiert dir das denn, dass du gar nicht erst in diesen "muss ich draus lernen"-Modus reinrutschst?

  • Ailix Naja, ich glaub das ist weniger entweder/oder. Neulich auf ner längeren Tour hab ich gemerkt, dass es nicht nur um die Ruhe geht — wenn ich laufe, passiert was mit meinem Rhythmus, der Atem wird regelmäßig, und irgendwie folgt mein Gehirn dem nach, statt ständig umzuschalten. Mit meditieren allein würde mir das nicht so smooth gelingen, ehrlich gesagt... das fühlt sich für mich zu künstlich an, aber beim Gehen passiert's nebenbei.

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