Digitale Planung im Urlaub – wie haltet ihr das aus mit ständiger Erreichbarkeit?

  • Mich interessiert, wie ihr das praktisch hinkriegt: Ihr plant ne Woche Algarve, bucht Hotel, Beach Club, alles schön – und dann sitzt ihr dort und kriegt ständig Nachrichten, Mails, Slack-Benachrichtigungen. Manche schalten das Handy aus, andere nehmen den Laptop mit 'für den Notfall'. Aber was funktioniert bei euch wirklich, ohne dass ihr euch nachher wie Arbeit anfühlt? Wie regelt ihr das vorher mit Chef/Kunde/Familie, bzw. nutzt ihr bestimmte Apps zum Blockieren von Ablenkung? Interessiert mich, was bei euch tatsächlich geholfen hat – und wo ihr sagt: Naja, das war nicht mein Ding.

  • Ich hab das lange falsch gemacht – in Thailand im Hostel gesessen, VPN an, auf irgendeinem Retro-Laptop versucht noch schnell Emails zu checken, während die anderen Backpacker um mich rum chillen. Hat mir den ganzen Trip versaut. Mittlerweile: Vorher mit dem Chef klar machen, dass ich wirklich weg bin (nicht "erreichbar im Notfall"), Slack deinstallieren für die Zeit, und ehrlich gesagt hilft es mir mehr, das Handy einfach im Hotel zu lassen, wenn ich was unternehmen geh – kein App, kein Blocken, nur physisch nicht dabei. Funzt bei mir besser als jede Willenskraft. Was bedeutet bei dir "Notfall" – ist das wirklich nur existenzielle Krisen, oder schleichen sich da auch regelmäßig normale Work-Sachen rein?

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  • SauerkrautSurfer Naja, ich würd da eher sagen: bei den meisten Leuten ist "Notfall" einfach ein Euphemismus für "ich trau mir nicht, richtig abzuschalten" 😅 Mir geht's ähnlich wie dir, aber ich bin ehrlich noch nicht so konsequent – ich lass mein Handy mit, deaktiviere aber Push-Notifications für alles außer echt kritischen Kontakten. Was mir aber bewusst geworden ist: meine Definition von Notfall hat sich krass verschoben. Vor zwei Jahren hätte ich noch gedacht, dass ein Bug in Production während meines Urlaubs ein Notfall ist, mittlerweile weiß ich, dass die meisten Probleme locker 10 Tage warten können... und denen, die es nicht können, müssen andere Menschen lösen – das ist ja irgendwie auch der Punkt. Ich glaub, das Handy im Hotel lassen ist tatsächlich der Gamechanger, den ich probieren sollte, weil digital "nein sagen" ist irgendwie nicht so effektiv wie einfach keine Geräte zur Hand zu haben.

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  • Samix Aber stimmt's wirklich, dass man das vorher mit Chef und Kunde regeln muss – oder ist das eher eine Ausrede, um sich selbst nicht schlecht zu fühlen beim Abhängen? 🤔 Mich würde interessieren, ob nicht viele von euch das einfach tun könnten, wenn ihr euch trauen würdet.

  • SauerkrautSurfer Also, das mit dem VPN-im-Hostel – da erkenn ich mich wieder, nur dass ich damals noch mit nem Netbook und nem 56k-Modem in ner Internet-Ecke in Bali saß und die Verbindung alle drei Minuten abgebrochen ist. Hat mich wahnsinnig gemacht, und im Nachhinein war das auch komplett unnötig – nichts ist kaputt gegangen, während ich weg war, aber ich konnte das nicht loslassen. Was du mit dem Handy im Hotel machst, das finde ich eigentlich voll smart, weil es nicht um Disziplin geht, sondern um Architektur – wenn das Ding physisch nicht dabei ist, gar keine Entscheidung nötig. Bei mir hat sich da auch was geändert mit den Jahren, weniger weil ich älter bin, sondern weil ich irgendwann gemerkt hab, dass „Notfall" für meinen Chef immer mehr wurde, je erreichbarer ich war – erst waren's wirklich Notfälle, dann Dinge die „bis Mittwoch noch schiefgehen könnten", dann ... naja, du kennst das. Die Erwartung wächst mit der Verfügbarkeit. Aber ich glaube, das erleben junge Leute heute vielleicht noch intensiver, weil's einfach keine Grauzone mehr gibt – entweder du bist online oder eben nicht, und da können sich die Chefs leichter aufregen.

  • Manfredmannix3423 „Notfall" ist das Stichwort – genau das passiert, wenn du ständig antwortest. Dein Chef lernt einfach, dass du immer da bist, und dann wird plötzlich jede Kleinigkeit zur Notfall-Nachricht um 22 Uhr 🙃 Ich hatte das auch mal in einer Airbnb in Lissabon, wo ich dachte, ich könnte „schnell noch kurz" auf Slack schauen – und bin dann natürlich hängengeblieben, weil eine Mail nach der anderen kam. Das Blöde ist: Niemand zwingt dich, die zu lesen. Aber psychologisch fühlt es sich an wie eine Verpflichtung. Die beste Strategie, die ich kenne, ist tatsächlich genau das, was du sagst – nicht Willenskraft, sondern logistische Sperren bauen. Handy im Safe, E-Mail-Autoresponder mit klarem „Ich bin weg bis [Datum], nur echte Notfälle an [Kollege]". Wenn es strukturell unmöglich ist zu antworten, hört man auch auf, ständig drauf zu schauen.

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  • Ailix Ich hab das anders erlebt, ehrlich gesagt. Bei mir war's eher umgekehrt – ich dachte lange, ich könnte einfach abschalten und keiner würde's merken, aber dann kamen die genervten Nachrichten zurück und plötzlich war der Urlaub im Eimer. Nicht wegen mir, sondern weil ich's vorher nicht geklärt hatte und ... naja, das war unbequem für alle. Ich glaub nicht, dass es nur eine Ausrede ist, sich nicht schlecht zu fühlen. Manche Jobs sind einfach so strukturiert, dass du ohne Absprache ärger erzeugst – nicht für dich selbst, sondern für dein Team. Das ist n Unterschied zu "sich trauen". Wie sieht's denn bei dir aus – hast du ne Situation, wo du merkst, dass dein Chef dir was aufzwingt, oder fragst du dich selbst, ob du einfach abmachen könntest?

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  • SauerkrautSurfer Ja, aber das ist ja das Problem – eine echte Sperre hilft nur, wenn dein Arbeitgeber die auch akzeptiert. Ich kenn das aus den späten 90ern, als die ersten Leute Laptops mit in den Urlaub schleppten: Die Grenze war schnell verwischt, und wer sie zu deutlich zog, galt plötzlich als "nicht flexibel". Hat sich eigentlich bloß die Technologie geändert, nicht die Erwartungshaltung... oder sieht das bei dir anders aus – ist das in deinem Job auch so eine unausgesprochene Sache?

  • SauerkrautSurfer Ah ja, der Safe-Trick – aber ehrlich, ich bin dann trotzdem nach ner Stunde hingegangen 😅 Bei mir hat letztendlich nur geholfen, dass ich vorher mit meinem Chef geklärt hab: „Ich bin wirklich nicht erreichbar, und das ist OK so." Nicht als Frage, eher als Statement. Was hält dich denn konkret davon ab, das so zu kommunizieren – oder ist eher die innere Ungeduld das Problem, dass du selbst ständig checken willst?

  • Samix Naja, aber dieses Statement gegenüber dem Chef – hilft das wirklich, wenn die innere Stimme trotzdem nach zehn Minuten schreit, dass irgendwas schiefgeht? 🤔 Ich glaub, das Problem sitzt viel tiefer: wir haben uns so dran gewöhnt, dass Kontrolle = Sicherheit bedeutet, dass selbst die beste externe Kommunikation nicht viel bringt, wenn man sich selbst nicht... ja, vertraut, gell.

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  • Ich merke da aber einen interessanten Widerspruch bei dir: du sagst, die innere Stimme schreit nach zehn Minuten – aber woher weißt du das so genau? Hast du das selbst ausprobiert, oder redest du über das Gefühl, das du vorher hast, bevor du es überhaupt versuchst? Ich frage, weil ich beobachtet habe, dass viele Leute sich das Schlimmste ausmalen, bevor sie tatsächlich im Urlaub sind, und dann feststellen, dass die Realität deutlich entspannter ist als die Angst vorher. Gleichzeitig glaube ich dir, dass dieses Kontroll-Ding strukturell in uns drin ist – aber ist das wirklich ein persönliches Vertrauensproblem, oder ist es nicht auch Teil eines Systems, das uns seit Jahren belohnt, ständig erreichbar zu sein? Vielleicht ist es weniger eine innere Stimme und mehr eine trainierte Gewohnheit, die sich anfühlt wie eine innere Stimme. Was würde denn konkret anders sein, wenn du eine Woche wirklich offline gehen könntest – wäre die Angst dann nach drei Tagen weg oder bleibt sie?

  • "Unbequem für alle" – ja, genau da sitzt der Knackpunkt, gell. Du sprichst da was mega Wichtiges an: Es geht oft gar nicht um Mut oder Faulheit, sondern um die simple Realität, dass manche Jobs so verflochten sind, dass dein Verschwinden echt Chaos auslöst. Das ist kein psychologisches Problem, das ist dann einfach Handwerk – wenn du der einzige bist, der weiß, wo die Notfallnummern sind oder wie ein bestimmter Prozess läuft, kannst du nicht einfach so wegbeamen. Das unterscheidet sich voll von Leuten, die sich einreden, sie können nicht weg, obwohl sie könnten. Die Frage ist dann eher: Haben diese Jobs überhaupt ne Infrastruktur für echte Pausen, oder sind sie grundsätzlich so designt, dass eine Person immer am Anschlag läuft? Und ehrlich: Wie sieht's in deinem aktuellen Setup aus – hast du da mittlerweile ne bessere Absprache hinbekommen, oder sitzt du immer noch in der gleichen Nummer fest?

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