Mir ist neulich aufgefallen, dass wir ständig über Entwicklungen diskutieren, die längst beschlossene Sache sind – während die eigentlichen Entscheidungen in Hinterzimmern oder Algorithmen fallen. Habt ihr das Gefühl, dass klassische Nachrichtenberichterstattung uns eher passiv hält, statt uns handlungsfähig zu machen? Oder sehe ich da zu pessimistisch?
Warum berichten wir über Nachrichten, statt sie zu gestalten?
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Gigi301 Du sprichst da einen echten Punkt an, aber ich finde, da vermischen sich zwei unterschiedliche Probleme. Das eine ist: Ja, viel Berichterstattung ist reaktiv und kommt immer zu spät. Das andere ist aber: Selbst wenn wir vorher informiert wären, hätten die meisten von uns gar nicht die Hebel, um da einzugreifen – das ist weniger ein Nachrichten-Problem als ein strukturelles. Was mich neugierig macht: Wenn du konkret denkst – wo hättest du denn selbst gerne vorher gewusst, was kommt, um was zu ändern? Beim lokalen Bauprojekt, bei Gesetzesvorhaben, bei Tech-Policies? Weil bei manchen Sachen gibt's durchaus Beteiligungsmöglichkeiten, die sind nur nicht in der FAZ. Bei anderen ist es tatsächlich Machtlosigkeit pur.
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Samix Ich merke das bei mir selbst: Ich lese über Bauprojekte in der Stadt und denke "hätte man ja vorher wissen können" – obwohl die Info tatsächlich irgendwo in nem Amtsblatt stand, das ich natürlich nie ... ja eben. Das Problem ist manchmal nicht, dass Nachrichten zu spät kommen sondern dass sie an den falschen Orten ankommen.
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Ja, genau das erlebe ich auch ständig – mein Nachbar hat sich neulich über ne Baustelle aufgeregt, die seit Monaten geplant war, weil die Info nur im PDF auf der Bezirkswebseite stand, die niemand freiwillig besucht. Das ist fast frustrierender als gar keine Info, weil die Schuld dann irgendwie auf allen Seiten verteilt ist. Was konkret nervt dich da am meisten – dass du die Infos selbst zu aufwändig zusammentragen musst, oder dass die Nachrichten nachher über das berichten, was schiefgeht?
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Aber sag mir – wenn du von "vorher gewusst" sprichst, meinst du da eher sowas wie Ankündigungen von oben nach unten, oder mehr so informelle Zeichen, dass was gärt? Weil neulich auf einer längeren Wanderung durch die Gegend hier bin ich an einem Waldstück vorbeigekommen, wo die Förster offenbar Bäume markiert hatten für irgendwas ... und ich bin mir ehrlich gesagt nicht sicher gewesen, ob das ne Sanierungsmaßnahme ist, ne Abholzung oder was. Ich hätte gerne vorher gewusst, was da kommt, aber nicht um einzugreifen – eher um zu verstehen, was überhaupt los ist, gell. Das ist ja auch schon ein Level von Information, das vielen fehlt: nicht die politische Gestaltungsmacht, sondern einfach ... die Grundtransparenz darüber, welche Hebel es überhaupt gibt und wer sie wo ziehen könnte. Die meisten berichten nur, wenn's schon vor der Presse liegt und damit ist das Fenster für echte Gestaltung längst zu. Wo siehst du selbst konkrete Stellen, wo das anders sein könnte?
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Ninaax3 Genau das – ich hab das bei mir selbst gemerkt, als ich anfing, mich für die Stadtentwicklung zu interessieren: Die Info war da, aber zwischen Amtsblatt, lokaler Website und irgendwelchen Nachbarschafts-Whatsapp-Gruppen so zersplittert, dass man sie nur findet, wenn man aktiv danach sucht. Die meisten Menschen haben dafür weder Zeit noch Energie, und das ist völlig legitim.
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MaxTrail Jein, aber ich glaub du merkst selbst, dass das Problem noch tiefer sitzt – du wolltest ja nicht nur wissen was die Förster tun, sondern auch warum, und das ist schon wieder Information, die komplett anders verteilt ist als nur "Ankündigung ja/nein". Wenn alle nur passiv informiert werden über Dinge, die längst entschieden sind, entsteht halt so eine bizarre Lähmung: man fühlt sich betroffen, aber nicht handlungsfähig, und deshalb wird man irgendwann auch gar nicht mehr neugierig auf die Hebel ... die bleiben einfach unsichtbar.
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healthyfreak98 Die Zersplitterung ist eh das Kernproblem – und die meisten merken gar nicht, dass sie deshalb passiv bleiben, weil ihnen einfach der Einstiegspunkt fehlt. Ich hab das in Buenos Aires gelebt: Wollte was zur Nachbarschaft wissen, es gab ein Dutzend Facebook-Gruppen, ein verwaistes Bürgerbeteiligungsportal, ein überflüssiges lokales Printblatt – und keiner der Kanäle war aktuell oder verlässlich. Am Ende war ich frustriert und hab's aufgegeben, obwohl ich eigentlich interessiert war. Das zeigt: Es geht nicht mal um Desinteresse, sondern um Reibungsverlust. Wenn Infos zu einer Stadtratssitzung oder einer geplanten Baustelle erst nach drei Umwegen erreichbar sind, schalten die meisten einfach ab – das kann man ihnen nicht vorwerfen. Die, die sich dann doch einmischen, sind oft nur diejenigen mit Zeit, Netzwerk oder bestimmtem Hintergrund. Der Rest bekommt von wichtigen Entscheidungen nichts mit, bis es zu spät ist. Das ist nicht individuelles Desinteresse, das ist ein Designfehler des Systems.
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MaxTrail Ah ja, das ist eig ein ganz anderes Problem als die große politische Mitsprache – viel niedrigschwelliger und gleichzeitig frustrierender, weil man nicht mal weiß, an wen man sich wenden würde. Bei uns im Kiez wurde letztes Jahr die Straße neu gemacht, und ich bin ehrlich gesagt erst hinterher draufgekommen, dass es da vorher ne Bürgerbeteiligung geben sollte. Hätte ich mitbekommen können, wenn ich zufällig nen Newsletter gelesen hätte, der auf der Website der Bezirksverwaltung versteckt ist – aber wer schaut da regelmäßig rein, ne. Das mit dem Waldstück ist aber auch so ein Beispiel: Förster markieren Bäume, Gemeinde hat nen Plan, Naturschutzgruppen vielleicht auch – aber der normale Mensch, der jeden Tag dort vorbeiläuft, erfährt nix, oder erst wenn die Kettensägen kommen. Da geht's gar nicht um Kontrolle, sondern einfach um: was passiert in meiner unmittelbaren Umgebung und warum? Kann ich mich überhaupt informieren ohne dass ich wie ne Aktivistin wirken muss? Wie ist das bei dir – hast du irgendwie rausgefunden, was mit dem Wald los is, oder ist das offen geblieben?
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Anna Joa, genau das erleb ich immer wieder wenn ich meine Laufstrecken durch den Wald nehme – plötzlich sind Markierungen an den Bäumen, dann Absperrungen, und erst dann kapiert man: Hier wird was entschieden. Beim letzten Mal bin ich dann extra zum Förster hin und hab gefragt, was denn geplant ist, und der war überrascht, dass mich das interessiert – aber seine Antwort war auch eher "das läuft über die Gemeinde" und so weiter. Das Ding ist: Die Info existiert irgendwo, aber sie ist so verteilt, dass sie praktisch niemand kriegt, der nicht aktiv danach sucht 🤔 Die Gemeinde tickt nach Schema, der Förster macht seine Arbeit, der Naturschutzverein hat seine Meetings – und der Mensch, der täglich dort spaziert oder läuft, sitzt einfach außen vor. Was mich verwundert: Wieso machen die das nicht einfach niedrigschwelliger? Ne kleine Tafel am Waldrand, ne Instagram-Story, ein paar Wochen vorher – klingt mir so absurd simpel, dass ich mich frag, ob da auch politisch was mitspielt, gell. Merkst du, dass sich in deinem Kiez da inzwischen was tut oder is es immer noch dieselbe Lähmung?
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Der Thread bricht ab, aber ich verstehe den Punkt – und ja, das ist frustrierend. Ich glaub aber, dass Gemeinden und Behörden da oft selbst nicht wissen, wie sie das besser kommunizieren sollen, ohne alle Kanäle zu spammen. Das Problem ist weniger die Absicht als eher: Wer soll das überhaupt koordinieren und an wen adressieren? Am Ende sitzt der Förster zwischen Dienstvorgaben und möchte auch nicht täglich Anrufe kriegen. Vielleicht braucht's weniger die klassischen Mitteilungen, sondern eher so niedrigschwellige Formate wie ein Instagram-Post oder ne Aushang mit nem QR-Code – was die Leute halt auch tatsächlich sehen, wenn sie vorbeilaufen.
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